Klingnau/Döttingen
Zur Debatte steht mehr als ein gewöhnliches Geschäft

Die Stunde der Wahrheit naht: Heute in drei Wochen stimmen Döttingen und Klingnau über den Zusammenschluss der Einwohner- und der Ortsbürgergemeinde zur neuen Gemeinde Döttingen-Klingnau ab.

Von Angelo Zambelli
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Döttingen (im Vordergrund) und Klingnau entscheiden am 9. November über Fusion oder Nicht-Fusion.

Döttingen (im Vordergrund) und Klingnau entscheiden am 9. November über Fusion oder Nicht-Fusion.

Angelo Zambelli

Im Vorwort des Anfang Woche in die Haushaltungen verschickten Versammlungsbüchleins richtet der Gemeinderat Klingnau einen flammenden Appell an die Stimmberechtigten, der sowohl für die Klingnauer als auch für die Döttinger Bürgerinnen und Bürger seine Gültigkeit hat: «Machen Sie sich Gedanken zu diesem Geschäft und kommen Sie an diese ausserordentliche Gemeindeversammlung.

Es geht bei der Abstimmung um mehr als ein gewöhnliches Sachgeschäft. Es geht um die Weichenstellung für den weiteren Verlauf der beiden Gemeinden. Deshalb ist es wichtig, dass jeder, der unsere demokratischen Rechte schätzt, diese bei einem so wichtigen Geschäft auch wahrnimmt.»

Die Ausgangslage

An den Winter-Gemeindeversammlungen 2010 haben die Stimmberechtigten der beiden Gemeinden einer vertieften Prüfung eines Zusammenschlusses zugestimmt.

Mit diesen Beschlüssen waren die Gemeindebehörden aufgefordert, eine mögliche Ausgestaltung der neuen Gemeinde zu erarbeiten sowie Chancen und Risiken einer Vereinigung aufzuzeigen. Diese sehr umfangreiche Grundlagenarbeit wurde im letzten Jahr von 70 Bürgerinnen und Bürgern beider Gemeinden geleistet.

Die Arbeit der sieben Fachgruppen mündete in einem Zusammenschlussvertrag, der dem Kanton zur Prüfung vorgelegt werden musste. Der Zusammenschlussvertrag ist Hauptgegenstand der in Döttingen und in Klingnau gleichzeitig stattfindenden ausserordentlichen Gemeindeversammlungen.

Der definitive Beschluss wird am 3. März 2013 an der Urne gefällt. Bei einer Zustimmung sowohl an den beiden Gemeindeversammlungen als auch an der Urne könnte die Gemeinde Döttingen-Klingnau am 1. Januar 2014 starten.

Die Argumente der Befürworter

In der Versammlungsunterlage werden die Chancen und Risiken einer Vereinigung ausführlich dargestellt. Als besondere Chancen deklariert werden der Gewinn an Grösse, Ausstrahlung und Wettbewerbskraft, das grössere politische Gewicht in der Region und beim Kanton, die vereinfachte Rekrutierung von Behörden und Verwaltungspersonal, die Optimierung der Verwaltung und der verschiedenen Gemeindebetriebe sowie die Koordination der Investitionen in Schul- und Verwaltungsanlagen.

Als weitere Argumente, die für einen Zusammenschluss sprechen, führen die beiden Gemeinderäte ein jährliches Sparpotenzial von 750 000 Franken sowie eine Erhöhung der Versorgungssicherheit der Bevölkerung auf.

Als Risiken aufgeführt sind die Einbusse an Selbstständigkeit und Mitsprache, der Verlust von Identität und Heimatgefühl sowie die grössere Distanz zu Behörden und Verwaltung.

Die Argumente der Gegner

Für die Gegner der Fusion steht fest, dass die Kosten für die Führung der neuen Gemeinde explodieren werden. Sie sehen absolut keinen Vorteil darin, dass in der neuen Gemeinde 7000 Einwohner leben (Döttingen 3800, Klingnau 3200). Sie erwarten keine Einsparungen, sondern Mehrausgaben in Millionenhöhe.

Die Döttinger Fusionsgegner befürchten, dass ihre Gemeinde die anstehende Sanierung der Strassen und der Kanalisationsleitungen in den Klingnauer Hanglagen bei einem Zusammenschluss mitfinanzieren muss. Ausserdem herrscht die Meinung vor, an der Fusion verdiene sich nur einer eine goldene Nase: der Berater.

Die Meinung der Gegner steht drei Wochen vor den Gemeindeversammlungen fest: «Eine Fusion von Döttingen und Klingnau bringt nichts. Punkt.»