Wasserkraftwerk
Wirbel um Wasserwirbel-Kraftwerke im Surbtal

Sind Surbwuhre geeignete Standorte für Kleinkraftwerke? – Der Kanton geht auf Tauchstation, Promoter Kurt Meier lässt nicht locker.

Peter Keller
Drucken
Teilen
Staustufe

Staustufe

Im Zusammenhang mit der Hochwasserschutzplanung im Surbtal hat der Kanton auch die fischereibiologische Längsvernetzung des Baches projektiert. Vorgesehen ist, zwischen Endingen und Tegerfelden rund ein halbes Dutzend Staustufen und Schwellen der alten Wässer-Wuhre mit Umgehungsgewässern oder Blockrampen fischgängig zu sanieren.

Kurt Meier, Präsident der Elektragenossenschaft Unterendingen, hat die Vision von Wasserwirbelkraftwerken zur Diskussion gestellt. Er ist der Meinung, dass Kleinkraftwerke die Staustufen fischdurchgängig erschlössen und gleichzeitig Strom nachhaltig produzierten. Meier rechnet für die drei infrage kommenden Wuhre in Unterendingen mit einem Jahresertrag von rund 140000 Kilowattstunden, die etwa 30 Haushalte versorgen würden. Zwei weitere Wuhre in Tegerfelden verfügen gesamthaft über das gleiche Potenzial.

Auf politischer Ebene hat der Tegerfelder Grossrat Walter Deppeler in einer Interpellation zum Hochwasserschutz den Regierungsrat auch zur Haltung bezüglich Wasserwirbelkraftwerke angefragt. Die Antwort fällt ernüchternd aus. Hingewiesen wird auf die geringe mittlere Wasserführung der Surb von 389 Litern pro Sekunde (l/s).

Rechne man davon noch die gesetzliche Mindestrestwassermenge von 130 l/s ab, verbleibe praktisch nichts mehr für die Verstromung. Die Surb sei in der laufenden Gesamtrevision des Richtplanes nicht als Bach mit der Möglichkeit zur Wasserkraftnutzung aufgeführt.

Eigene Wasserstatistik

Die vom Kanton angegebene Wasserführung der Surb hat bei Kurt Meier Stirnrunzeln hervorgerufen. Er führt seit längerem eine eigene Statistik und hat auch die Werte der letzten zehn Jahre zusammengetragen, soweit sie zugänglich sind. Meier hat so für das erste Halbjahr 2010 eine durchschnittliche Surbwasserführung von 850 l/s pro Sekunde errechnet (Messstation Döttingen).

Selbst im Hitzejahr 2003 führte die Surb im Jahresschnitt 586 l/s – immer noch bedeutend mehr als die 389 l, die der Kanton seiner Argumentation zugrunde legt. Der Jahreswert für 2004 beträgt 648 l, 2005 waren es 593 l und 2006 flossen im Schnitt 1030 l/s bachab (die Werte 2007 bis 2009 sind im Moment auf der kantonalen Homepage nicht aufgeführt).

«Nur gemeinsam finanzierbar»

Kritisch steht Meier auch dem Argument gegenüber, das 130l Mindestrestwassermenge von der Durchflussmenge abgezogen werden müssten: «Das Prinzip eines Wasserwirbelkraftwerkes ist so, dass keine Restwasserstrecken nötig sind. Es nutzt direkt das Gefälle der Staustufe – so kann das gesamte Bachwasser genutzt werden.» Enttäuscht ist Meier zudem, dass der Kanton einzig auf die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) verweist. «Die Verknüpfung der Surblängsvernetzung mit dem Bau von Kleinwasserkraftwerken ist ein Spezialfall, bei dem sich eine kantonale Kostenbeteiligung ausserhalb der KEV rechtfertigen lässt», sagt Meier.

Der Kanton rechne mit Grobkosten von 300000 Franken pro Wuhrsanierung. Ein Wasserwirbelkraftwerk kostet rund 250000 Franken–derKantonkönnte mit einem Baubeitrag von 50% immer noch beträchtlich sparen.

Gutachten abwarten

Kurt Meier wünscht sich, dass die Idee der Wasserwirbelkraftwerke an der Surb nicht jetzt schon definitiv beerdigt wird, weil sie in Aarau auf wenig Verständnis stösst. Er möchte zumindest die laufende Untersuchung am Pilotprojekt in Schöftland abwarten, die bis im Herbst die wichtige Frage beantworten soll, ob ein Wasserwirbelkraftwerk tatsächlich nach Schweizer Normen fischdurchgängig ist. «Wenn diese Untersuchung ein positives Resultat erbringt, gibt es keinen Grund, die Kleinwasserkraftwerke nicht als Option weiterzuverfolgen.»

Aktuelle Nachrichten