Wislikofen
Seminarhotel in historischer Propstei für wichtigsten Preis der Eventbranche nominiert – wie es die Coronakrise meistert

Die Überraschung bei Propstei-Chefin Claudia Mennen ist gross: Das Wislikofer Seminarhotel ist für den Swiss Location Award nominiert – der Werbeeffekt bei einem Gewinn wäre enorm.

Stefanie Garcia Lainez
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Die Propstei in Wislikofen kann auf eine 900-jährige Geschichte zurückblicken.

Die Propstei in Wislikofen kann auf eine 900-jährige Geschichte zurückblicken.

Sandra Ardizzone

Rund sechs Monate lang war die Propstei in Wislikofen ab März 2020 geschlossen. Mit einem Umsatzverlust von 40 Prozent für das vergangene Jahr kam das Seminarhotel im Branchenvergleich dennoch gut durch die Coronakrise. Nun wurde die Propstei für den «Swiss Location Award» nominiert, dem wichtigsten Gütesiegel der Schweizer Eventbranche.

«Die Überraschung war gross», sagt Claudia Mennen, Leiterin Bildung und Propstei. «Wir sind seit Jahren dran, uns als Seminarhotel mit professioneller Infrastruktur sowie niederschwelligem und freundlichem Service zu positionieren.» Dass nun die Plattform Eventlokale.ch auf die Propstei mit ihrer 900-jährigen Geschichte aufmerksam wurde, darüber freue sich das Team riesig.

Der Brunnen der Propstei lädt zum Verweilen ein.

Der Brunnen der Propstei lädt zum Verweilen ein.

zvg

Seit 2016 zeichnet der Swiss Location Award die besten Hotels, Restaurants, Kongress- und Eventlocations der Schweiz aus. Rund 900 Lokale sind in diesem Jahr nominiert, in der Kategorie Seminarhotels und Tagungslocations sind es deren 188.

Das sind die Nominierten im Zurzibiet und Bezirk Baden

Der Swiss Location Award zeichnet jährlich in elf Kategorien die besten Hotels, Restaurants sowie Kongress- und Eventlocations der Schweiz aus. Im Kanton Aargau sind insgesamt 59 Lokale unter den Nominierten. Im Bezirk Zurzach sind dies das Fisibacher Ebianum mit dem Baumaschinenmuseum, das Schloss Klingnau aus dem 13. Jahrhundert sowie die Klingnauer Waldhütte. Im Bezirk Baden hat es gleich 17 Lokale in der Auswahl: in Spreitenbach das Hilton Garden Inn und die Umweltarena, in Baden das Trafo, die Giesserei Oederlin, die Villa Boveri, die Jugendherberge, die Halle Alte Schmiede, das Nordportal, die Eventküche, das Swiss-Belhotel du Parc sowie das Atrium Hotel Blume, das Restaurant Fahr in Sulz-Künten, in Wettingen der Schalander Eventraum der Lägerebräu sowie der Gasthof Sternen, das Ritter-Stübli in Stetten, das Casa Colonial in Neuenhof und die Waldhütte in Bellikon. Der Gewinner wird am 15. Juni bekannt gegeben.

«Der Award ist ein wichtiges Gütesiegel. Ihn zu gewinnen, wäre wirklich toll», sagt Claudia Mennen. Denn nebst einer Fachjury bewerten Veranstalterinnen und Veranstalter sowie Besucherinnen und Besucher die nominierten Lokale bis Ende Mai auf der Website von Eventlokale.ch. Claudia Mennen sagt:

«Gästefeedbacks spielen heute eine grosse Rolle, auch für Seminarveranstalter.»

Die ausgezeichneten Hotels könnten den Award auf Portalen wie Tripadvisor oder Booking.com vermerken. Dies habe einen grossen Werbeeffekt, von dem die Propstei insbesondere während der Coronakrise profitieren könnte.

Guter Start ins 2020 – dann kam Corona

Der Start in das Jahr 2020 war vielversprechend. Für 350'000 Franken brachte die Propstei den grössten ihrer neun Seminarräume auf den neusten Stand der Technik. Der Speisesaal wurde einem Facelifting unterzogen. «Mit einem neuen Lichtkonzept schufen wir ein warmes, heimeliges Ambiente in diesen Räumen», sagt Claudia Mennen. «Wir erhielten unglaublich gutes Feedback nach dem Umbau und waren bereit, durchzustarten.» Der grosse Seminarraum mit Platz für rund 100 Personen war seit der Wiedereröffnung Anfang Jahr konstant ausgebucht.

Im grossen Propsteisaal finden immer wieder Tagungen statt.

Im grossen Propsteisaal finden immer wieder Tagungen statt.

zvg

«Doch dann kamen Covid und der Lockdown. Das war bitter.» Für das Seminarhotel mit eigenem Kursprogramm galten die gleichen Richtlinien wie für Hochschulen. Veranstaltungen waren während der Lockdowns verboten. Im Gegensatz zu Ferienhotels konnte die Propstei also nicht von Schweizer Feriengästen profitieren.

Dafür wurden Online-Kurse lanciert und individualisierte Homeoffice-Plätze installiert. «Die Kurse waren überraschend gut besucht, und wir konnten auch neue Gäste gewinnen.» Für die Mitarbeitenden wurde Kurzarbeit beantragt, der Kontakt untereinander wurde via Whatsapp-Chat aufrechterhalten. «So kamen wir über die Runden und mussten auch keine Mitarbeitenden entlassen.»

Im heutigen Seminarhotel suchten früher Mönche Zuflucht

Seit knapp zwei Wochen darf die Propstei im Rahmen eines Schutzkonzeptes wieder Gruppen beherbergen und ihre rund 80 Eigenkurse mit unterschiedlichen Themenbereichen wieder anbieten. «Kommunikationstraining, Ausbildung für Ehrenamtliche und Spiritualität gehören dazu und knüpfen auf eine neue moderne Weise an die Kloster-Vergangenheit des Gebäudes und die Trägerschaft durch die Römisch-Katholische Landeskirche des Kantons Aargau.»

Das Seminarhotel bietet auch eigene Kurse an.

Das Seminarhotel bietet auch eigene Kurse an.

Sandra Ardizzone

Das 1137 erbaute Kloster in Wislikofen war immer wieder Zufluchtsort für die Mönche aus St. Blasien – während des Dreissigjährigen Kriegs (1618 bis 1648), des pfälzischen Eroberungskriegs (1688-1697) und der Spanischen Erbfolgekriege (1701 bis 1714). 1807 wurde das Kloster säkularisiert und aufgelöst. 1976 richtete die Kirche in dem Gebäude ein Seminar- und Bildungshaus ein, für die damalige Zeit ein visionäres Projekt.