Bad Zurzach
Zurzacher Dorfpfarrer wird Journalist: «Ich will tun, was für mich richtig ist»

Vom Drogisten über das Pfarrer-Leben zum Journalisten: Urs Zimmermann hat viel Berufserfahrung. Jetzt legt er das Messgewand weg und schreibt ab Januar Zeitungsartikel für «Die Botschaft».

Hans Christof Wagner
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Urs Zimmermann hat sich als Pfarrer der Katholischen Kirchgemeinde Bad Zurzach verabschiedet. Angelo Zambelli

Urs Zimmermann hat sich als Pfarrer der Katholischen Kirchgemeinde Bad Zurzach verabschiedet. Angelo Zambelli

Herr Zimmermann, Sie haben jüngst mit dem Münsterchor, einer Abordnung der Schweizer Garde und 29 Ministranten einen fulminanten Abschied gefeiert. Wie haben Sie sich da gefühlt?

Urs Zimmermann: Das war überwältigend. Mir war das fast zu viel des Guten, aber trotzdem hat es gut getan.

Haben Sie bei dieser grossen Anerkennung den Entschluss bereut, den Dienst als Pfarrer nach mehr als zehn Jahren zu beenden?

Nein, bereut nicht. Aber ich ging schon auch mit einem weinenden Auge.

Urs Zimmermann

Urs Zimmermann (49) ist in Döttingen aufgewachsen. Er absolvierte eine Berufslehre als Drogist und arbeitete in einem Behindertenheim. Später folgten eine katechetische und eine theologische Ausbildung in Luzern und Chur. Von 1997 bis 2003 war Zimmermann Pfarrer in Rheinfelden. Die Pfarrei St. Verena in Bad Zurzach, die Zimmermann ab 2003 leitete, verliess er auf eigenen Wunsch Ende Oktober. Urs Zimmermann hat auch ein Buch über seine Zeit in Bad Zurzach verfasst. Es heisst «Nummer 61». Erhältlich beim Pfarreisekretariat Zurzach und bei der Buchhandlung Hübscher in Bad Zurzach. (hwa)

Werden Sie nicht auch ein Stück weit die Geltung vermissen, die man als katholischer Pfarrer in einer Gemeinde wie Bad Zurzach geniesst?

Nein, ich glaube nicht. Sicher, als Pfarrer hat man eine besondere Stellung. Andererseits war ich aber auch dauernd im Amt. Selbst beim Einkaufen musste ich damit rechnen, als Pfarrer angesprochen zu werden.

Denken Sie, dass niemand Ihnen diesen Schritt übelgenommen hat? Dass es da niemanden gibt, der sagt: Jetzt lässt er uns im Stich?

Offen hat mich niemand dafür kritisiert. Zugetragen wurde mir allerdings, dass es Stimmen gab, die meinen Entscheid als unsolidarisch bezeichnen. Aber ich will auf mich hören und tun, was für mich richtig ist.

Bei Ihrem Abschied haben Sie von Amtsmüdigkeit und von Distanz zur Kirche gesprochen. Hätte es diesen Wechsel in den Journalismus auch ohne diese Amtsmüdigkeit und Distanz gegeben?

Vielleicht nicht. Ich wollte immer nur ein Dorfpfarrer sein. Das ist aber von der Kirchenleitung her nicht mehr gefragt. Das Bistum Basel setzt Strukturreformen durch. Gemeinden werden zusammengelegt, und das knapper werdende Personal ist für immer grössere Gebiete zuständig. Man versucht, das Problem Priestermangel mittels Geografie zu lösen. Meiner Meinung nach eine folgenschwere Fehlentscheidung. Die Kirche wird Richtung Bedeutungslosigkeit abdriften. Für Seelsorge ist Beziehung notwendig. Die Änderungen der Zulassung zum Priesteramt sind überfällig. Heute muss man Mann sein und ledig, um Priester werden zu können. Geschlecht und Zivilstand sind wichtiger als menschliche und fachliche Qualifikation.

Sie haben Gerüchte um Ihren Weggang offen angesprochen, auch eine angebliche Absetzung durch den Bischof. Hätte der denn Grund dazu gehabt?

Wir haben in Bad Zurzach versucht, die Menschen und ihre Bedürfnisse wichtiger zu nehmen als liturgische Ordnungen oder kirchenrechtliche Vorschriften. Wir haben die Ökumene weit ausgelegt und vieles wie selbstverständlich praktiziert.

Wars das jetzt mit der Kirche für Sie oder können Sie sich eine Rückkehr in den kirchlichen Dienst vorstellen?

Ausschliessen will ich es nicht. Und noch bin ich ja gar nicht ganz weg. Bis Sommer 2014, wenn hoffentlich ein Nachfolger für die Bad Zurzacher Pfarrstelle gefunden ist, halte ich einmal im Monat Sonntagsgottesdienste im Pfarreienverband Zurzach-Studenland.