Interview
Zank um Oberstufe Aaretal: «Die Gemeinderäte haben nachgegeben»

Das Projekt Oberstufe Aaretal ist ins Stocken geraten. Initiant Patrick Gosteli hält am ursprünglichen Plan fest

Andreas Fretz
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«Wenn wir kein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen können, muss der Regierungsrat entscheiden», sagt Böttsteins Ammann Patrick Gosteli, der Vorsitzende der Steuergruppe «Schaffung Oberstufenschule Aaretal».

«Wenn wir kein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen können, muss der Regierungsrat entscheiden», sagt Böttsteins Ammann Patrick Gosteli, der Vorsitzende der Steuergruppe «Schaffung Oberstufenschule Aaretal».

Alex Spichale

Herr Gosteli, die Gemeinderäte von Klingnau, Döttingen und Koblenz wollen auch den Alternativ-Vorschlag der Oberstufe Unteres Aaretal (Osua) zur künftigen Oberstufenlandschaft prüfen. Begrüssen Sie das?

Patrick Gosteli: Ich nehme es zur Kenntnis.

Das klingt nicht euphorisch.

Das Projekt der gemeinsamen Oberstufenschule Aaretal betrifft neun Gemeinden. Drei davon sind bei der Osua. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass alle neun Gemeinderäte hinter dem ursprünglichen Projekt stehen und mit vollem Einsatz daran arbeiten.

Hat Sie die Ankündigung aus Klingnau, Döttingen und Koblenz überrascht?

Sie war für mich zumindest nicht neu. Ich war stets im Bilde und bin frühzeitig informiert worden. In gewisser Weise ist der Entscheid nachvollziehbar. Die Gemeinderäte haben dem Druck nachgegeben und wollen nun auch den angekündigten Alternativ-Vorschlag der Osua prüfen.

Aus welchen Kreisen kam der Druck?

Aus der Bevölkerung, aus der Kreisschulpflege. Es ist klar, dass niemand seinen Schulstandort gerne aufgeben will.

Kommt das nicht einem Zerwürfnis der neun Gemeinden gleich?

Da interpretieren Sie zu viel hinein. Es ist gut, dass die drei Gemeinden den Alternativ-Vorschlag der Osua anschauen. Sie können ihn prüfen und dann vor der Bevölkerung begründen, weshalb sie sich für welche Lösung entschieden haben.

Was bisher geschah

Im Mai 2016 teilten neun Gemeinden (Leibstadt, Full-Reuenthal, Leuggern, Böttstein, Koblenz, Klingnau, Döttingen, Schwaderloch und Mandach) mit, dass sie sich im Bereich der Oberstufenschulen auf ein Projekt geeinigt haben: Aus der Oberstufe Unteres Aaretal (Osua), die Kreisbezirksschule Leuggern und den Sereal-Vertragsgemeinden soll ein einziger Schulverband werden. Aufs Schuljahr 2018/19 sollen die Bezirksschulen in Leuggern und Klingnau schliessen und stattdessen Real- und Sekundarschüler aufnehmen. Als neuen Bezirksschulstandort präsentierte Patrick Gosteli, der Vorsitzende der Steuergruppe, damals das Schulhaus Rain in Kleindöttingen. Hintergrund der Aktion: Auf Drängen des Kantons wird es ab 2022/23 im Zurzibiet nicht wie bisher vier, sondern maximal drei Bezirksschulstandorte geben. Das neue Schulgesetz verlangt pro Standort mindestens sechs Klassen à mindestens 18 Schüler. Das Vorpreschen der Gemeinderäte sorgte insbesondere bei den Schulbehörden für Unmut. Die Schulführung der Kreisschule Osua (Gemeinden Klingnau, Döttingen und Koblenz) gab bekannt, sich aus dem Projekt und den gegründeten Arbeitsgruppen zurückzuziehen. Stattdessen wollte sie einen Alternativ-Vorschlag ausarbeiten (Nov. 2016). Die neun Gemeinderäte nahmen das zur Kenntnis, gingen aber nicht weiter darauf ein. Das hat sich nun geändert. Bei den drei Osua-Gemeinden fand ein Umdenken statt: Sie wollen den Vorschlag der Osua prüfen. Über das Schulprojekt wird voraussichtlich an den Winter- und nicht, wie ursprünglich geplant, an den Sommergmeinden 2017 abgestimmt.

Aber es ist nach wie vor das Ziel, der Stimmbevölkerung an den neun Gemeindeversammlungen bloss einen Vorschlag zu unterbreiten?

Ja. Wie schon zu einem früheren Zeitpunkt gesagt, würde es zu chaotisch, wenn die Wahl zwischen zwei Vorschlägen bestünde. Die Idee der Osua, den Stimmbürgern zwei Vorschläge zu unterbreiten, ist unrealistisch. Es müssen sich ja neun Gemeindeversammlungen zu den gleichen Satzungen äussern können.

Wenn aber die Gemeinderäte von Klingnau, Döttingen und Koblenz Ja zum Osua-Vorschlag sagen, ist das Projekt einer gemeinsamen Oberstufenschule Aaretal gestorben.

Das ist so. Es geht nicht, dass sechs Gemeinden Ja zum Vorschlag unseres Projekts sagen und die anderen drei Gemeinden Ja zum Osua-Vorschlag. Wenn wir kein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen können, muss der Regierungsrat entscheiden, wie es weitergeht.

Immerhin hat man erreicht, dass durch die Prüfung des Osua-Vorschlags deren Vertreter eingewilligt haben, wieder in den ursprünglichen Arbeitsgruppen mitzuwirken.

Nachdem Funkstille herrschte, ist der Informationsaustausch wieder gewährleistet. Allerdings sind unsere Arbeitsgruppen mit ihrer Arbeit quasi fertig. Die Arbeitsgruppe 1, die sich um die Verbandssatzungen und die Führungsorganisation gekümmert hat, hatte am Mittwoch ihre Abschlusssitzung. Die Arbeitsgruppe 2 mit den Themen Schulkultur und Schulbetrieb schliesst Anfang Mai ihre Arbeit ab.

Sie wären also bereit gewesen, das Projekt den neun Sommer-Gemeindeversammlungen vorzulegen?

Wir haben uns an den Zeitplan gehalten. Damit aber die Gemeinderäte von Klingnau, Döttingen und Koblenz Zeit haben, den Osua-Vorschlag zu prüfen, wurde der Terminplan angepasst. Das Projekt wird nun an den Winter-Gemeindeversammlungen traktandiert.

Ihr Zeitplan wurde von der Osua von Beginn an als «übersportlich» bezeichnet. Gewinnen Sie nun auch ein halbes Jahr?

Natürlich, die Zeit können wir für den Feinschliff und Anpassungen einsetzen. Die erarbeiteten Satzungen gehen nun zum Kanton und werden auf ihre Rechtmässigkeit überprüft. Im Mai werden die Gemeinderäte informiert. Dann werden wir sehen, an welchen Schrauben wir noch drehen müssen.