Tegerfelden
Wysonntig heisst degustieren und staunen, vor allem aber: Geniessen

Wer mag schon das Wort Sommer in den Mund nehmen? In einem Jahr, wo es keinen gab? Am Samstag meldete sich der Sommer aber vehement – für den Wysonntig in Tegerfelden: ein Fest, das nicht nur Weinliebhaber erfreute.

Rosmarie Mehlin
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«Prost»: Den beiden steht die Freude ins Gesicht geschrieben: Sie geniessen bei schönstem Herbstwetter einen feinen Tropfen.

«Prost»: Den beiden steht die Freude ins Gesicht geschrieben: Sie geniessen bei schönstem Herbstwetter einen feinen Tropfen.

Bettina Matthiessen

Auf dem einen oder anderen Tisch des einen oder anderen Vereinsbeizlis stand am Samstagnachmittag eine Bierflasche. Ein Affront gegenüber dem Wysonntig? Aber nicht doch – Ursache war einzig ein herbstliches Aufbäumen eines Sommers, der keiner war.

Die Wärme machte manchen zwar richtig Durst, war aber vor allem wunderbar: Blauer Himmel, Sonnenschein, fröhliche Gesichter und lachende Kinder auf dem Tschutschu-Bähnli, beim Büchsen-Schiessen, Soft-Ice-Schlecken. Sie, die Kleinen, degustierten geheimnisumwitterte Wässerchen namens Drachendrink, Lilifee oder Zaubertrank, während die Grossen sich an Muscat und Garanoir, Sauvignon blanc und blauem Zweigelt delektierten.

Bei diesem Wetter sind die Besucher noch so gerne draussen
7 Bilder
Zum Wysonntig meldete sich der Sommer zurück und alle geniessen das Prachtwetter
Degustieren und miteinander plauschen - das gehört zum Wysonntig einfach dazu
Verweilen und geniiessen
Dem Fachmann wird gerne zugehört
Das Tschutschu-Bähnchen macht vor allem den Kleinen Spass
Atemberaubende Akrobatik mit den Herianos aus dem Appenzell

Bei diesem Wetter sind die Besucher noch so gerne draussen

Bettina Matthiessen

Neun Weinproduzenten, darunter auch Sutter/Ringele aus Böttstein und Buchmann aus Wittnau sowie die Landi Klingnau , schenkten aus, was in ihren Rebbergen wächst, in ihren Kellern reift und was sie an gebrannten Wässerchen anzubieten haben. Immer mehr kommen auch spezielle Destillate – von Weinbergpfirsich, Türkenchriesi, Usterapfel bis Whisky oder Strohweinmarc – aus Tegerfelden.

Nostalgie aus Papier und Blech

Das biennale Wysonntig-Flanieren die Dorfstrasse hinauf und hinunter bietet jeweils Abwechslung ebenfalls fürs Auge. Beispielsweise, weil auch das Etiketten-Styling einem Wandel unterworfen ist. Ausser jenes der Familie Kalt vom Neuberg – deren Etiketten sind so richtig notalgisch. «Seit ich Wein produziere, also seit 1977, sind unsere Etiketten mit kleinen Änderungen dieselben geblieben», sagt Othmar Kalt sichtlich stolz, denn das Alte bewahren liegt ihm offensichtlich am Herzen: «Ums Haus herum habe ich eine Sammlung von 100 Traubensorten.»

Jahr für Jahr keltert er aus 36 dieser Sorten – immer wieder aus anderen – einen speziellen Wein. «36 Plants» steht auf der Etikette; in der Farbe von Zwiebelschalen präsentiert sich der 2009er Jahrgang im Glas und frisch, trocken, mit leichtem Rauchgeschmack im Gaumen.

In die Nase hingegen stiegen auch diesmal Düfte, welche die Magensäfte anregen: Würste vom Grill, Pouletflügeli, Haxen, Risotto, Hörnli und Ghackets – das Angebot zum «Bödeli» ist fast genauso vielfältig wie jenes der Kuchen und Torten im

«Sattlerkafi» der Landfrauen. Und weil nicht nur Essen und Trinken Leib’ und Seele zusammenhalten, wurde auch am diesjährigen Wysonntig ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm geboten.

Musikalisch sorgten von AZton bis zu den Muulörgeli-Spatze verschiedene Formationen für Stimmung. Im Bernerland kamen Liebhaber von Oldtimern auf ihre Rechnung zwischen einem Ford Jahrgang 1907, einer 80-jährigen silberglänzenden «Emily», einem «Singer» Roadster mit 48 PS von 1951 und einem 50-jährigen Vauxhall VX 4.

Akrobatik, Komik und Yo-Yo

Auch schon seit 35 Jahren sorgt eine kleine, rotzfreche Eselin namens Caroline in unserem Land für Lachsalven. Zusammen mit ihrem Meister Kliby tat sie dies gestern Nachmittag auf einer der beiden Wysonntig-Bühnen. Am Samstag traten, einmal auf der einen, einmal auf der anderen Bühne nachmittags die «Herianos» mit zwei verschiedenen Showteilen auf.

Die fünf Appenzeller – logo aus Herisau – verblüfften zum einen durch muskelstarke und schwindelerregende Akrobatik.Bei ihrem zweiter Auftritt in Sennentracht mit Zipfelmütze und rauchendem

«Lindauerli» im Mund gewann mitreissende Komik die Oberhand über das artistische Können. Abends dann begeisterten die Yo-Yo-Europa- und Weltmeister «InMotion» mit perfekten Shows und Feuerzauber die Zuschauer.