Döttingen
Wenn Rauschtrinken zum Event wird

«Voll ins Wochenende» heisst die Devise vieler Jugendlicher. Bei einem Informationsanlass zum Alkoholkonsum tauschten sich Jugendliche und Eltern in Döttingen aus.

Tabea Baumgartner
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Alkoholkonsum

Alkoholkonsum

Am Bahnhof Döttingen treffen sich die Jungen, um zu «chillen» – und um gemeinsam zu trinken. Die Situation eskaliert: Ein 13-Jähriger wird spitalreif geprügelt. Die Szene war für einmal gestellt – in der Turnhalle.

«Voll ins Wochenende» heisst der Informationsanlass, an dem die Suchtprävention Aargau zusammen mit der Oberstufe Döttingen über Alkoholkonsum informierte. Jugendliche und Eltern tauschten sich in Diskussionsrunden aus.

Über den Durst trinken

Erfahrungen mit Alkohol haben fast alle Anwesenden schon gemacht: «Auch wir mussten früher an einem Fest ab und zu über den Durst hinaus trinken», berichtet Daniel Lang, Vater eines 14-jährigen Sohnes.

Heute treffen sich Junge jedoch oft bewusst für ein Besäufnis. «Als Eltern erschrickt man schon darüber, was am Bahnhof Döttingen abgeht», sagt Lang.

Rauschtrinken ist zum Event geworden. «Es geht nicht darum, die Grenzen auszutesten, sondern sich bewusst in einen Rauschzustand zu versetzen», informiert Marlies Alder, Referentin der Suchtprävention. Und dies täten viele Jugendliche regelmässig. «Wichtig ist, dass die Heranwachsenden einen guten Umgang mit Alkohol erlernen.» Die Familie spiele dabei eine wichtige Rolle.

Die Jungen nehmen es gelassen: «Das haben wir schon 100-mal gehört!» Ihr Umgang mit Alkohol scheint angemessen: «Ich trinke nur auf Partys, und dann nicht viel», erzählt die 16-jährige Erblina. Es mache halt einfach Spass. Richtig betrunken sei sie erst einmal gewesen. «Da musste ich kotzen.» Seither wisse sie, wo die Grenzen sind.

Mimi, Ecre und Ferda, alle unter 16, trinken gar keinen Alkohol. «Aus religiösen Gründen», wie Mimi erklärt. Sie wollen es auch gar nicht ausprobieren. Beim 13-jährigen Thomas (Name geändert) sieht es anders aus: «Ich trinke manchmal, wenn ich Stress habe.» Doch Rauschtrinken, das habe er noch nie gemacht.

Entzug schon für 12-Jährige

Die andere Realität: «Manchmal fahren 12-Jährige um 3 Uhr nachts sturzbetrunken im Bus durch Zürich», berichtet René Kleiner, Buschauffeur und Vater von vier Jugendlichen. Eveline Lang kennt als Praxisassistentin einen weiteren Schauplatz: «In unsere Arztpraxis kommen öfter Jugendliche mit einem Rausch oder solche, die einen Entzug brauchen.» Der Jüngste im Entzugsprogramm sei gerade mal 12 Jahre alt.

Was die Jugendlichen vom Informationsabend mitnehmen? «Alkohol ist keine Lösung» oder «Alkohol schadet der Gesundheit», schreiben sie pflichtbewusst auf einen Merkzettel. Doch das nächste Wochenende kommt schon bald.

Infos www.suchtpraevention-aargau.ch. www.rauschzeit.ch für Jugendliche