Bezirksgericht Zurzach
Zwei staatenlose Cousinen machten auf Einbruchstour fette Beute – doch nun folgte die Quittung

Zwei staatenlose Cousinen standen wegen Einbruchdiebstählen vor dem Bezirksgericht in Bad Zurzach. Beiden drohten Gefängnisstrafen.

Rosmarie Mehlin
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Die beiden Cousinen brachen in mehrere Liegenschaften ein. (Symbolbild)

Die beiden Cousinen brachen in mehrere Liegenschaften ein. (Symbolbild)

Keystone

Yasemina ist 22-jährig (Namen geändert), hübsch und sehr zierlich. Aber was sie getan hat, ist alles andere als fein. Angeklagt des mehrfachen, teilweise gewerbs- und bandenmässigen Einbruchdiebstahls, sass sie vor Gericht. Mitangeklagt ihre Cousine Alena. Diese 19-jährig, etwas weniger zierlich, aber ebenfalls mit rabenschwarzem Haar, dunklem Teint, interessanten Gesichtszügen. Auf den Zuschauerbänken hatten die Grossmutter sowie Onkel und Tante der beiden Mädchen, Alenas Mutter und Yaseminas Schwester Platz genommen.

Yasemina sitzt seit über sechs Monaten in Untersuchungshaft. Sie hat eine dreijährige Tochter, ist nach Familienbrauch verheiratet, nicht aber vor dem Gesetz. Geboren sind beide Cousinen in Mazedonien, aufgewachsen zunächst in Italien, später in der Schweiz. Die ganze Familie ist staatenlos. Alena lebt mit den Eltern und sechs jüngeren Geschwistern in einer 31⁄2-Zimmer-Wohnung in Zürich. Der Vater ist Putzmann in einem Restaurant, das Sozialamt kommt für den Hauptteil des Unterhalts auf. Yasemina wurde von der Grossmutter grossgezogen, lebte im Bernbiet. Ihr Status als vorläufig Aufgenommene war im Oktober 2012 abgelaufen. Danach hat Yasemina mit Mann und Kind in Frankreich gelebt.

Schmuck erbeutet

Im September 2014 aber war sie widerrechtlich in die Schweiz eingereist. In einer Liegenschaft in Schneisingen hatte sie – nach ihren Angaben zusammen mit Alena – ein WC-Fenster aufgedrückt, war eingestiegen und hatte Schmuck im Wert von 5100 Franken entwendet. Im Oktober 2015 war Yasemina dann alleine, via eingeschlagene Terrassentüre, in ein Haus in Spiez eingestiegen. Die Beute: Bargeld und Schmuck im Wert von 4250 Franken. Beim dritten Streich, im März in Zug, waren Yasemina und Alena auf frischer Tat ertappt worden. Bereits am anderen Tag hatte die Staatsanwältin den beiden persönlich die Strafbefehle über bedingte Geldstrafen ausgehändigt.

Nichtsdestotrotz hatten die zwei Cousinen sich nur knapp sechs Wochen später ein Objekt in Schaffhausen vorgeknöpft. Sie schlugen ein Fenster ein und machten für gut 6500 Franken Beute. Nur zwei Tage später ging Yasemina der Polizei ins Netz. Leugnen war zwecklos – die DNA-Spuren sprachen in allen Fällen Klartext. Beim Einbruch in Schaffhausen war das auch der Fall mit Alenas DNA. In Schneisingen hingegen waren von ihr keine Spuren festgestellt worden und vor Gericht leugnete die 19-Jährige denn auch, dort beteiligt gewesen zu sein: Yasemina behaupte solches, um sich an ihr – wofür auch immer – zu rächen.

Eine Lektion fürs Leben

Während Alena sich vor den Schranken recht selbstbewusst gab, war Yasemina ein schluchzendes Häufchen Elend: Sie leide im Gefängnis, die sechs Monate Haft seien ihr eine Lektion fürs Leben; sie vermisse ihre Tochter unendlich und alles tue ihr sehr leid. Der Staatsanwalt forderte für Yasemina eine Haftstrafe von 17, für Alena eine solche von 10 Monaten.

Yaseminas Verteidiger plädierte – die Banden- und Gewerbsmässigkeit für nicht gegeben erachtend – für vier Monate Gefängnis, Alenas Anwalt für 900 Franken Geldstrafe. Das Verdikt des Gerichts unter Cyrill Kramer war einstimmig: Yasemina wurde zu 12 Monaten Freiheitsstrafe unbedingt und 2100 Franken Geldstrafe aus dem Widerruf des Urteils von Zug verurteilt. Alena wurde, in dubio pro reo, von der Teilnahme am Einbruch von Schneisingen freigesprochen, zu 4500 Franken Geldstrafe unbedingt plus 1350 Franken aus dem Widerruf des Zuger Urteils verknurrt.