Würenlingen
Zuckerrüben-Tradition geht nach 40 Jahren zu Ende – «es ist günstiger, auf der Strasse zu transportieren als auf den Gleisen»

Am Samstag haben Würenlinger Bauern zum letzten Mal am Bahnhof Siggenthal-Würenlingen tonnenweise Rüben verladen.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Zuckerrüben-Verlad am Bahnhof Siggenthal-Würenlingen gibt es schon lange.
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Als der Bahnhof Siggenthal-Würenlingen 2017 erneuert wurde, bekam auch die Verladestation einen neuen Platz.
Zuckerrüben-Verlad in Siggenthal Station

Der Zuckerrüben-Verlad am Bahnhof Siggenthal-Würenlingen gibt es schon lange.

Stefanie Lainez Garcia

Schon ihre Väter haben vor mehr als vier Jahrzehnten am Siggenthaler Bahnhof Zuckerrüben in die Waggons verladen. Am vergangenen Samstag haben fünf Würenlinger Bauern, die Rübenverladegemeinschaft Würenlingen (Adrian Schneider, Mario Schneider, Suter Marcel, Annemarie Schneider und Toni Bächli), ein letztes Mal den Motor des Förderbandes angestellt.

Ein kleines Spektakel, das jedes Jahr Schaulustige anzieht: Die Anhänger voller Rüben werden mit einer Hebebühne in einem fast 45 Grad Winkel schräg angehoben, um die weissen Knollen auf das Förderband zu kippen, das die Rüben in die Waggons transportiert. Täglich werden im Herbst rund 1200 Tonnen Rüben in 20 bis 25 Waggons verladen und mit der Bahn in die Zuckerfabrik in Frauenfeld gefahren. In diesem Herbst sind das insgesamt rund 15'000 Tonnen.

Stefanie Garcia Lainez

Einzige Anlage in dieser Grösse

Als die fünf Bauen den Verlad vor rund 30 Jahren von ihren Vätern übernahmen, installierten sie auch die stationäre Verladestation, die noch immer Zuckerrüben von Bauern aus der Region verlädt. Heute beim alten Siggenthaler Bahnhof, früher dort, wo 2017 der neue Bahnhof eingeweiht wurde. «Diese Anlage ist vermutlich die einzige in dieser Grösse, die in der Schweiz noch in Betrieb ist», sagt Landwirt Toni Bächli vom Würenlinger Eichhof.

Doch bald wird sie auseinandergeschweisst und im Alteisen entsorgt. Denn finanziell lohne sich das Geschäft nicht mehr, meint er. Nebst den alljährlichen Reparaturen müsste die fixe Anlage auf Geheiss der SBB auf die andere Seite verschoben werden. Dafür wäre unter anderem ein längeres Förderband über die Gleise hinweg nötig, was Geld kostet. Doch eine Sicherheit, dass sich diese Investition lohnen würde, haben Toni Bächli und die anderen vier Bauern nicht. Zwar pflanzen die Landwirte in der Region nach wie vor fleissig Zuckerrüben an, transportieren diese aber immer häufiger mit Lastwagen statt mit der Bahn nach Frauenfeld.

So fuhren in den vergangenen Jahren jeden Herbst durchschnittlich 350 Waggons gefüllt mit Rüben von Siggenthal Station nach Frauenfeld. «Dieses Jahr sind es etwa 100 Waggons weniger», sagt Bächli. Im kommenden Jahr würden vermutlich nochmals 50 wegfallen. «Das ist ein Genickbruch.» Der Grund für diese Entwicklung ist der zunehmende Preisdruck. «Es ist günstiger, auf der Strasse zu transportieren als auf den Gleisen.» Das würde sich vermutlich wieder ändern, könne aber noch ein paar Jahre dauern, so Bächli.

Genossenschaft könnte Verlad übernehmen

Ob in Zukunft gar keine Zuckerrüben mehr in Siggenthal Station verladen werden, ist noch offen. Eine Möglichkeit wäre ein mobiles Förderband anzuschaffen, eine sogenannte Bahnratte. Dieses kostet zum einen jedoch Geld, zum anderen ist nicht sicher, ob nicht noch mehr Bauern auf den Strassentransport umstellen würden.

Denn bisher konnten die Bauern dank der Hebebühne der aktuellen Anlage mit jeglicher Art von Anhänger ihre Rüben abladen. Bei einer Bahnratte bräuchten sie eigens einen Kipper mit einen Kippmechanismus, um die Rüben in die ebenerdige Auffangvorrichtung kollern zu lassen. Es könne sein, dass die Genossenschaft Rübenumschlag Aargau mit einer ihrer Bahnratte einspringen würde, sagt Toni Bächli. Was aber bereits feststeht: Für die Kleinsten unter den Schaulustigen würde ohne den Lift, der die Wagen fast schon abenteuerlich schräg stellt, ein Teil des Abladespektakels wegfallen.