Klingnau
Wie geht es weiter mit der Oberstufe Unteres Aaretal?

Die Stimmbürger machen dem Gemeinderat Druck – er soll sich vehementer für den Oberstufenstandort einsetzen. An der Gemeindeversammlungen wurden zwei Anträge betreffend Oberstufe gestellt.

Nadja Rohner
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Beim Bez-Schulhaus Klingnau könnte ein Anbau zusätzlichen Schulraum schaffen.

Beim Bez-Schulhaus Klingnau könnte ein Anbau zusätzlichen Schulraum schaffen.

Philipp Zimmermann

Eigentlich ging es an der Klingnauer Gemeindeversammlung ja um das Traktandum Budget – entstanden ist eine Diskussion um die Oberstufe Unteres Aaretal OSUA. Bezirksschullehrer und Klingnauer Stefan Welti stellte zwei Anträge.

Erstens: Der Gemeinderat solle bis Beginn des Schuljahres 2015/2016 so viel Schulraum schaffen, dass die gesamte OSUA – 16 Klassen mit etwa 270 Schülern der Verbandsgemeinden Klingnau, Döttingen und Koblenz – in Klingnau geführt werden kann.

Dafür seien zweitens 600 000 Franken im Budget vorzusehen. Das reiche, um zu planen und zwei Schulräume in Containern bereitzustellen. Der Gemeinderat nahm den ersten Antrag als Auftrag entgegen, auf die Budgetforderung ging er nicht ein – es hätte einen Kreditantrag dazu gebraucht.

Stefan Welti erklärte auf Anfrage: «In Döttingen werden heute noch vier Real-Klassen und eine Sek-Klasse geführt. In Klingnau sind mit dem Wechsel auf das 6/3-Modell im Bez-Schulhaus zwei Schulzimmer frei geworden. Ein weiteres wird derzeit durch die Primarschule belegt. Es müsste machbar sein, mit zwei bis drei zusätzlichen Schulräumen vorübergehend genügend Platz zu schaffen, um alle fünf Döttinger Abteilungen nach Klingnau zu holen.» Vorübergehend deshalb, weil in Klingnau längst Pläne für einen Anbau an das Bezirksschulhaus vorliegen.

Wie sicher ist Investition?

Der Ressortvorsteher Schule, Gemeinderat Felix Lang, stellte sich an der Gmeind auf den Standpunkt, es herrsche keine Investitionssicherheit. Tatsächlich muss einer der vier Bez-Standorte im Zurzibiet aufgehoben werden, wenn die gesetzlich geforderte Anzahl Klassen nicht eingehalten werden kann. So gut wie gesichert ist der Standort Endingen. Bei weiterhin niedrigen Schülerzahlen steht in den Sternen, welcher der drei anderen Standorte Klingnau, Leuggern und Bad Zurzach aufgehoben wird.

Bis 2018 müssten sich die jeweiligen Verbandgemeinden auf zwei Standorte einigen, bis 2021 soll die Umsetzung erfolgen. Die Verhandlungen seien im Gange, sagte Gemeinderat Lang, ohne näher darauf einzugehen. Zudem analysiere der Regionalplanungsverband derzeit die Lage.

Welti hält dagegen: Selbst wenn die Bez aus Klingnau abgezogen würde, bräuchte es im Städtli mittelfristig mehr Schulraum. Man könne das Anbau-Projekt in zwei Tranchen realisieren, je nach Bedarf. «Von mir aus müsste man ja noch nicht mal sofort mit dem Bau beginnen. Es geht darum, ein klares Signal zu senden: Klingnau will Oberstufenstandort mit Bez bleiben und ist bereit, dafür etwas zu unternehmen und zu investieren.»

Denn Welti befürchtet: «Wenn sich die drei Standortverbände nicht über die Bez-Standorte einigen, wird irgendwann der Kanton zwei Standorte bestimmen – und Klingnau muss jetzt die Voraussetzungen schaffen, um sich als Favorit zu positionieren.» Gelinge es Klingnau nämlich nicht, Bez-Standort zu bleiben, sei es wahrscheinlich, dass Koblenz auch seine Sek- und Realschüler aus Klingnau abziehen und an denselben neuen Standort schicken würde, wie die Bezirksschüler.

