Tegerfelden
Wenn die Reben zu faulen und zu stinken beginnen, läuft einiges schief

«Zerscht fahts a fuule – denn fahts a schtinke». Das Stationentheater in Tegerfelden ist ein voller Erfolg. Die Schauspieler heimsten verdienten Applaus für das Stationentheater «Räbschwarz» im 900 Jahre alten Rebbaudorf ein.

Louis Probst
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Das Stationentheater «Räbschwarz» in Tegerfelden im 900 Jahre alten Rebbaudorf
Die Kinder haben bei der Rettung des Rebbaus eine wichtige Rolle.

Matthias Marx

«Zerscht fahts a fuule – denn fahts a schtinke»: Es ist eine Botschaft apokalyptischen Inhalts mit der der versoffene Dorfpoet Mauter (Mario Geng) das natürlich fiktive OK schockt, das sich unter der Leitung der natürlich ebenso fiktiven, aber sehr um Strukturierung bemühten Präsidentin Doris Hauenstein (Daniela Burkhardt) mit der Vorbereitung der 900-Jahr-Feier befasst:

In den Tegerfelder Rebbergen spielt sich Schreckliches ab. Von einer unheimlichen Krankheit befallen, serbeln die Reben dahin. Das Publikum kann selber erkennen, dass seltsame Schädlinge ihr Unwesen treiben. Aus praktisch jedem Gebüsch zwischen Kirche und Mühle raunen Raupen, die jeden aus Asien eingewanderten Zünsler harmlos erscheinen lassen.

Spezieller Anlass, spezielles Theater

Aus speziellem Anlass, dem 900-Jahr-Jubiläum von Tegerfelden, hat das reale OK unter der Leitung von Peter Wiedemeier eine Vielzahl verschiedenster Anlässe organisiert, die sich über das ganze Jubiläumsjahr verteilen.

Dazu gehört der Theaterspaziergang «Räbschwarz», der vom Laientheater Zurzach (LATZ), unter der Regie von Heinz Schmid, zusammen mit Mitwirkenden aus Tegerfelden aufgeführt wird.

Das Stück, das Simon Ledermann geschrieben hat, basiert auf der Sage der Schlüsseljungfrau, eines verwunschenen Tegerfelder Burgfräuleins.

An markanten Stationen im Dorf – reformierte Kirche, Mühle, Chloretrotte, Küferhof und Sebastianskapelle – erzählt es eine fantastische Geschichte. Eine Geschichte, in der ein Stück weit vielleicht sogar die Erfahrungen mit verwoben sind, die das Laientheater Zurzach im Vorfeld selber machen musste, als es plötzlich ohne Stück da gestanden hat.

«Nicht vom Kraftwerk»

Nach einer ersten Begegnung mit der geheimnisvollen Schlüsseljungfrau (Jasmin Schneider) und ihrer Sage, bei einer leicht gespenstischen Lesung in einem stimmigen Kellergewölbe der Mühle, wird dem Publikum deutlich vor Augen geführt, dass im Rebberg etwas nicht stimmen kann.

Rauch legt sich auf die Reben nieder und schwefelgelbe Lichter tanzen. «Nein, das kommt nicht vom Kraftwerk», meint eine Rebbäuerin ängstlich.

Das unheimliche Phänomen ruft die sensationsgeile Journaille (Maryam Kloter und Antonia Fischer) auf den Plan. Der arme Gemeindeammann Kurt Fässler (Fredy Diener) weiss nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Kann unter diesen Umständen überhaupt noch an die Durchführung einer Jubiläumsfeier gedacht werden?

Da hilft nur noch beten

Während sich die weinseligen Zecher im Küferhof von den Zeichen im Rebberg wenig beeindrucken lassen, greifen die Frauen des Dorfes zu einem Ritual, derweil die Schlüsseljungfrau mit dem Dorfpoeten an der Hand surbabwärts entschwindet.

«Da hilft nur beten», meint dagegen in der Sebastianskapelle die katholische Pastoralassistentin Frau Schulthess (Elisabeth Thoma), die zusammen mit der reformierten Pfarrerin Hanna (Heidi Landolt) dem mysteriösen Phänomen zu begegnen versucht und feststellt: «Wenn alles nichts nützt, kommen die Leute zu uns.»

Was letztlich hilft, das Beten oder die Kinder, die, wie es die Sage will, die Kröte auf den Mund küssen, bleibe dahingestellt. Gerettet sind am Schluss jedenfalls das Dorf, die Reben und die Jubiläumsfeier. Auch wenn die arme Schlüsseljungfrau unerlöst bleibt.

«Räbschwarzes» Erlebnis

«Gemeinsam feiern -- Erlebnisse schaffen»: Diesem Motto des Tegerfelder 900-Jahr-Jubiläums wird das Stationentheater «Räbschwarz» mehr als gerecht. Dem Publikum vom Samstag hat es, den spontanen Reaktionen auf den Wegen zwischen den Stationen und dem Schlussapplaus nach zu schliessen, jedenfalls gefallen. Und obendrein lernte man -- der Schlüsseljungfrau und den Theaterleuten sei Dank -- erst noch einige spezielle Orte des jubilierenden Weinbaudorfes kennen.

Aufführungen: 23., 24. und 25. August, 6., 7. und 8. September. Jeweils 20.15 Uhr, reformierte Kirche Tegerfelden.

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