Klingnau
Wieder Polizeieinsatz in den Reben – Bürger findet einen weiteren Sprengkörper

In Klingnau kam es am Freitagmorgen zu einem Polizeieinsatz im Rebberg. Er hat mit dem Knallkörper-Fall zu tun, bei dem die Polizei Anfang Juni einen 42-jährigen Schweizer als mutmasslichen Täter ermitteln konnte.

Philipp Zimmermann
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Heute Freitag steht die Polizei wieder am Schwändiweg in Klingnau im Einsatz - wieder hat ein Bürger einen Sprengkörper im Rebberg gefunden. (Archivfoto vom 22 März)

Heute Freitag steht die Polizei wieder am Schwändiweg in Klingnau im Einsatz - wieder hat ein Bürger einen Sprengkörper im Rebberg gefunden. (Archivfoto vom 22 März)

Philipp Zimmermann

Im Klingnauer Rebberg lief am Freitagmorgen ein Polizeieinsatz. Mehrere Leser meldeten, dass dort einige Polizisten im Einsatz standen und dass der Schwändiweg teilweise gesperrt war.

Die Aargauer Kantonspolizei bestätigte den Einsatz auf Anfrage. "Ein Bürger hat einen weiteren Sprengkörper gefunden", sagt Sprecherin Aline Rey. "Er wurde sichergestellt." Der Fund stehe im Zusammenhang mit dem Sprengkörper-Fall. Im Einsatz standen auch wieder Spezialisten des Forensischen Instituts in Zürich. Sie fuhren mit Blaulicht ab und brachten den Fund in ihr Labor.

Laute Knalle in der Nacht während mehrerer Wochen hatten die Bevölkerung im Februar und März aufgeschreckt. Anfang Juni kam es zu drei Funden von Knallkörpern, die damit im Zusammenhang standen. Den ersten brachte ein Bürger auf den Polizeiposten. Dieser wurde weiträumig abgesperrt, was für einiges Aufsehen sorgte.

5. Juni: Die Polizei nimmt eine Hausdurchsuchung in der Klingnauer Wohnung eines Verdächtigen vor. Zuvor hatte die Polizei den Mann vorläufig festgenommen.
17 Bilder
Das ist der erste Sprengkörper, der in Klingnau gefunden wurde, am 26. Mai 2020.
Eine Privatperson brachte den Knallkörper zum Polizeiposten im historischen Städtchen. (Archivbild)
Der Polizeiposten wurde weiträumig abgesperrt, so auch hier an der Grabenstrasse, wo sich der Hintereingang befindet.
Die Zürcher Forensiker transportieren die Dynamitstange ins Labor. Das Bild wurde von einem Leser im Badener Schlossbergtunnel aufgenommen.
Dieser Knallkörper wurde am folgenden Tag, dem 27. Mai 2020, in Klingnau im Achenbergbach gefunden.
Eine Privatperson hatte den Fund des zweiten Sprengkörpers nahe der Kreuzung Flüestrasse/Schwändiweg gemeldet.
Die Polizei sperrte das Gebiet ab. Am nächsten Tag rückte die Polizei nochmals aus, suchte das Gebiet ab und fand einen dritten Sprengkörper.
Schon am 22. März hatte die Polizei Rückstände eines Knallkörpers in den Reben gefunden.
Die Spurensicherung rückte an jenem Sonntag an.
Im Februar und März haben in sieben Nächten neun Knallkörper nachts die Bevölkerung aufgeschreckt.
Blick vom Rebberg aufs Klingnauer Städtchen.
Das ist der vierte Sprengkörper, der in Klingnau innert einer Woche gefunden wurde. Später stellte sich allerdings heraus: Er hat nichts mit den anderen Funden zu tun.
Beim vierten Fund handelte es sich nur um Überreste einer handelsüblichen Feuerwerksrakete.
Die Sprengstoffexperten des Forensischen Instituts aus Zürich wurden jeweils wegen der Funde in Klingnau aufgeboten.
Der Sprengroboter der Forensiker röntgt jeweils die Sprengkörper.
Nach dem Röntgen macht sich ein Forensiker in Schutzmontur auf, den Blindgänger zu bergen.

5. Juni: Die Polizei nimmt eine Hausdurchsuchung in der Klingnauer Wohnung eines Verdächtigen vor. Zuvor hatte die Polizei den Mann vorläufig festgenommen.

Leserreporterin

Die Polizei ermittelte einen 42-jährigen Schweizer und verhaftete diesen. Dieser ist geständig. Er wurde nach der Einvernahme wieder auf freien Fuss gesetzt. Er sagte der AZ, dass er nur zwei der Knallkörper gezündet habe - und nicht in den Reben, sondern im Wald. Die anderen habe er zwar selbst hergestellt, aber verloren. Die Inhaltsstoffe habe für den Bau der Knallkörper habe er im Internet bestellt.

Die Polizei sagte nach der Festnahme, dass keine Hinweise auf weitere Knallkörper im Rebberg vorliegen. "Wir sollten alles gefunden haben", sagt Sprecher Bernhard Graser vor vier Wochen. Insofern überrascht der neuste Fund vom Freitag.

Die Bundesanwaltschaft führt das Strafverfahren wegen Gefährdung ohne verbrecherische Absicht ( Fahrlässige Gefährdung). Der Strafrahmen dafür reicht von einer Busse bei leichten Fällen bis zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren bei schweren Fällen.

Liegen die Laborergebnisse zu den Funden vor rund einem Monat mittlerweile vor? Die Bundesanwaltschaft äussert sich auf Anfrage weder dazu noch zu weiteren Fragen.

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