Leuggern
Zuerst Protest, jetzt Erleichterung: Kanton baut doch keine Asylcontainer in Felsenau

Die geplante Asylunterkunft mit über 100 Plätzen im Leuggermer Ortsteil Felsenau wird nicht realisiert. Das hat das Departement von Regierungsrätin Franziska Roth entschieden. Grund sind die rückläufigen Zuweisungszahlen. In der Zurzibieter Gemeinde Leuggern atmet man auf.

Daniel Weissenbrunner
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Asyl-Unterkunft im «Bahnhof» in Felsenau
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Im Dezember 2015 wurde bekannt: Der Kanton Aargau eröffnet im Januar eine grosse Asylunterkunft im Restaurant-Hotel "Bahnhof" in Felsenau, einem 180-Seelen-Ortsteil von Leuggern.
In der Hotel-Restaurant-Liegenschaft hat es Platz für bis zu 50 Asylbewerber, Mitte September 2016 sind dort 35 Personen untergebracht.
Auf dem grossen Parkplatz will der Kanton Container für 100 weitere Asylsuchende aufstellen.
Der Kanton schloss mit dem Eigentümer einen fixen Mietvertrag über zehn Jahre ab.
Die Asylsuchenden zogen im ersten Halbjahr 2016 ein.
Felsenau ist ein Ortsteil von Leuggern. Die Kantonsstrasse führt in Richtung Basel, in umgekehrter Richtung in zwei Minuten Autofahrt zum Grenzübergang Koblenz.
Die Eigentümer Sigmund Cueni und Daniela Makoski wohnten und wirteten in der Liegenschaft. Sie zogen ins Laufental. Cueni war seit 1994 Pächter und ist seit 2002 Besitzer des "Bahnhofs".
Die Speisekarte - es wird die letzte des Hotel-Restaurants Bahnhof sein.
Am Tag nach Publikwerden, dass das Hotel-Restaurant Bahnhof zur Asylunterkunft wird, ist es wegen dem Ruhetag geschlossen. Wenige Wochen später schliesst es definitiv.

Asyl-Unterkunft im «Bahnhof» in Felsenau

ZVG

Der Leuggermer Ammann Stefan Widmer ist über den Entscheid hocherfreut. Dass der Kanton das Projekt nun nicht weiterverfolgt, erachtet er auch als Erfolg der Gemeinde. Der Gemeinderat hatte die Pläne des Kantons von Beginn an als nicht bewilligungsfähig beurteilt. Entsprechend war der Druck, der Richtung Aarau ausgesendet wurde.

In Leuggern war man der Ansicht, dass man mit dem Restaurant-Hotel Bahnhof, das an das Containerareal angrenzt, seinen Beitrag ausreichend geleistet habe. Im ehemaligen Hotel wohnen seit vergangenem Jahr bis zu 50 Asylsuchende.

Begründet wird der Rückzug des Baugesuches seitens des Kantons damit, dass das Projekt für die Platzierung von Wohncontainern auf dem Parkplatz neben der kantonalen Asylunterkunft zu einer Zeit lanciert worden war, in der die Zuweisungszahlen schnell und massiv zugenommen hatten. 2015 lag die mittlere Belegungsquote in den bestehenden kantonalen Asylunterkünften bei über 98 Prozent.

Die vorgesehenen Container hätten Platz für weitere 112 Asylsuchende geboten. Inzwischen reichen die Kapazitäten in den bestehenden kantonalen Unterkünften wieder aus, um die aktuellen Zuweisungszahlen des Bundes zu bewältigen, heisst es.

Enttäuscht von Susanne Hochuli

In Leuggern warf das Vorgehen des Kantons vor rund eineinhalb Jahren hohe Wellen: Der Entscheid, das Restaurant-Hotel in eine kantonale Asylunterkunft zu verwandeln, geschah praktisch hinter dem Rücken des Gemeinderats. Dieser wurde von der Restaurant + Hotel Felsenau GmbH. Enttäuscht war man auch von der Kommunikation der damaligen Departementsvorsteherin Susanne Hochuli. Von Seiten des Kantons hiess es, dass die damalige Asylsituation schnelle Massnahmen erforderte.

In Leuggern wollte man das Vorgehen nicht einfach so hinnehmen. Nach anfänglicher Zurückhaltung formierte sich immer heftigerer Widerstand. Er erreichte seinen Höhepunkt Anfang 2016, als Susanne Hochuli in der Mehrzweckhalle informierte. Die Anwesenden forderten mehr Transparenz, mehr Fakten und weniger „Wischiwaschi“ seitens des Kantons.

Gehässiger Ton

Auch Stefan Widmer ergriff damals das Wort: Er bedauerte, dass die Gemeinde erst nachträglich über den Mietvertrag zwischen Kanton und Eigentümern des Restaurant-Hotel Bahnhof in Kenntnis gesetzt wurde. Und er betonte: «Eingriffe der Staatsorgane müssen verhältnismässig sein.» Dass sei im Bezirk Zurzach, der 5 Prozent der Aargauer Bevölkerung und demnächst 12 Prozent der Asylsuchenden beherberge, nicht der Fall. Auch die 10-jährige Dauer des Mietvertrags sei nicht verhältnismässig.

Widerstand gegen Asylunterkunft: An einem Info-Abend der Gegner damals.

Widerstand gegen Asylunterkunft: An einem Info-Abend der Gegner damals.

Alex Spichale

An einer weiteren Veranstaltung wurde der Ton dann gehässiger. Man wolle kein Burj al Arab, in Anlehnung an ein Hotel in Dubai. Es könne nicht sein, dass ein Ortsteil mit 180 Einwohnern, 150 Asylanten aufnehmen müsse.

Nicht betroffen vom aktuellen Entscheid ist die bisherige kantonale Asylunterkunft Gasthaus-Hotel Bahnhof mit ihren 50 Plätzen. Sie bleibt weiterhin in Betrieb. Stefan Widmer betont, dass die bislang gemachten Erfahrungen hier gut seien. Es bestehe ein guter Kontakt.