«Und wer weiss, ob Döttingen seine Kinder nicht lieber nach Kleindöttingen oder Leuggern schickt und die OSUA-Verträge kündigt?» Es gehe nicht nur um den Bez-Standort, letztlich sei die ganze Oberstufe Unteres Aaretal in Gefahr. «Und der Gemeinderat macht keinen Schritt vorwärts», ärgert sich Lehrer Welti. «Sowieso scheint jede Verbandsgemeinde nur für sich zu schauen. Wenn man das Schulraumproblem gemeinsam angehen würde, müsste doch eine Lösung möglich sein.»

Für die Lehrer der OSUA sei die jetzige Situation in ihrer Ungewissheit kaum zu ertragen. insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zusammenführung der Oberstufenstandorte in Klingnau seit Jahren beschlossene Sache sei. Die Vorteile einer gemeinsamen Oberstufe unter einem Dach (besseres Wahlfachangebot, höhere Durchlässigkeit, grösseres Zusammengehörigkeitsgefühl der Schüler und leichtere Zusammenarbeit der Lehrpersonen) seien bekannt.

An der Gemeindeversammlung forderten mehrere Votanten den Gemeinderat zum Handeln auf. Applaus, Bravorufe und anerkennende Pfiffe erntete ein Stimmbürger für die folgenden Worte: «Wir erwarten vom Gemeinderat, dass er Klingnau positiv verkauft, sich zum Schulstandort bekennt und klar dafür einsetzt.»

Einen Bericht mit weiteren Informationen zur Gemeindeversammlung finden Sie hier.

Das sagt Döttingen zur Schulsituation

Die Döttinger Stimmbürger wiesen an der Gmeind am Mittwoch die Anschaffung eines Schulpavillons mit vier Zimmern für 1,2 Mio. Franken zurück – obwohl der Gemeinderat betont hatte, die Schulraumsituation in Döttingen sei prekär und die Schüler müssten teilweise auf den Gängen unterrichtet werden. «Mit der Rückweisung habe ich nicht gerechnet», sagt Ammann Peter Hirt.

An der Gemeinderatsitzung am Montag wird der Gemeinderat das weitere Vorgehen beschliessen. «Wir werden einen Termin festlegen, um mit der Schulpflege zusammenzusitzen und die Situation zu analysieren. Dabei wird eruiert, wie gross der ‹Schaden› für die Schule durch die Rückweisung ist. Dann müssen Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation erarbeitet werden.» Ob man an der Sommergmeind 2015 eine Lösung präsentieren kann oder ob gar eine ausserordentliche Gemeindeversammlung in Betracht gezogen werden soll, könne er heute noch nicht sagen, so Hirt.

Er betont weiter, Döttingen bekenne sich klar zur Oberstufe Unteres Aaretal. Man stehe auch hinter Klingnau als zentralen Oberstufenstandort. «Es braucht aber Verhandlungen unter den Verbandsgemeinden. Diese standen lange wegen externen Faktoren still: Harmos, das Bildungskleeblatt, die Fusionsabklärungen, zuletzt die Umstellung auf 6/3. Jetzt endlich haben wir etwas mehr Klarheit und eine Basis, auf der wir weiterarbeiten können.»

Der Klingnauer Gemeinderat hat den Auftrag gefasst, bis zum Schuljahr 2015/2016 in Klingnau genügend Schulraum zur Verfügung zu stellen, um alle OSUA-Abteilungen in die Gemeinde holen zu können. «Das halte ich für unmöglich», sagt Hirt. «Mit Schulcontainern allein ist das nicht getan – es bräuchte Vertragsanpassungen zwischen den Verbandsgemeinden, und das geht nicht so schnell.»

In den OSUA-Satzungen ist beispielsweise festgelegt: Sek und Real werden in Döttingen und in Klingnau geführt, die Zahl der Klassen und die Schulräume ausgewogen auf beide Gemeinden verteilt. (NRO)

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