Zurzach
«Zwei farbenfrohe Vögel» stellen in der Galerie Mauritiushof aus

Der Holzbildhauer Peter Frisch und der Grafiker, Zeichner und Maler Kolibri verbrachten ihre Kindheit in Altenburg (D), bevor jeder seinen eigenen künstlerischen Weg ging.

Ursula Burgherr
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Die Werke von Peter Frisch und Kolibri erschliessen dem Betrachter eine völlig neue (Kunst-)Welt. UBU

Die Werke von Peter Frisch und Kolibri erschliessen dem Betrachter eine völlig neue (Kunst-)Welt. UBU

Nach über 40 Jahren vereinen sie ihre Exponate zu einer gemeinsamen Ausstellung in Bad Zurzach. Als «farbenfrohe Vögel» bezeichnete Galerist Alois Hauser die beiden Künstler Peter Frisch und Kolibri anlässlich der Ausstellungs-Vernissage in der Galerie Mauritiushof. Dabei bezog er sich sowohl auf die Exponenten selber als auch auf ihre Werke.

Denn es war nicht schwierig, in der Gästeschar die Künstler auszumachen: Holzbildhauer Peter Frisch erschien in seiner Lieblingsmontur – Perret und Wollpullover – und man konnte sich sofort vorstellen, wie er in seinem Atelier in München mit Motorsäge und Bohrmaschine Holzstücke und -stämme bearbeitet und aus ihnen Skulpturen formt. Kolibri wirkte mit seiner langen Mähne wie ein Späthippie, und es erstaunte nicht, als er erzählte, wie er früher durch die Welt trampte und in einem israelischen Kibbuz lebte.

Im Gegensatz zu seinem Jugendfreund Frisch, der sich schon früh dem Kunsthandwerk verschrieb und nach der Lehre als Holzbildhauer noch die Meisterprüfung machte, kam er erst nach einer Ausbildung bei der Post zu seiner Leidenschaft: Er studierte Grafikdesign in München und Stuttgart und illustrierte in den folgenden Jahren über 100 Zeitschriften und rund 80 Bücher.

Naiv, ironisch oder subversiv?

Die Strahlkraft und Farbigkeit der Skulpturen und Zeichnungen von Peter Frisch und Kolibri ist magisch. Dem Besucher erschliesst sich eine völlig neue Welt, sobald er die Galerie betritt. Den Eingang säumen zwei überlebensgrosse Mensch-Tier-Skulpturen in Blau und Rot. Frisch hat sie aus einem Stamm herausgesägt. Utopisch wirken die aus Einzelteilen aufeinander gefädelten riesigen Tropfenstelen mit ihrer raffiniert herausgearbeiteten porösen Struktur.

Im Kontrast dazu hat Peter Frisch kleine filigrane Figuren aus Lindenholz oder Zirbel geschaffen, die wie Seiltänzer versuchen, ihre Balance zu halten. Um das Thema Gleichgewicht – die Beziehung zwischen Mensch und Natur – geht es in vielen seiner Werke. «Wir müssen achtsam mit der Umwelt umgehen, denn alles ist miteinander verbunden.» Die Bilder von Kolibri sind geprägt von ihrer Überfülle an winzigen Ornamenten, Symbolen und Formen.

Stilisierte Menschen, Katzen undn Bäume

Man möchte genau sehen, welche Elemente es im Einzelnen sind, die diese lebhafte Vielfarbigkeit hervorbringen; entdeckt Menschen, Katzen, Bäume, Blumen – alle stilisiert. Kolibri verwendet reinbunte, unvermischte Farben, trägt sie mehrfach auf, um die Leuchtkraft zu verstärken. Mit haarfeinen Tuschschraffuren bringt er Tiefe in seine Bilder. Als Cartoonist und Illustrator war das Zeitgeschehen der Stoff seiner Bilder, als freier Künstler baut er sich nun Gegenwelten auf.

Vernissagerednerin Gerlinde Schmidt dazu: «Tragen diese kleinen Welten naive oder subversive Züge? Ist die Idylle lupenrein oder mit Ironie durchsetzt?» Kolibri lächelt und schweigt. Das wird wohl jeder Betrachter für sich herausfinden müssen.

Die Ausstellung «Bewegte Wege» in der Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach dauert bis 20. November. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. www.galeriemauritiushof.ch