Wislikofen
Wie streng darf ein Samichlaus mit den Kindern sein?

An der 3. Schweizer Samichlaus-Synode in Wislikofen lernten 80 Samichläuse aus der ganzen Deutschschweiz in der Weiterbildung, den richtigen Mix zwischen Güte und Strenge zu finden.

Rosmarie Mehlin
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Samichlaus Synode in Wislikofen
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Bei der Chlaus-Weiterbildung ging es auch darum, den traditionellen Brauch des Samichlauses gegen das kommerzialisierte Bild des amerikanischen Weihnachtsmannes zu verteidigen.
Hinter dem langen, weissen Bart verstecken sich oft auch junge Männer.
Samichlaus Synode in Wislikofen
Samichlaus Synode in Wislikofen
Samichlaus Synode in Wislikofen
Samichlaus Synode in Wislikofen
Samichlaus Synode in Wislikofen
Samichlaus Synode in Wislikofen

Samichlaus Synode in Wislikofen

Keystone

Samichlaus du guete Maa,
ändlich bisch du weder da!

Hätten nicht unter dem einen und anderen Gewand Turnschuhe und ein Stück Jeans hervor gelugt – man hätte sich glatt weit weg vom Hier und Heute in die Märchenzeit der Kindheit versetzt gefühlt. Die Gesichter der Männer waren versteckt hinter weissen Rauschebärten. Über langen, hellen Gewänder trugen sie imposante Umhänge – die meisten rot, eines purpur, ein weiteres violett. Auf ihrem schulterlangen, weissen Haar thronte in derselben Farbe eine Mitra. Mit langen, goldglänzenden Stäben in einer Hand, schritten sie den Weg hinunter zur Kirche, begleitet vom monotonen Klang von 28 Treicheln – dong, dong, dong.

Die Propstei Wislikofen hatte am Samstag zur 3. Samichlaus-Synode geladen. «Mit dem Anlass möchten wir den freiwilligen Samichläusen unsere Anerkennung zeigen und Danke sagen für ihren grossen Einsatz», so Propsteileiterin Claudia Mennen. 80 «Nachfahren» von Nikolaus, dem Bischof von Myra, waren dem Angebot zum Gedankenaustausch und zur Weiterbildung gefolgt. Aus dem Aargau, aus Solothurn, der Inner- und der Ostschweiz, dem Züri-, Basel- und Bernbiet waren sie angereist. Einige hatten ihre Diener oder den Schmutzli mitgebracht.

Mit der grössten Entourage war Samichlaus Röbi Scherer aus dem luzernischen Udligenswil angereist: Er war begleitet von den 28 Glockenschwingern und -schwingerinnen in weissen Sennenchutteli, von zwei Dienerinnen mit Körben voll Nüssen und Mandarinli sowie von zwei speziellen Schmutzli. Deren Gesichter waren kohlrabenschwarz, rund um die Augen und den Mund knallrot und um den Oberkörper trugen sie Schellenbänder. Die werden jeweils mahnend geschüttelt, wenn ein Kind während des Samichlaus-Besuchs nicht aufmerksam ist.

Chunsch cho luege, was ich mache,
wie-n-ich spiele, singe, lache.

In der Kirche wurde das Dong, Dong der Treicheln von Orgelklängen abgelöst, bevor Dekan Stefan Essig die Besucher begrüsste: «Wir wollen hier ihr Engagement feiern und ehren. Das Samichlaus-Brauchtum verbindet die Menschen der unterschiedlichsten Herkunft.» Der Bischof von Myra sei eine faszinierende Persönlichkeit gewesen: «Ein Mensch voller Grosszügigkeit und Güte. Sie treten in seine Fussstapfen.»

Mit Geigenklängen, Pantomime und wenig Worten setzten vier Frauen vom Playbacktheater «Bumerang» aus Mettmenstetten sodann einiges davon um, was einen Samichlaus bewegt: «Ich bin Teil einer wunderbaren Tradition», sagte der Eine. «Wie reagiere ich auf das, was auf mich zukommt?», ein Anderer und Freude über leuchtende Kinderaugen und darüber, wie alte Menschen bei seinem Besuch wieder zu Kindern werden, ein Dritter.

Tuesch mi lehre Fröid z’verschänke,
und au chli a die andere z’ dänke

Nach der Kirche wurden Gewänder und Mitra abgelegt und aus Samichläusen wieder Jürg, Christoph, Sepp, Beni in Pulli, Jeans und Turnschuhen. Unter weisser Lockenpracht und Rauschebart kamen auch viele junge Gesichter zum Vorschein. Etwa das des 20-jährigen Sanitärinstallateurs Adrian aus Ägeri. Sein Vater sei schon Samichlaus gewesen, weiss er zu berichteten: «Vier Jahre lang habe ich den Schmutzli gemacht und jetzt bin ich zum ersten Mal Samichlaus.» Sie seien jeweils vom 4. bis 7. Dezember unterwegs, machen zwischen etwa 17 und 20 Uhr vier bis sechs Besuche. Lampenfieber? «Nein», kommt es wie aus der Kanone geschossen, «ich bin nie nervös.»

Nach Kaffee und feinem Zopf, zogen sich Samichlaus und Schmutzli gruppenweise ins Blasier-, Abt- oder Sternenzimmer zurück. Dort tauschten sie unter kundiger Leitung Gedanken aus zu Themen, die ihnen unter den Nägeln, respektive der Mitra, brennen: «Dramen und unvorhergesehene Situationen in Familien! Wie reagiere ich als Chlaus»; «Wie begegnet der Chlaus den unterschiedlichen Familien-Konstellationen?»; «Wie machen wir unser Chlaus-Angebot bekannt?» Eines wurde dem Mäuschen, das heimlich zuhörte, dabei rasch klar: Die Samichläuse lieben ihr Handwerk und üben es mit Begeisterung aus.

nur so bin ich sälber froh-
und d’ Wiehnachtsfröid cha zue mer choh!

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