Zusammenschluss
Fusion denkbar: «Aber nicht bis 2026» – so reagieren die Surbtaler Gemeinden auf die Forderung nach Fusionsgesprächen

Mit ihrem Anliegen stossen die fünf Surbtaler alt Ammänner auf offene Ohren: Ein Fahrplan mit konkreten Schritten ist bereits erarbeitet worden. Weshalb eine allfällige Fusion auf die nächste Legislatur dennoch kaum umsetzbar ist.

Stefanie Garcia Lainez
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Eine Fusion der Surbtaler Gemeinden Tegerfelden, Endingen, Lengnau und Schneisingen wird schon länger diskutiert. An den Gesprächen im März beteiligen sich auch Siglistorf, Freienwil und Ehrendingen.

Eine Fusion der Surbtaler Gemeinden Tegerfelden, Endingen, Lengnau und Schneisingen wird schon länger diskutiert. An den Gesprächen im März beteiligen sich auch Siglistorf, Freienwil und Ehrendingen.

Drei Gemeinden in drei Tälern: So soll dereinst das Zurzibiet aussehen. Das sieht zumindest die Vision Zurzibiet des Gemeindeverbandes Zurzibiet Regio aus dem Jahr 2011 vor. Mit dem Zusammenschluss von acht Rheintaler Gemeinden zu Zurzach auf Anfang Jahr entstand die erste Grossgemeinde im Bezirk und mit 26,19 Quadratkilometern die grösste Gemeinde im Kanton.

Im Surbtal könnte die nächste, noch grössere folgen, sowohl was die Fläche als auch die Bevölkerungszahl betrifft: Erst diese Woche präsentierten fünf alt Ammänner ein Grundsatzdokument, in dem sie die Prüfung einer Fusion in den Gemeinden Tegerfelden, Endingen, Lengnau und Schneisingen fordern.

Käme es zu einem Zusammenschluss, würde eine Gemeinde mit fast 40 Quadratkilometern und über 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern entstehen. «Mit ihrem Anliegen rennen die fünf alt Ammänner bei uns offene Türen ein», sagt Ralf Werder, der Endinger Ammann und Vorsitzende des Projektsausschusses Perspektive Surbtal, im Namen der vier Surbtaler Gemeindeammänner.

Gespräche zum Thema Zusammenschluss laufen bereits

«Wir waren aber auch etwas überrascht über das Schreiben», sagt Ralf Werder. Zum einen, weil der Lengnauer alt Ammann Kurt Schmid während seiner Amtszeit nicht zu den Fusionsbefürwortern gehört habe, sich jetzt aber für die Prüfung eines Zusammenschlusses einsetzt. Zum anderen hätten die Gemeinderäte der Surbtaler Dörfer bereits im vergangenen Sommer mitgeteilt, dass sie das Thema in der Amtsperiode 2022/25 angehen würden.

Ralf Werder, Gemeindeammann Endingen.

Ralf Werder, Gemeindeammann Endingen.

zvg

In der vergangenen Legislatur habe man noch zahlreiche andere Projekte umgesetzt, sowohl in den einzelnen Gemeinden als auch in der Perspektive Surbtal, sagt Ralf Werder: den Forstbetrieb Surbtal, die überregionale Schulsozialarbeit, das gemeinsame Personalreglement und und die neue Führung Schule. «Zumindest Tegerfelden, Endingen und Lengnau haben nun die gleichen Strassen-, Personal-, Wasser- und Abwasserreglemente, und schon seit längerem eine gemeinsame Feuerwehr, Steuer- sowie Bauverwaltung.»

Damit habe man schon gute Vorarbeit geleistet. In allen Surbtaler Gemeinden − Schneisingen eingeschlossen − bestehe ein enger Kontakt. «Das spielt uns natürlich bei einem allfälligen Zusammenschluss in die Karten.»

Nun sei der Zeitpunkt gut, das Thema Zusammenschluss anzugehen, sagt Ralf Werder. Deshalb habe im November 2021 der Projektausschuss der Perspektive Surbtal einen Fahrplan mit konkreten Schritten erstellt und diesen den Surbtaler Gemeinderäten vorgelegt. Schneisingen, das sich nur punktuell in der Perspektive Surbtal beteiligt, habe sich im Sommer 2021 bereits positiv zum Thema geäussert.

«Bis Ende April erwarten wir eine Rückmeldung der Gemeinderäte. Bis dahin können wir uns noch nicht zum Inhalt äussern», sagt Ralf Werder. Nur so viel:

«Es geht in Richtung Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Wer sich beteiligt, ist noch offen.»

Und Ende März findet das zweite Treffen mit den vier Surbtaler Dörfern sowie Siglistorf, Ehrendingen und Freienwil statt.

Vier von sieben Ammänner sind neu im Amt

Zuerst müssten aber alle neuen Gemeinderatsmitglieder und Ammänner in ihrem Amt ankommen, sagt Ralf Werder. Denn Wechsel gab es auf die neue Legislatur gleich mehrere. Ausser Schneisingen haben alle Gemeinderäte ein bis zwei neue Mitglieder, wobei in Lengnau die Exekutive erst im Februar komplett sein wird. Zudem sind Lengnau, Freienwil und Siglistorf neue Ammänner im Amt, in Ehrendingen eine neue Frau Ammann.

In dieser neuen Zusammensetzung müssten nun neue Ziele und Leitbilder definiert werden. «Das braucht seine Zeit − und die Diskussionen in den Räten sind nötig.»

«Dass nun die fünf alt Ammänner Rückendeckung geben und Zusammenschlussgespräche befürworten, gibt uns Vertrauen», sagt Ralf Werder. Die alt Ammänner wünschten sich aber eine schnelle Geschwindigkeit. «Wir setzen hingegen lieber auf Inhalt, statt auf Tempo.»

Deshalb sei es auch utopisch, bis Ende 2023 einen allfälligen Zusammenschluss zu beschliessen und auf die nächste Legislatur 2026 zu fusionieren. Nur schon, bis Resultate einer allfälligen Bevölkerungsbefragung vorliegen, werde es wohl Herbst. Denn der Aufwand, dies in den vier Surbtaler Gemeinden mit über 8000 Einwohnern anzugehen, sei gross − und das neben dem schon intensiven Tagesgeschäft.

«Würden sich allenfalls auch Siglistorf, Ehrendingen und Freienwil beteiligen, sprechen wir von knapp 15'000 Einwohnerinnen und Einwohner − das ist enorm», sagt Ralf Werder. «Den Aufwand darf man nicht unterschätzen.»

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