Rekingen
Wirtepaar Bircher hört auf: Wie geht es weiter mit dem Gasthaus Mühle?

Nach fast 30 Jahren hört das Wirtepaar Bircher im Gasthaus Mühle auf – einen Nachfolger haben sie bewusst noch nicht gesucht. «Wir wollen das in aller Ruhe angehen und verschiedene Möglichkeiten prüfen, wie es mit der ‹Mühle› weitergehen soll», ist sich das Ehepaar einig.

Rosmarie Mehlin (Text und Foto)
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Hansruedi und Helen Bircher lassen das Rentnerdasein auf sich zukommen.

Hansruedi und Helen Bircher lassen das Rentnerdasein auf sich zukommen.

Er ist in Küttigen aufgewachsen, sie in Kriens, kennen gelernt haben sie sich in Arosa und seit Januar 1988 leben sie in Rekingen: Helen und Hansruedi Bircher, «Beizer» – im allerbesten Sinn des Wortes – aus Leidenschaft. Doch Ende Monat ist Schluss. «Als ich vor zwei Jahren 65 wurde, habe ich wohl oder übel begonnen, mir Gedanken zu machen», gesteht der diplomierte Küchenchef Bircher und seine fünf Jahre jüngere Frau nickt versonnen.

Sie hatte nach dem Handelsschulabschluss die Hotelfachschule besucht; er eine Kochlehre im – damals noch alten – «Aarauer Hof» absolviert. Kennen gelernt haben sie sich in den frühen 70er-Jahren im Hotel Prätschli in Arosa, wo er die Wintersaison hindurch als Küchenchef und sie im Büro arbeitete. «Die Sommersaison über waren wir dann im Grandhotel Giessbach in Brienz.» 1979 wurden sie Pächter vom Wohlfahrtshaus der Papierfabrik Perlen im luzernischen Root. «Der Stiftungsrat hatte zur Bedingung gemacht, dass wir verheiratet sind und so sind wir am 10. Oktober 78 aufs Standesamt», schmunzelt Hansruedi Bircher. Mit grossem Restaurant und ebensolchen Sälen, in denen regelmässig Car-Passagiere verpflegt wurden, sowie Gästezimmern war das Wohlfahrtshaus ein riesiger Betrieb.

1980 wurde Tochter Barbara geboren, im Februar 1983 folgte Tochter Anita und an Heiligabend desselben Jahres Sohn Martin. Fünf Jahre später zog die Familie nach Rekingen. «Nachdem wir entschieden hatten, uns selbstständig zu machen, hatten wir ein entsprechendes Inserat aufgegeben. Wir suchten etwas Kleineres irgendwo in der Schweiz.» Sie seien, so Helen Bircher, mit Angeboten förmlich überschwemmt worden. «Ein halbes Jahr lang haben wir uns in aller Ruhe umgeschaut, wobei Rekingen klar zweite Wahl war. Doch als wir dann eines Tages vor der ‹Mühle› standen, war schon draussen auf Anhieb klar: Genau das ist es!»

1611 erbaut, hatte das Gebäude über Jahrhunderte hinweg die mittlere von drei Rekinger Mühlen, die von einem vom Chrützlibach abgeleiteten Kanal betrieben wurden, beherbergt. Seit wann die Mühle auch als Gasthaus betrieben wurde, wissen Birchers nicht. «Der Mühlekeller mit dem original Holzzahnradgetriebe von damals, jedenfalls wird heute noch gerne für spezielle Anlässe genutzt.» Hansruedi und Helen Bircher kauften das Haus und übernahmen im Januar 1988 die «Mühle» von Leonz Frey, der 20 Jahre darauf gewirtet hatte. Die Gästezimmer im ersten Stock wurden zu einem Büro und einer Wohnung umgebaut, in welche die fünfköpfige Familie einzog.

Nachfolge in Ruhe regeln

Und nun – wie geht es weiter mit dem weitherum beliebten Gasthaus, mit den Walliser Spezialitätenwochen, den traditionellen Spargelwochen, dem Weihnachtszauber mit seiner wunderbaren, festlichen Dekoration? «Einen Nachfolger gibt es noch nicht, denn wir haben ganz bewusst noch keinen gesucht. Wir wollen das nun in aller Ruhe angehen und verschiedene Möglichkeiten prüfen, wie es mit der ‹Mühle› weitergehen soll», ist sich das Ehepaar einig.

Am 29. und 30. April steht vorerst die Austrinkete an – danach werden Helen und Hansruedi Bircher so viel Ruhe und Musse haben, wie seit 30 Jahren nicht mehr. «Wir waren beispielsweise nie im Kino, auch für Hobbys fehlte die Zeit, mussten am Ruhetag doch jeweils Büroarbeiten und Bestellungen erledigt werden.» Die beiden lassen nun auf sich zukommen, wie sich das Rentnerdasein anfühlt. Klar ist aber jetzt schon, dass die vierjährige Finja und der 18 Monate alte Marlo von Omas und Opas neuer Freiheit profitieren werden.

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