Bad Zurzach
Zurzibieter Gewerbler kämpfen mit Plakaten gegen Einkaufstourismus

Für den Bad Zurzacher Gewerbeverbandsvizepräsidenten Josef Haus ist der Grenztourismus ein heikles Thema. Es bringe aber nichts, den Grenztourismus totzuschweigen, sagt er. Jetzt lanciert Haus eine Plakatkampagne.

Pirmin Kramer
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Josef Haus (rechts), Vizepräsident des Gewerbevereins, spricht miteinem Bad Zurzacher Händler über Einkaufstourismus.

Josef Haus (rechts), Vizepräsident des Gewerbevereins, spricht miteinem Bad Zurzacher Händler über Einkaufstourismus.

ZA/Archiv

«Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder schweigen wir den Grenztourismus tot – oder wir versuchen, die Leute zu überzeugen, dass sie bei uns einkaufen sollen.» Haus hat sich für die zweite Variante entschieden. «Ich probiere immer wieder, alle zu überzeugen, in der Schweiz und bei uns in der Gegend einzukaufen.»

Jetzt lanciert Haus eine Plakatkampagne. «Hier wohne ich, hier kaufe ich ein» – so heisst der Slogan. «Ich führe viele Gespräche und möchte die Leute sensibilisieren und überzeugen, bei uns einzukaufen.» Betroffen seien nicht nur Detailhändler, sondern auch die Handwerker. «Wir alle sind gefordert, uns für unsere Gegend und auch die Handwerker starkzumachen», so der Appell von Josef Haus. «Diese Betriebe sind auf Umsätze angewiesen. Weniger Umsatz bedeutet auch weniger Arbeitsplätze und noch schlimmer: weniger Lehrstellen. Auch daran sollte man beim Gang nach Deutschland denken», sagt Haus.

Der tiefe Euro sei nach wie vor ein grosses Thema in der Gegend, sagt Josef Haus. «Man kann nicht von der Hand weisen, dass immer noch viele Leute in Deutschland einkaufen.»

Keine Ladenschliessungen

Vor gut einem Jahr hat die Nationalbank die Untergrenze für den Euro bei 1.20 Franken festgelegt. Josef Haus sagte kurz danach zur Aargauer Zeitung: «Wir müssen hoffen, dass der Euro bald wieder steigt. Viele Geschäftsleute im Zurzibiet könnten langfristig mit dem tiefen Euro-Kurs nicht leben. Dann drohen Ladenschliessungen und Entlassungen.»

Erst bei einem Eurokurs von 1.40 Franken, vielleicht sogar 1.50 Franken lohne es sich nicht mehr, auf der anderen Seite der Grenze einzukaufen. Die schlimmsten Befürchtungen des Gewerbeverband-Vizepräsidenten sind nicht eingetroffen – Ladenschliessungen hat es in Bad Zurzach keine gegeben. «Im Gegenteil, es sind sogar vier neue Läden eröffnet worden, was uns ausserordentlich freut.»

Haus ist erleichtert, dass die Stimmbürger letztes Jahr der Umfahrung in Bad Zurzach zugestimmt haben. «Das Wissen, dass die Umfahrung zustande kommt, ermutigt jetzt schon einige dazu, einen Laden zu eröffnen oder ins bestehende Geschäft zu investieren.»

Gewerbeschau und Märkte

Man müsse langfristig denken, sagt Haus. «Dass wir in Bad Zurzach und in der Gegend von so einem breiten kulturellen Angebot profitieren können, verdanken wir in erster Linie den lokalen und regionalen Sponsoren. Jetzt sind sie darauf angewiesen, dass wir sie unterstützen.» Weniger Geld in der Kasse bringe auch weniger Sponsoren für verschiedene Anlässe. Neben der Plakatkampagne versucht der Gewerbeverband nach wie vor, mit speziellen Angeboten wie der Gewerbeschau im Oktober und Märkten die Konsumenten in der Gegend zu behalten. «Wir haben vor fast 2 Jahren die Zurzicard lanciert. Wer bei diesen Partnergeschäften einkauft, erhält 1,5 Prozent Rabatt in Form von Gutscheinen», sagt Haus.

Die Zurzicard laufe gut und sei sehr beliebt bei den Kunden. Sein wichtigstes Argument, die lokalen Anbieter zu unterstützen: «Es ist eine Tatsache, dass der Service und die Dienstleistungen der Gewerbetreibenden hervorragend ist.»