Siglistorf
«Die Extreme der letzten vier Jahre waren zu viel»: Seit 30 Jahren kümmert sich Felix Stauber um den Wald im Studenland

Kaum einer kennt den Wald von fünf Zurzibieter Gemeinden so gut wie der Siglistorfer Felix Stauber. Der Leiter des Forstbetriebs Studenland spricht über Veränderungen, die grossen Stürme der Vergangenheit und die Zukunft des Waldes.

Louis Probst
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17 Mal zog Felix Stauber um, ehe es ihn ins Zurzibiet verschlug.

17 Mal zog Felix Stauber um, ehe es ihn ins Zurzibiet verschlug.

Louis Probst

«Das entspricht nicht einmal einem Drittel einer Baumgeneration», meint Felix Stauber zu seinem Arbeitsjubiläum. Als Förster ist er es sich gewohnt, in anderen Zeitdimensionen zu denken. Und offensichtlich hat er auch seinen Traumberuf gefunden. Er habe als Primarschüler schon gesagt, dass er Landwirt oder Förster werden wolle, verrät er. «In der Oberstufe war es dann klar. Wir hatten ja keinen Hof.»

Und weil es im Appenzellerland, wohin seine Eltern aus Neunkirch im Kanton Schaffhausen gezogen waren, keine Forstwart-Lehrstelle gab, absolvierte er seine Lehre in Osterfingen. Nach der Lehre arbeitete er zwei Jahre als Forstwart in Davos.

«Mit der Bergholzerei und den Lawinenverbauungen war das etwas ganz anderes, und auch eine Weiterbildung», sagt Felix Stauber. «Es hing aber auch mit meinen Hobbys zusammen: Ich gehe gerne in die Berge und fahre gerne Ski.» In den Aargau gekommen sei er wegen seiner Frau. «Wir brauchten einen Ort, in dessen Nähe wir beide eine Stelle fanden.»

Felix Stauber zog 17 Mal um, bis er schliesslich in Siglistorf sesshaft wurde

Seine erste Stelle im Aargau war in Zeihen. Später wechselte er nach Hirschthal. Bevor Felix Stauber die Försterschule in Lyss besuchte, unternahm das Paar Reisen nach Amerika, Australien und Neuseeland.» Als wir nach Siglistorf gekommen sind, waren wir 17 Mal umgezogen», so Felix Stauber.

«Das hatte mit unseren Jobs zu tun. Jetzt leben wir seit 30 Jahren in Siglistorf. Man kann als Förster nicht dauernd den Job wechseln. Man muss den Wald kennen lernen. Und bei einer Waldverjüngung dauert es 20 Jahre, bis man sieht, ob man es richtig macht.»

Als Felix Stauber seine Stelle als Förster in Siglistorf antrat, gab es den Forstbetrieb Studenland noch nicht. «Ich hatte mich um eine Stelle beworben, die es so noch gar nicht gab», sagt er. «Damals wurden in der Region die Forstbetriebe neu organisiert.» Anfänglich war er für den Wald in Siglistorf, Wislikofen, Mellikon sowie für Staatswald zuständig. Später kamen die Waldungen von Bad Zurzach, Schneisingen und Ehrendingen dazu.

Über verschiedene Etappen und Zusammenschlüsse ist schliesslich 2013 der Forstbetrieb Studenland entstanden, der den Wald der Gemeinden Schneisingen, Siglistorf, Mellikon, Ehrendingen, Bad Zurzach sowie der Taunergenossenschaft Mellikon betreut. «Mit einer Waldfläche von gut 1100 Hektaren war das Revier eine Zeit lang das viertgrösste im Aargau», stellt Felix Stauber fest. «Es ist eine Grösse, die funktioniert. Forstreviere werden tendenziell immer grösser», ergänzt der Förster.

Sein Revier war eine Zeit lang das viertgrösste im Kanton

Aufgrund seiner Ausdehnung vom Lägerngrat bis an den Rhein weist das Revier des Forstbetriebes Studenland eine Vielfalt von Baumarten auf. Speziell ist auch der grosse Anteil an Waldnaturschutzflächen, so etwa das Naturwaldreservat Lägern, Altholzinseln in Mellikon und Bad Zurzach oder Eichen-Reservate in Schneisingen, Siglistorf oder Ehrendingen.

Ein wichtiges Anliegen ist auch die Aufwertung von Waldrändern. «Das alles sind längere Prozesse», so Stauber. «Wir haben uns bereits 1993 im Betriebskonzept entsprechende Ziele gesetzt.»

Auf die Frage nach der klimabedingten künftigen Entwicklung des Waldes gibt Felix Stauber zu bedenken: «Wald ist Natur; Natur geht nicht kaputt. Aber sie verändert sich, und der Mensch hat Mühe mit Veränderungen.» Dabei erinnert er an die grossen Stürme Vivian (1990), Lothar (1999) oder Burglind (2018).

«Durch lichtere Baumbestände wird die Verjüngung angekurbelt. Das führt auch zu Veränderungen bei den Baumarten. Die Extreme der letzten vier Jahre – Trockenheit, Käferbefall, Sturm- und Schneedruckschäden – waren allerdings zu viel. Die Natur betreibt Waldbau – nicht der Förster.»

Das Hauptproblem: sinkende Holzpreise und steigende Löhne

Veränderungen unterworfen ist nicht nur der Wald, sondern auch das Umfeld, in dem sich die Forstbetriebe bewegen müssen. «Ein wichtiges Standbein des Forstbetriebes Studenland ist die Produktion von Holzschnitzeln für Verbundheizungen», erklärt Felix Stauber.

«Das ist eine spezielle Kompetenz des Betriebes. Unser Holzernteverfahren ist darauf ausgerichtet. Schon mein Vorgänger im damaligen Forstbetrieb Zurzach hatte sich für Schnitzelheizungen engagiert. Ich habe das übernommen.» Inzwischen hat der Forstbetrieb Studenland Lieferverträge mit einigen Betreibern grosser Holzschnitzel-Verbundheizungen abgeschlossen.

«Das Hauptproblem der Forstbetriebe sind steigende Lohnkosten bei sinkenden Holzpreisen», stellt Felix Stauber fest. «Jeder Betrieb muss sich verändern. Wir haben das geschafft. Darauf bin ich stolz. Wir sind gut organisiert. Der Laden läuft. Das ist nicht selbstverständlich. Da sind viele Stellen involviert. Und schlussendlich muss auch die Bevölkerung dahinterstehen.»

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