IG Wirtschaftsstandorte
«Wir vertreten nicht nur Bad Zurzach, sondern die ganze Region»

Bad Zurzach ist Teil der «IG Wirtschaftsstandorte», die bei der Debatte um den neuen Finanzausgleich den Standpunkt einiger Zentrumsgemeinden einbringt. Bad Zurzach habe viele ähnliche Probleme wie grössere solcher Gemeinden, so Ammann Reto S. Fuchs.

Nadja Rohner
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Reto S. Fuchs: «Unsere Teilnahme ist ein Brückenschlag zu den Hauptwirtschafts-Standorten im Limmattal und auf der Achse Baden-Aarau-Zofingen.»

Reto S. Fuchs: «Unsere Teilnahme ist ein Brückenschlag zu den Hauptwirtschafts-Standorten im Limmattal und auf der Achse Baden-Aarau-Zofingen.»

Samuel Buchmann/zvg

Einige Aargauer Zentrumsgemeinden haben sich zur «IG Wirtschaftsstandorte» zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Interessen zu vertreten – zuletzt bei der Neuregelung des Finanzausgleichs. IG-Mitglieder sind die Gemeinden Aarau, Baden, Bad Zurzach, Bremgarten, Brugg, Lenzburg, Rheinfelden, Wettingen, Wohlen und Zofingen. Sie stehen für rund 130'000 Aargauer. Die az hat beim Bad Zurzacher Ammann nachgefragt, was die IG dem Flecken und der Region bringt.

Herr Fuchs, Bad Zurzach ist kürzlich der IG Wirtschaftsstandorte beigetreten – als mit Abstand kleinste Gemeinde. Weshalb?

Reto S. Fuchs: Es ist wichtig, dass eine Gemeinde aus dem Zurzibiet in dieser IG vertreten ist. Auch kleine Zentrumsgemeinden sollen mitreden, nicht den Kopf in den Sand stecken. Unsere Teilnahme ist ein Brückenschlag zu den Hauptwirtschafts-Standorten im Limmattal und auf der Achse Baden-Aarau-Zofingen. Mit rund 2800 Arbeitsplätzen sind wir – zumindest in Relation zur Bevölkerung gesehen – ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftsstandort.

Auch im Unteren Aaretal gibt es viele Arbeitsplätze. Ist es abgesprochen, dass Bad Zurzach als einzige Zurzibieter Gemeinde in der IG vertreten ist?

Nein. Dies ist eine freiwillige Mitgliedschaft und es besteht auch kein Anspruch darauf, dass wir die einzige Mitgliedsgemeinde aus dem Zurzibiet bleiben. Allerdings sind wir gemäss Richtplan Wohnschwerpunkt und Entwicklungsschwerpunkt sowie – wie die meisten IG-Gemeinden – Bezirkshauptort. Auf jeden Fall vertreten wir nicht nur Bad Zurzach, sondern die ganze Region.

Bad Zurzach hat knapp 4200 Einwohner. Wird man da in einer IG mit grossen Playern wie Baden, Brugg oder Aarau überhaupt ernst genommen?

Ja, durchaus. In meinen bisher vier Sitzungen konnte ich mich gut einbringen und hatte überhaupt nicht das Gefühl, Bad Zurzach zähle weniger. Der Austausch war sehr offen. Es hat sich gezeigt, dass wir in Bad Zurzach in vielen Punkten ganz ähnliche Probleme haben wie die ganz grossen Aargauer Gemeinden, zum Beispiel in Sachen öV oder bei den Sozialkosten.

Die IG möchte, dass bei der Neuregelung des Finanzausgleichs Zentrumsfunktionen ebenfalls berücksichtigt und entschädigt werden. Wirkt Bad Zurzach für die Region denn ähnlich als Zentrum wie beispielsweise Baden?

Mit Baden sind wir schon aus geografischen Gründen nicht vergleichbar, denn wir liegen am Rand des Bezirks. Das Zurzibiet hat zudem die Eigenart, dass die alten Talschaften – das Surbtal, das Rheintal, das Aaretal – kein klares geografisches Zentrum haben. Bad Zurzach hat aber sehr wohl gewisse Zentrumsfunktionen: Wir sind Standort für zahlreiche Dienstleistungen im Bezirk.

Der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger vertrat die IG kürzlich im Interview mit der az. Von ihm stammt folgender Satz: «Wir sagen ganz klar: Wenn eine Gemeinde nicht mehr allein funktionieren kann und Anschluss sucht, muss eine stärkere sie aufnehmen.» Wie sehen Sie das?

Falls eine Gemeinde Anschluss an eine Nachbargemeinde sucht, müssen die Folgen genau geprüft werden. Eine Aufnahme macht vor allem dann Sinn, wenn daraus eine Stärkung entsteht. Dabei ist abzusichern, dass eine solches Unterfangen auch nachhaltig Wirksamkeit zeigt und eine positive Ausstrahlung auf die Region hat.

Die IG trifft sich nicht regelmässig, sondern jeweils dann, wenn es grosse Brocken zu besprechen gibt. Zuletzt war es der Finanzausgleich. Was kommt als Nächstes, und welche Botschaft bringen Sie für Bad Zurzach ein?

Die Themen die es zu besprechen gilt, werden jeweils unter den Mitgliedern definiert, wobei Hans-Ruedi Hottiger als Präsident dieser IG Vorschläge unterbreitet. Aktuell stehen einige Anhörungen an, zum Beispiel zur Revision des Baugesetzes oder die Teilrevision des Schulgesetzes. Wir werden grundsätzlich die Sichtweise der kleineren Zentrumsgemeinden einbringen, um etwas zum gegenseitigen Verständnis beitragen zu können.

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