Raubtier
Wolf reisst Schafe nah am Zurzibiet – schlug er auch in Niederweningen zu?

Vermutlich fünf Schafe in Niederweningen, sicher aber drei Tiere direkt ennet des Rheins: Der Wolf kommt dem Zurzibiet immer näher. Ob der Grenzfluss ein Hinderniss darstellt und weshalb das Raubtier sich wohl kaum im Aargau niederlässt.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Wolf kommt dem Zurzibiet immer näher.

Der Wolf kommt dem Zurzibiet immer näher.

Keystone/AZ

Ende November schlug ein Wolf in unmittelbarer Nähe zur Zurzibieter Grenze zu: Er riss drei Schafe auf dem Stadtgebiet von Waldshut-Tiengen. Wenige Tage zuvor hatte ein Schafhalter fünf getötete Schafe auf einer Weide in Niederweningen gefunden. Wiederum direkt neben der Grenze zum Bezirk Zurzach.

Ob es sich dabei um einen Wolf oder einen Hund handelt, ist noch unklar. Fakt ist aber: Das Raubtier kommt dem Zurzibiet immer näher.

CH Media

2014 gab es die ersten, ungesicherten Hinweise darauf, dass der Wolf seinen Weg in den Aargau fand. Nachgewiesen wurde das Raubtier aber erst im Februar 2019: Zuerst riss er zwei Ziegen in Oberhof im Fricktal, dann tappte er noch am selben Tag wenige Kilometer entfernt in Erlinsbach in eine Fotofalle:

Departement Bau, Verkehr und Umwelt/AG

Im Mai 2020 schlug das Raubtier erneut in Oberhof zu und tötete drei Lämmer – rund 20 Kilometer Luftlinie vom Zurzibiet entfernt.

Schafe in Niederweningen tot: Hund oder Wolf?

In Niederweningen, unmittelbar an der Bezirksgrenze, wurden in der Nacht auf den 18. November gleich fünf Schafe gerissen. Ob die Bissspuren an den Tieren von einem Hund oder einem Wolf stammen, war nicht eindeutig zu erkennen.

Fachleute der Kantonspolizei, des forensischen Instituts Zürich sowie der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung entnahmen DNA-Proben. Gemäss dem Zürcher Amt für Landschaft und Natur wird das Resultat dieser Analyse Anfang des nächsten Jahres erwartet.

Was aber die deutschen Behörden bereits bestätigten: Die drei in der Nacht auf den 21. November getöteten Schafe in Gurtweil, einem Stadtteil von Waldshut-Tiengen, fielen einem Grauwolf zum Opfer.

Die Aufnahme aus einer Fotofalle zeigt den Wolf «GW852m», einen der beiden im Schwarzwald sesshaften Tiere, im Juni 2018 im Nordschwarzwald. Von dem Wolf, der kürzlich in Gurtweil drei Schafe gerissen hat, gibt es noch kein Foto.

Die Aufnahme aus einer Fotofalle zeigt den Wolf «GW852m», einen der beiden im Schwarzwald sesshaften Tiere, im Juni 2018 im Nordschwarzwald. Von dem Wolf, der kürzlich in Gurtweil drei Schafe gerissen hat, gibt es noch kein Foto.

Südkurier/FVA Wildtierinstitut

Drei Tage später schlug nachweislich derselbe Wolf in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau nochmals zu – fast 50 Kilometer nordwestlich von Waldshut riss er ein Schaf, wie der «Südkurier» berichtet. Der Wolf hätte genauso gut aber auch in Richtung Süden laufen, die knapp vier Kilometer entfernte Schweizer Grenze überqueren und ins Zurzibiet einwandern können.

Erwin Osterwalder, Fachspezialist der kantonalen Abteilung Wald, Jagd und Fischerei bestätigt:

Der Rhein ist kein absolutes Hindernis wie frühere Beispiele von Wolfswanderungen zeigen.

Der Fluss ist in der Region rund 200 Meter breit, die Strömung aufgrund der vielen Wasserkraftwerke zumindest flussabwärts nur mässig.

Der Uferweg in Full-Reuenthal – im Hintergrund ist Waldshut sichtbar.

Der Uferweg in Full-Reuenthal – im Hintergrund ist Waldshut sichtbar.

AZ-Archiv

Die Überquerung könne der Wolf schaffen, sagte eine Expertin gegenüber dem «Südkurier».

Erwin Osterwalder ergänzt:

Es ist nicht ausgeschlossen, dass in Zukunft ein Wolf auf seiner Wanderung das Zurzibiet durchquert.

Junge Wölfe würden auf der Suche nach neuen Lebensräumen weit umher wandern und liessen sich auch von Hindernissen wie Autobahnen oder Flüssen nicht abschrecken. Die Wahrscheinlichkeit sei aber eher gering.

«Auch, dass er in den Kanton Aargau einwandert, schätzen wir als unwahrscheinlich ein.» Denn obwohl es im Kanton Aargau genügend Beutetiere hat, gebe es zu viele Verkehrsachsen und überbaute Siedlungsgebiete.

Andrej Jäger: «Jetzt fehlt mir nur noch der Wolf»

Falls Meister Isegrim doch durch das Zurzibiet wandern sollte, ist die Chance da, dass er in eine Fotofalle tappt. «In unserer Region hat es zahlreiche Fotofallen von Jägern, des Kantons und von Privaten», sagt Andrej Jäger.

Dem Pächter und Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Hochwacht gelangen diesen Frühling einzigartige Aufnahmen: Er konnte mit seiner Kamera einen Luchs ablichten, der ein Rehkitz im Maul hielt:

Die Kamera ist eine von mehreren auf dem Buck oberhalb des Leuggemer Ortsteils Fehrental.

«Damit möchten wir festhalten, welche Tiere durch unseren Wald streifen.» Als er die Kameras vor fünf Jahren zum ersten Mal aufstellte, habe er sich über jeden Hasen gefreut. Danach steigerten sich die Sujets vom Reh, zum Dachs über Wildschweine bis zum Luchs. «Eigentlich fehlt mir jetzt nur noch der Wolf», sagt Andrej Jäger mit einem Schmunzeln und ergänzt. «Das wäre aber ein riesiges Glück.»