Würenlingen
Um Umsatzeinbrüche abzufedern: Dieses Weingut stellt jetzt «Impfdosen» her

Das Würenlinger Weingut zum Sternen reagiert auf die Coronakrise mit speziellen Ideen – die auch andere Winzer übernehmen wollen.

Alexander Wagner
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Das Weingut zum Sternen kämpft mit grossen Umsatzeinbrüchen.

Das Weingut zum Sternen kämpft mit grossen Umsatzeinbrüchen.



Severin Bigler

Weihnachtsessen wurden wegen Corona abgesagt, Messen finden nicht statt, die närrische Zeit fällt auch in der Fasnachtshochburg Würenlingen aus, die Gastronomie liegt flach und bestellt deshalb auch keine Weine. Das spüren die Weingüter, so auch jenes in Würenlingen.

Deshalb mussten Andreas Meier und sein Team vom Weingut zum Sternen sich etwas Besonderes überlegen, um der Kundschaft weiterhin die neusten Produkte zeigen zu können. So entstand nach einem schwierigen Jahr die Idee, die Kunden mit einem Koffer voller Weine zu verwöhnen und «gluschtig» zu machen.

Andreas Meier auf seinem Weingut zum Sternen.

Andreas Meier auf seinem Weingut zum Sternen.



Mario Heller/AZ-Archiv

Die Situation der Weinproduzenten ist auch ohne Corona nicht einfach. «Wir haben ein schwieriges Marktumfeld. In den vergangenen fünf, sechs Jahren gab es 20 Prozent mehr Weinhändler», sagt Meier. Die Konkurrenz wird stetig grösser und «wir sind nicht in der Lage, zu den Preisen zu produzieren, wie sie im Einzelhandel angeboten werden».

Dazu kommt noch die momentan komplizierte Situation. «Das Gastrogewerbe steht still. Der Einbruch ist fatal», gibt Meier offen zu. Rund 40 Prozent des Umsatzes sind dadurch weggebrochen. Doch der CVP-Grossrat will nicht jammern und versucht, diesen Einbruch durch die Privatkundschaft durch verschiedene Ideen zu kompensiere.

Obwohl ihm dies mit seinem Weingut zum Sternen recht gut gelingt, hat der Vizepräsident des kantonalen Gewerbeverbandes eine klare Haltung: «Es muss schnell wieder geöffnet und ein Ausweg aus der Situation aufgezeigt werden. Sonst ist es nicht mehr bezahlbar», betont Meier mit Nachdruck. So hat er im Grossen Rat auch schon drei Vorstösse eingereicht unter dem Motto: Schnell helfen, schnell impfen und schnell wieder öffnen.

Wein und Käse oder Würste in eigener Stube degustieren

Im Moment versucht er es weiter mit neuen Ideen und Wegen wie dem Weinkoffer. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es nicht lange. Unverzüglich wurden ein Vakuumfüller und eine Verschliesszange angeschafft, sodass die kleinen Flacons von einem halben Deziliter abgefüllt werden können.

Diese werden aus den Originalflaschen in die fünf Zentiliter kleinen Fläschchen umgeleert und zu einem Degustationskoffer mit zwölf verschiedenen Weinen zusammengestellt. Darin hat es sowohl Rot- als auch Weisswein sowie Rosé. «Nur mit dem Schaumwein funktioniert das nicht. Da geht die Kohlensäure verloren», sagt Meier. Inbegriffen sind eine genaue Beschreibung der zwölf Weine und ein Wertgutschein für den nächsten Einkauf.

Das sind die neuen «Impfdosen» des Weinguts zum Sternen in Würenlingen.

Das sind die neuen «Impfdosen» des Weinguts zum Sternen in Würenlingen.

zvg

Ein weiterer neuer Absatzkanal sind die digitalen Degustationen zu verschiedenen Themen wie «Käse und Wein» oder «Stein und Wein». Geplant ist auch eine virtuelle Degustation mit einem Metzger zu «Wein und Wurst». Die Teilnehmer bekommen die Weine und Käse oder Würste nach Hause geliefert und erhalten dazu die Kommentare und Erklärungen von den Winzern oder Käsespezialisten.

«Das ist spannend und lebendig und zum Teil auch lustig», sagt Andreas Meier, der sich über die neuen Formen freut. «Und ich könnte mir vorstellen, dass ein Teil davon auch weiterhin bestehen bleibt.»

Auch Weinstern Wettingen will die Idee übernehmen

Auch mit den kleinen «Impfdosen», wie er die Degustationsfläschchen auch nennt, wird es weitergehen. «Das wird sicherlich abnehmen, aber weitergeführt. Solange es eine Nachfrage gibt.» Auch Weinstern Wettingen oder andere Winzer und Organisationen wollen diese Idee des Degustationskoffers übernehmen.

Damit kann der Wein trotzdem mit Augen, Nase und Zunge genossen und degustiert werden – einfach zu Hause. «Aber lieber ist mir natürlich schon eine Begegnung vis-à-vis», erklärt Meier. So hoffen er und die ganze Branche, dass bald wieder reale Degustationen oder sogar eine Weinmesse stattfinden können. Bis dann muss er sich mit anderen Kanälen über Wasser halten und die Kunden sich mit der Impfung der besonderen kulinarischen Art begnügen.

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