Unteres Aaretal
Wo sollen die Oberstufen-Standorte hin? «Wir sollten das ohne den Kanton lösen»

Im Unteren Aaretal sucht man nach einer Lösung in der Frage nach den künftigen Oberstufen-Standorten. Das Thema wurde an einem Podium in Klingnau diskutiert.

Daniel Weissenbrunner
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Für wie viele Oberstufenstandorte im Bezirk hat es mit Inkrafttreten der Reform auf das Schuljahr 2021/22 noch Platz? Diese Frage wird im Zurzibiet heiss diskutiert. Im Grundsatz ist man sich einig: Die Oberstufe soll den Schülerinnen und Schülern auch in Zukunft die bestmöglichen pädagogischen Rahmenbedingungen bieten.

Wie die Umsetzung für die künftige Bez, Sekundar- und Realschule aussehen soll, basierend auf der gesetzlichen Grundlage des Kantons, darüber gehen die Vorstellungen allerdings noch auseinander. Sei es bei den Behörden, in der Lehrerschaft oder bei den Eltern. Ein Podium der CVP Klingnau am Montagabend in der gut besuchten Propstei-Turnhalle in Klingnau, das unter dem Veranstaltungstitel «Droht ein regierungsrätlicher Standort-Entscheid?» stattfand, lieferte Einblicke in die Befindlichkeit der involvierten Parteien.

Die Vorgabe seitens der Regierung ist klar: Ab besagtem Schuljahr müssen Bezirksschulen mindestens 6 Abteilungen (2 Klassen pro Jahrgang) mit mindestens 18 Schülern führen. Aktuell stehen im Zurzibiet die Bezirksschulen in Endingen, Leuggern, Bad Zurzach und Klingnau. Für den Bezirk sind die Auswirkungen der Reform dabei absehbar. Anhand der rückläufigen Schülerzahlen dürften künftig noch maximal zwei von derzeit vier Standorten weitergeführt werden. Endingen und das untere Aaretal erfüllen die nötigen Kriterien. Bad Zurzach bräuchte nach heutigem Stand voraussichtlich eine Sonderregelung.

Alles unter einem Dach?

Michael Umbricht, Generalsekretär des Departements Bildung, Kultur und Sport BKS, unterstrich in seinen Ausführungen, dass es Aufgabe der Gemeinden sei, eine Lösung zu finden. «Der Kanton kommt erst dann zum Zug, wenn es zu keiner Einigung kommt.» Nötig wurde ein solcher Eingriff seitens der Regierung im Seetal.

Von einem Konsens scheint man auch im unteren Aaretal noch entfernt. Befeuert wurde das Thema durch das Projekt «Schaffung Kreisschule Aaretal», das im letzten Jahr von neun Gemeinden ins Leben gerufen wurde. Darin vorgesehen ist Kleindöttingen als neuer Bez-Standort, Leuggern und Klingnau würden in diesen Überlegungen geschlossen und übernähmen die Sek und Real.

Dieses Vorpreschen löste in Teilen der Bevölkerung und in den Schulpflegen Widerstand aus. Es wurde allgemein bedauert, dass am Montag Vertreter der übrigen Kreisschule Aaretal (Böttstein, Leuggern, Full-Reuenthal, Leibstadt, Mandach und Schwaderloch) am Podium nicht offiziell teilnahmen. «Uns hätte es interessiert, wie man auf die neue Ausgangslage reagiert», wollte ein Zuhörer wissen. Er sprach damit den Entscheid der Exekutive der Oberstufen-Gemeinden Klingnau, Döttingen und Koblenz an, die inzwischen einen Alternativ-Vorschlag der Kreisschulpflege Oberstufe unteres Aaretal (Osua) mit dem Standort Klingnau prüfen.

Keine Zweiklassen-Gesellschaft

Osua-Schulpflegepräsident Thomas Angst bemängelte, dass wegen der schlechten Kommunikation die strategischen Ausrichtungen bisher zu kurz gekommen seien und «ein verbales Ping-Pong-Spiel entstand». Ungeachtet des Standorts, würde Angst eine Lösung begrüssen, in der sämtliche Abteilungen unter einem Dach vereinigt würden.

Elternvertreter Kuno Schumacher wies seinerseits darauf hin, dass er sich eine dezentrale Lösung vorstellen könne, es dürfe aber keine Zweiklassengesellschaft in der Oberstufenschule entstehen und auf dem Buckel der Schülerinnen und Schüler gespart werden. Zur Veranschaulichung: Pro Klasse können rund 200 000 Franken Lohnkosten eingespart werden (davon 65 Prozent beim Kanton, 35 Prozent in den Gemeinden).

Klingnaus Gemeinderat Reinhard Scherrer brachte schliesslich zum Ausdruck, was bei der Mehrheit der Anwesenden spürbar war. «Ich hoffe, dass wir die Frage nach den künftigen Oberstufen-Standorten selber lösen können.» Mit diesem Wunsch stiess er bei Michael Umbricht auf offene Ohren.

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