Bluttat
Würenlingen: Mann erschiesst Schwiegereltern, Schwager und Nachbarn

Bei einer Bluttat vom Samstagabend in einem Wohnquartier von Würenlingen hat ein 36-jähriger Schweizer aus dem Kanton Schwyz vier Menschen erschossen und sich danach selbst umgebracht.

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Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote
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In diesem Haus erschoss der Täter seine Verwandten.
Das Haus befindet sich am Langackerweg: Anwohner hörten an jenem Samstagabend gegen 23 Uhr Schüsse.
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Markus Gisin, Chef Aargauer Kriminalpolizei, an der Medienkonferenz am Tag nach der Tat: «Es sind relativ viele Schüsse gefallen.»
Der Familienvater mit türkischer Abstammung war zehn Tage vor der Bluttat von Würenlingen aus der psychiatrischen Behandlung entlassen worden.
Der Täter, Semun A., war der Polizei bereits bekannt.
Wegen häuslicher Gewalt war er ab April 2015 in der Psychiatrie.
Daniel von Däniken von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.
Polizeikommandant Michael Leupold.

Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote

Keystone

Beim Tötungsdelikt vom Samstagabend an der Langackerweg in Würenlingen AG mit fünf Toten handelt es sich um ein Beziehungsdelikt. Der Täter, ein 36-jähriger vorbestrafter Familienvater aus dem Kanton Schwyz, richtete sich nach der Tat selber.

«Soweit bis jetzt bekannt gelangte er am Samstagabend mit seinem Auto nach Würenlingen», teilt die Kantonspolizei mit.

Die Tat spielte sich an zwei verschiedenen Tatorten im selben Quartier in Würenlingen ab, wie der Aargauer Kripochef Markus Gisin am Sonntag vor den Medien sagte. Am ersten Tatort in einem Einfamilienhaus schoss der Mann einen 58-jährigen Mann, eine 57-jährige Frau und einen 32-jährigen Mann nieder. Es handelte sich um die Schwiegereltern und den Schwager des Täters.

Danach begab sich der 46-jährige Mann zu seinem Auto, das er in der Nähe parkiert hatte. Auf dem Weg dorthin ist ihm ein Nachbar begegnet. Auch diesen erschoss der Mann. «Wir können nicht sagen, ob die beiden Personen sich gekannt haben oder nicht oder in welcher Beziehung sie zueinander standen.» Danach richtete sich der Täter selber. Beim mutmasslichen Täter wie auch bei seinen Opfern handelt es sich um Schweizer.

«Es sind relativ viele Schüsse gefallen», sagte Markus Gisin. Wie viele genau, könne er noch nicht sagen.

Das Motiv des Täters ist noch unklar. Um dies zu klären, sind weitere Ermittlungen zur persönlichen Situation des Täters im Kanton Schwyz nötig. Die Ermittler werden nun diverse Akten sichten.

Einschlägig bekannt

Der Täter ist einschlägig bei der Polizei bekannt. Konkret wegen Körperverletzung (2007), Drohung (2012) und fürsorgerischer Unterbringung (2015). Erst am 2. April 2015 fand eine Hausdurchsuchung nach Waffen statt.

Ob es sich bei dem vierten Opfer um ein Zufallsopfer handelt, weiss die Polizei zur Zeit noch nicht. Bei seiner Tat benutzte der Täter laut Markus Gisin eine Faustfeuerwaffe, nicht um eine Armeepistole.

Vor kurzem gab es am Wohnort des Täters eine Hausdurchsuchung. Dabei wurden keine Waffen gefunden. Er ist auch nicht im Besitz eines Waffenscheins.

Der im Kanton Schwyz wohnhafte Täter ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lebte getrennt von seiner Frau und seinen Kindern. Diese sind unversehrt. Sowohl der Täter wie seine Familie waren fürsorgerisch untergebracht.

Die Ermittlungen von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft laufen auf Hochtouren. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft bei allen Leichen eine Obduktion angeordnet.

Nachbarn geschockt

Ein Anwohner des ruhigen Wohnquartiers erzählte gegenüber Tele M1, wie er und andere Schüsse hörten und dann gegen 23.15 Uhr ins Freie gingen. Dann hätten sie Sirenen gehört und Polizisten gesehen. «Und den ersten Toten, der am Boden liegt.» Die Polizei habe sie wieder ins Haus geschickt - aus Sicherheitsgründen.

Laut eines anderen Anwohners war die Opfer-Familie mit dem Schwiegereltern und der Schwager des Todesschützen nie negativ aufgefallen. «Immer sehr ruhig, anständig» beschreibt er sie. (pz/sda)

Lesen Sie hier den Liveticker zur Pressekonferenz der Kantonspolizei nach: