Döttingen
Winzerwagen-Urteil: «Mit Kanonen auf Spatzen geschossen»

Der Lenker eines Käfers, der alljährlich in einen Winzerumzugwagen verwandelt wird, wurde erst gebüsst, dann aber vom Gericht freigesprochen. Jetzt äussern sich der OK-Präsident des Winzerfests, die betroffene Gruppe und der Repol-Chef zum Vorfall.

Angelo Zambelli
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Die Gruppe «Winken und Trinken» mit ihrem Wagen am letztjährigen Winzerumzug – dieses Jahr wird sie fehlen.

Die Gruppe «Winken und Trinken» mit ihrem Wagen am letztjährigen Winzerumzug – dieses Jahr wird sie fehlen.

André Albrecht

Am Montag ist der Fahrer eines VW Käfers von Einzelrichter Cyrill Kramer freigesprochen worden (az vom 24. September). Der Vorwurf lautete auf «Inverkehrbringen eines Fahrzeugs in nicht vorschriftsgemässem Zustand, Fahren ohne Fahrzeugausweis und ohne Kontrollschilder sowie Fahren ohne Haftpflichtversicherung».

Was war geschehen? Kurz vor Erreichen des Ziels in Leibstadt, wo der Käfer von der Gruppe «Winken und Trinken» seit Jahren in einen schmucken Winzerfest-Umzugswagen verwandelt wird, tauchten zwei Polizisten auf und beanstandeten, dass das Fahrzeug ohne Kontrollschilder, ohne Blinker, ohne Scheiben sowie ohne Front- und Rückfahrlichter unterwegs war.

Die Folge: Dem Fahrer des Käfers flatterte ein Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe von 3300 Franken sowie eine Busse von 1000 Franken ins Haus. Da er sich keiner Schuld bewusst war, erhob der Käfer-Fahrer Einsprache beim Bezirksgericht Zurzach.

Einzelrichter Cyrill Kramer sprach den Käfer-Fahrer zwar von Schuld und Strafe frei, erteilte den Winzerwagenbauern aber auch keinen Freipass für weitere Überführungsfahrten mit Autos in nicht fahrtauglichem Zustand, «denn es ist offen, wie die Polizei sich künftig verhält».

Es war kein Zurzibieter Beamter

Herbert Schneider, OK-Präsident des Winzerfests Döttingen, ist verärgert über den Zwischenfall: «Da wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen.» Mit derart überzogenen Aktionen werde auch den anderen Umzugsteilnehmern der Mut genommen, mitzumachen.

Der OK-Präsident will nach dem Winzerfest mit den Verantwortlichen in Aarau zusammensitzen und nach Lösungen für die Zukunft suchen. So gesehen habe der unsägliche Vorfall doch noch etwas Gutes, sagt Schneider: «Es wird endlich geklärt, wie die Wagenbauer in Zukunft vorgehen müssen.»

Impressionen vom Winzerfestumzug 2013:

Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
26 Bilder
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
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Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
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Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
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Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
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Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen
Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen

Impressionen vom Umzug am Winzerfest in Döttingen

René Lippuner, Chef der Regionalpolizei Zurzibiet, weist darauf hin, dass es sich bei dem betreffenden Polizisten nicht um einen Beamten der Regionalpolizei Zurzibiet handelte, sondern um den Beamten einer benachbarten Regionalpolizei. Die beiden Regionalpolizeien fahren regelmässig gemeinsam Streife.

Lippuner rät allen Winzerwagenbauern, vor der Überführung nicht zugelassener Fahrzeuge beim Strassenverkehrsamt in Schafisheim eine Sonderbewilligung einzuholen und sich über mögliche Massnahmen am Fahrzeug informieren zu lassen.

Niemand wollte fahren

Die Umzugsgruppe «Winken und Trinken» kommentierte den Freispruch ihres Mitglieds noch am Tag der Urteilsverkündung auf ihrer Website: «Wir sind alle erleichtert; ein schaler Nachgeschmack bleibt dennoch.» Das letzte Jahr sei für den Fahrer des Käfers und für seine Familie eine belastende Zeit gewesen. «Es gab Einvernahmen, viel Papier, den drohenden Eintrag ins Strafregister und viel Ungewissheit.»

Auf der Website wird darauf hingewiesen, dass die Gruppenmitglieder stets der Meinung waren, die notwendigen Massnahmen getroffen zu haben, um eine Gefährdung eines anderen Verkehrsteilnehmers auszuschliessen: «Das Fahrzeug bewegten wir ausschliesslich bei Tageslicht, mit minimaler Geschwindigkeit und im Konvoi mit absichernden Begleitfahrzeugen vorne und hinten.»

Leo Kalt von der Gruppe «Winken und Trinken», die sich aus ehemaligen Mitgliedern der Guggenmusik «Seifesüder» zusammensetzt und nur für den Bau des Winzerfestwagens tätig ist, begrüsst den Freispruch und bedauert, dass es so weit kommen musste.

Als Grund für die Nichtteilnahme am diesjährigen Winzerumzug nennt er nicht Frust oder Ärger über das Vorgehen des übereifrigen Polizisten, sondern die Tatsache, dass nach den Ereignissen des Vorjahres niemand mehr bereit war, das Fahrzeug vom Standplatz in Döttingen an den Ort in Leibstadt zu fahren, an dem der VW Käfer jeweils mit viel Liebe und Fantasie in einen Winzerfestwagen umgebaut wird. Im nächsten Jahr aber sei die Gruppe wieder dabei, versichert Kalt.

So berichtete Tele M1 vom letztjährigen Winzerumzug: