Erne Metallbau
Weshalb der Ex-Preisüberwacher kurz vor dem Konkurs noch die Liegenschaft der Firma kaufte

Die Ereignisse in Leuggern überschlugen sich in den letzten Tagen. Die Traditionsfirma H. Erne Metallbau AG ging konkurs. Auch ein verzweifelter Rettungsplan scheiterte. Welche Rolle spielte der ehemalige Preisüberwacher Werner Marti dabei?

Philipp Zimmermann
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Erne Metallbau und ihr VR-Präsident Werner Marti

Erne Metallbau und ihr VR-Präsident Werner Marti

Chris Iseli/Keystone

Am letzten Mittwoch eröffnete das Bezirksgericht Zurzach den Konkurs über die H. Erne Metallbau AG aus Leuggern. Damit endete nach 36 Jahren eine Ära. Der langjährige Patron Hans Erne hatte noch in einer Garage des elterlichen Bauernhofes den Grundstein gelegt für über 30 erfolgreiche Geschäftsjahre.

«Uns fehlten einige Aufträge», sagt Hans Erne, der zwar noch drei Prozent des Aktienkapitals hielt und Verwaltungsrat blieb, an dessen Sitzungen aber nicht mehr teilnahm und sich nur noch um die Akquistion von Aufträgen kümmerte. Wegen Überschuldung kam es schliesslich zum Konkurs.

Am Firmensitz sollte es allerdings nur zu einem zwischenzeitlichen Lichterlöschen kommen. Die Eigentümer gründeten die Erne Anlagenbau AG. Mit dieser Auffanggesellschaft wollten sie einen schnellen Neustart wagen. Diese sollte bestehende Aufträge übernehmen. 20 bis 25 der 70 Mitarbeiter sollten weiterbeschäftigt werden. Das Auftragsverhältnis mit Geschäftsleiter Christoph Aerni dagegen am Freitag beendet. Dieser musste per sofort das Büro räumen.

Noch befinden sich Firmenfahrzeuge, Maschinen und Waren auf der Liegenschaft der konkursiten H. Erne Metallbau AG – ab Freitag ändert sich das.
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70 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Das Unternehmen war überschuldet.
H. Erne Metallbau AG ist Konkurs
Der Grundstein für den Konkurs ist laut Firmenbesitzer Andreas Lütschg bei einem Grossauftrag im Jahr 2011 gelegt worden.
Der Grossauftrag beim Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance brachte Erne Metallbau in finanzielle Schieflage
Für die Leuggermer Firma standen am Jahrhundertbauwerk vorübergehend über 60 Schweisser und Monteure im Einsatz. Laut den Besitzern habe man sich vor der Vertragsunterzeichnung total verkalkuliert.

Noch befinden sich Firmenfahrzeuge, Maschinen und Waren auf der Liegenschaft der konkursiten H. Erne Metallbau AG – ab Freitag ändert sich das.

Chris Iseli

Am Donnerstag scheiterte dieser teilweise Rettungsplan allerdings. Das zuständige Konkursamt Brugg und Andreas Lütschg wurden sich beim Preis für das Inventar am Firmensitz und an den Baustellen nicht einig – die Preisvorstellungen lagen viel zu weit auseinander, wie der Konkursamtsleiter Christoph Fuhrer der az sagte. Es ging um einen sechsstelligen Betrag. Das sorgte nun für Ärger und Frust bei den Mitarbeitern. Und nicht nur das: Nun wurde auch bekannt, dass die Eigentümer die zwei Parzellen umfassende Firmenliegenschaft am Steiächerweg noch am Freitag zuvor veräussert hatten.

Werner Marti: "Mein persönlicher Beitrag"

Recherchen der az zeigen: Bei der neuen Besitzerin der Liegenschaft handelt es sich um die J&W Verwaltungs AG aus Glarus. Sie gehört Ex-Preisüberwacher Werner Marti, der seit 1999 Verwaltungsratspräsident der Fäh Maschinen und Anlagenbau AG in Glarus ist, die Andreas und Melchior Lütschg gehört, und seit April 2015 in selber Funktion für die H. Erne Metallbau AG tätig war. «Um die Liegenschaft für die Auffanggesellschaft zur Verfügung zu stellen, habe ich mich bereit erklärt, diese am 21. September auf die J&W Verwaltungs AG zu übertragen», bestätigt Marti. «Dies war mein persönlicher Beitrag, um zumindest bei Konkurseröffnung eine Auffanglösung zu bieten.»

Werner Marti VR-Präsident der konkursiten H. Erne Metallbau AG und früher landesweit bekannt als ehemaliger SP-Nationalrat und Preisüberwacher.

Werner Marti VR-Präsident der konkursiten H. Erne Metallbau AG und früher landesweit bekannt als ehemaliger SP-Nationalrat und Preisüberwacher.

Keystone

Der Verkaufspreis liegt bei 4,5 Millionen Franken. Eine Schätzung vom Juni 2008 – eine Kopie liegt der az vor – weist dagegen einen Wert von 6,165 Millionen Franken aus. Wie lässt sich der hohe Minderwert erklären? Werner Marti: «Weil die alte Schätzung nicht mehr aktuell war, hat die finanzierende Bank ein renommiertes Immobilienbüro in Baden beauftragt, welches einen Verkehrswert von 4,5 Millionen Franken ermittelte.»

Die Grundbuchgebühren übernehme seine Firma. Auch habe er bei Erne Metallbau kein Verwaltungsrats-Honorar bezogen. Marti kündigt zudem an, dass «die Liegenschaft auch jedem anderen Investor zu den genau gleichen Bedingungen zur Verfügung gestellt» werde, der diese übernehmen und Teile des Betriebs weiterführen wolle.

Da die Liegenschaftspreise im Unteren Aaretal in den letzten Jahren gestiegen sind, bleiben Fragen zum Wert. «Im Rahmen vom Konkursverfahren werden wir das überprüfen», sagt Roland Laube, der zuständige Beamte vom Konkursamt Brugg. «Wir haben die Aufgabe abzuklären, ob der Verkaufspreis in der Höhe korrekt war und ob allenfalls eine Begünstigung vorliegt.» Generell würden sämtliche Rechtshandlungen kurz vor dem Konkurs geprüft. Bei einem Konkurs gehören dazu auch hohe Gutschriften und Zahlungen in den letzten Tagen vor dem Konkurs. Die ältere Schätzung sei ihm noch nicht bekannt. «Wir werden sie aber beiziehen», sagt er.

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