Erfolgsgeschichte
Wie ein Aargauer in Asien zum erfolgreichen Hotel-Manager wurde

Vor 25 Jahren verliess Richard Suter das beschauliche Klingnau, um die Hotel-Welt zu erobern. Mit Erfolg.

Nicola Imfeld
Merken
Drucken
Teilen
Zurzibieter Kosmopolit: Richard Suter in seinem Büro in Jakarta. Unten: Seine bisherigen Stationen in Asien.

Zurzibieter Kosmopolit: Richard Suter in seinem Büro in Jakarta. Unten: Seine bisherigen Stationen in Asien.

zvg

13 Uhr in Jakarta, Indonesien: Der Zurzibieter Richard Suter sitzt in seinem 16-quadratmetergrossen Büro. Er ist General Manager eines grossen Geschäftshotels, welches mitten im Zentrum der 10-Millionen-Metropole steht. «Guten Morgen», grüsst er höflich über Skype und lächelt in die Kamera. In Baden ist es 8 Uhr. Der 50-jährige Auslandschweizer kommt gerade aus wichtigen Gesprächen und hat noch nichts gegessen. Knurrt denn der Magen noch nicht? «Nein, nein, das Mittagessen kann warten. Ich freue mich immer auf ein Gespräch in Mundart», sagt er.

Suters Wurzeln liegen im Aargau: Der zweifache Familienvater ist in Klingnau aufgewachsen und besuchte die Primar- und Bezirksschule. Anschliessend machte Suter eine Koch-Lehre im «Bären» in Mägenwil. Eigentlich hätte er später in die Fussstapfen seiner Eltern treten sollen, denen das Gasthaus «Engel» in Klingnau gehörte. Hätte – denn es kam anders: «Vor 30 Jahren ging ich ins Welschland, um mein französisch zu verbessern.»Suter arbeitete als Koch in Veytaux (VD) und fand schnell gefallen an der Arbeit fernab der Heimat. Nach knapp einem Jahr wechselte er in die Patisserie eines Hotels in Montreux.

Dieser Wechsel in die Hotellerie zahlte sich Ende 1988 aus: «Ich erhielt ein Angebot aus der Karibik, da musste ich nicht zweimal überlegen.» In Lateinamerika erwartete den Zurzibieter eine ganz andere Arbeitsmoral, als er es von der Schweiz her kannte. «Die Menschen nahmen alles viel lockerer. Am Anfang störte mich das. Doch mit der Zeit verstand ich es, mit den lokalen Leuten zusammen zu arbeiten – gänzlich zufrieden war ich aber nie.» Als im Herbst 1990 der zweite Golfkrieg ausbrach, fand das Abenteuer ein jähes Ende. Suter musste das Hotel verlassen. Anstatt nach Klingnau zurückzukehren, kaufte er sich ein «Around the World Ticket» (Flugticket um die Welt) und reiste als Backpacker durch Australien und Asien. Kurz vor seiner Rückkehr in die Heimat besuchte Suter einen Kumpel in Hong Kong. Sein Freund überredete ihn, «ein paar Wochen» zu bleiben und in der Stadt einen Job zu suchen.

Aus «ein paar Wochen» wurden Monate, aus Monaten Jahre und am Schluss beinahe ein Jahrzehnt. «Ich hatte in Hong Kong eine unglaubliche Zeit erlebt – meine Frau Stella kennen gelernt und 1999 geheiratet.» Heimweh kam bei Suter selten auf. «Ich kam gerne in die Schweiz zurück und besuchte meine Familie jedes Jahr, doch ich ging auch ebenso gerne wieder zurück nach Asien», sagt Suter. «Mein Vater hat damals wohl realisiert, dass ich den «Engel» nicht übernehmen werde.»

Eigenes Hotel in Thailand

Im Jahr 2000 – nach neun Jahren in Hong Kong – war die Zeit reif für eine Veränderung. Suter kündigte seinen Job und ging mit seiner Frau in die thailändische Hauptstadt Bangkok, wo er zwei Jahre als Küchenchef arbeitete, ehe er in Südthailand mit Geschäftspartnern ein Hotel eröffnete. Ein grosser Schritt für Suter. «Aber noch viel wichtiger war die Geburt meiner ersten Tochter Tahirah», sagt er stolz. 2004 folgte ein Abstecher nach Bali – welcher wegen des Tsunamis und Terroranschlägen früher endete als erwartet.

