Zurzibiet
Winzer öffnen ihre Kellertore – viel Aufwand für einen guten Wein

Am 1. Mai öffnen Winzer in der ganzen Deutschschweiz ihre Kellertore. Der Jungwein 2014 wird präsentiert. Die Kirschessigfliegenplage war zwar mühsam, hat dem Jungwein 2014 aber nicht geschadet.

Nadja Rohner
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Die Kirschessigfliege hat die Wümmet auch für Zurzibieter Winzer mühsam gemacht. Christian Linder

Die Kirschessigfliege hat die Wümmet auch für Zurzibieter Winzer mühsam gemacht. Christian Linder

Christian Linder

Auf diesen Tag warten die Weinliebhaber schon seit Wochen: Am 1. Mai – und oft auch noch am Tag darauf – öffnen Winzer in der ganzen Deutschschweiz ihre Kellertore. Dann wird der Jungwein 2014 präsentiert – ein Rebensaft, der unter erschwerten Bedingungen entstanden ist.

Eine Mitschuld daran hat ein kleiner Schädling: die Kirschessigfliege (KEF). Sie hat auch den Winzern im Zurzibiet das Leben schwer gemacht. Deren Fazit zur Wümmet 2014: mehr Aufwand, weniger Ertrag. «Niemand hat mit einer solch invasionsartigen Ausbreitung der KEF gerechnet, schon gar nicht in den Weinbergen», sagt Sandra Baumgartner von Baumgartner Weinbau in Tegerfelden. «Als es dann trotzdem innert kurzer Zeit passierte, herrschte eine grosse Unsicherheit und Existenzangst unter den Winzern. Die Forschung sowie die Spritzmittelproduzenten waren ebenfalls unvorbereitet – und das Bundesamt für Landwirtschaft reagierte träge und unseres Erachtens zu spät.» Die Bewilligung für zusätzliche, biologische Spritzungen sei erst erteilt worden, «als der GAU schon eingetreten war». Im Nachhinein sei jedoch fraglich, ob eine frühere Bewilligung etwas geändert hätte, räumt Baumgartner ein.

Der Schädlingsbefall hatte Folgen: «Wir hatten doppelt so viele Wümmetstunden wie beispielsweise 2012 und etwa einen Drittel mehr als 2013 – da gab es etwas mehr Fäulnis», sagt Sandra Baumgartner. Insgesamt lägen die Ausfälle bei etwa 20 Prozent, wobei nur etwa die Hälfte oder noch weniger auf die KEF zurückzuführen sei. Denn: «Ein anderes Phänomen war die sogenannte Stiellähme, vor allem bei den Pinot-noir-Trauben.» Wissenschaftlich könne deren Auftreten nicht abschliessend geklärt werden, aber die feuchte Sommerwitterung habe wohl dazu beigetragen. «Stiellähme bedeutet, dass der untere Teil der Traube vor der physiologischen Reife abstirbt. Der Stiel wird braun, die Trauben schrumpfen wie Weinbeeren, sind aber grösstenteils unreif und sauer.» Bei der Ernte müsse deshalb jede Traube sorgfältig am Stock verlesen werden. «Es galt, die durch die KEF verursachten ‹Essigbeeren› sowie die lahmen Stiele zu entfernen», so Baumgartner.

Ähnlich klingt es ein Dorf weiter: «Um eine einwandfreie Traubenqualität zu ernten, war der Leseaufwand etwa 50 Prozent höher», sagt Benno Wäger von der Weinbaugenossenschaft Döttingen. Bei frühreifen roten Traubensorten wie Regent, Cabernet Dorsa und Dunkelfelder betrage die Ernteeinbusse 50 Prozent, bei den restlichen roten Sorten (Pinot noir) etwa 10 Prozent. Keine Einbussen verzeichnet Wäger bei den weissen Traubensorten (Riesling-Sylvaner, Chardonnay, Pinot gris).

Wie man dem Kirschessigfliegen-Problem im 2015 begegnet, wissen die Zurzibieter Winzer nicht konkret. Sandra Baumgartner: «Sehr wahrscheinlich müssen wir mit dem Problem weiterleben – man hat schlicht kein Spritzmittel gefunden, das einen Effekt hätte. Wir denken, das Insekt wird uns noch weiter beschäftigen.»

Ein Trost bleibt den Winzern: Die Wümmet 2014 war zwar ein Krampf, das Resultat kann sich aber sehen – und vor allem trinken – lassen: «Trotz Mehraufwand konnte ein guter Durchschnittsjahrgang geerntet werden mit harmonischen und fruchtigen Jungweinen», hält Benno Wäger fest.

Und Sandra Baumgartner sagt: «Die Qualitäten, die schlussendlich im Weinkeller reifen, sind hervorragend – dank eines wunderbaren Frühlings, der uns einen beachtlichen Vegetationsvorsprung bescherte und eines wunderbaren Herbstes.» Abgesehen von teureren Wümmetkosten, hätten sich die schwierigen Umstände nicht auf den Jahrgang ausgewirkt. Die Kosten gibt Baumgartner Weinbau zudem nicht an den Kunden weiter – «In der Hoffnung, sie waren einmalig», sagt Sandra Baumgartner.

Tag der offenen Weinkeller im Zurzibiet: Döttingen : Weinbaugenossenschaft (1./2. Mai). Tegerfelden: Weingut Alter Berg (1. Mai), Baumgartner Weinbau (1./2. Mai), Weingut Mühlebach (1./2./3. Mai), Würenlingen: Weingut Zum Sternen (1. Mai). Details auf www.offeneweinkeller.ch

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