Nach seiner Bali-Zeit erinnerte sich Suter an seine Asien-Reise anfangs der 90er-Jahre zurück. Damals war Japan die kulinarische Hochburg des Kontinenten gewesen. Im Winter 2005 übernahm er ein Hotel in Kyoto. Wenig später erblickte seine zweite und jüngste Tochter Chiara die Welt, mit der die nun vierköpfige Familie 2007 für drei Jahre nach Sapporo ging, wo Suter zum General Manager – den höchst möglichen Posten eines Hotels – aufstieg.

Kinder sprechen Schweizerdeutsch

Von 2010 bis 2012 arbeitete Suter abermals in Kyoto, das er aufgrund der einzigartigen Natur und Menschen als das «Wallis Asiens» bezeichnet. Vor vier Jahren wechselte Suter ein neuntes Mal seit 1988 den Wohnort und flog über das Japanische Meer nach Incheon. Die beiden Töchter besuchten in Südkorea eine internationale Schule, wo sie koreanisch, chinesisch und spanisch lernten. «Tahirah und Chiara sprechen mehr Sprachen als ich», sagt Suter mit einem Schmunzeln. Zu Hause unterhält sich die Familie auf chinesisch, englisch und Schweizerdeutsch. «Mit Zurzibieter-Dialekt natürlich.» Die Liebe zur Schweiz gab Richard Suter seinen Töchtern weiter. Tahirah und Chiara sind gerne bei ihrem Grossvater in Klingnau zu Besuch und reisen schon alleine im Flugzeug.

In Incheon blieben die Suters bis im April dieses Jahres. «Ich erhielt über Weihnachten ein interessantes Angebot aus Jakarta. Im Februar habe ich mit der ganzen Familie die Stadt besichtigt», sagt er. Tahirah und Chiara habe er schnell überzeugen können, weil es in Südkorea zu dieser Zeit extrem kalt war und sie in Jakarta baden konnten. «Bei meiner Frau musste ich ein wenig länger bohren und mehr Überzeugungsarbeit leisten.»

Am Ende stimmte auch Stella Suter zu und so lebt die Multikulti-Familie seit April in Jakarta. Die beiden Sprösslinge haben sich in Indonesien gut eingelebt, vermissen aber ihre Schulfreundinnen aus Südkorea. Das Wetter sei «etwas langweilig», da es immer zwischen 26 und 30 Grad warm ist, sagt Suter. Seine Arbeit nimmt viel Zeit in Anspruch. Darum wird Suter in diesem Jahr erst über Weihnachten in die Schweiz reisen. Normalerweise kommt er mit seiner Familie im Sommer nach Klingnau zu seinem Vater Walter – seine Mutter hat er bereits im Teenager-Alter verloren. «Trotz dieses Verlustes habe ich eine schöne Kindheit gehabt. Meine Töchter kennen Klingnau und lieben den Ort, an dem ich aufgewachsen bin», sagt er stolz.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

«Ob er sich denn vorstellen könne, eines Tages wieder im Zurzibiet zu leben? «Als Rentner vielleicht, ja», antwortet er. «Ich würde schon ganz gerne in die Schweiz zurückkommen – ob nach Klingnau oder sonst wohin. Aber man weiss ja nie, es muss auch für meine Frau stimmen.»

Mittlerweile ist es 14 Uhr in Jakarta. Richard Suter hat immer noch nichts gegessen und die nächsten Termine warten bereits. «Etwas will ich noch loswerden: Die Erfolge des Fussballclubs in Klingnau (wurden im vergangenen Jahr Aargauer Cupsieger, Anmerkung die Red.) haben mich sehr gefreut, ich war früher gerne auf dem ‹Tschuttiplatz›». Klingnaus Fussballclub darf sich also über Unterstützung aus dem fernen Indonesien sicher sein.