Baldingen
Wenn der Schnee ruft, steht Hansjörg Knecht bereit

Bricht der Winter herein, sorgt Landwirt Hansjörg Knecht für sichere Strassen

Rosmarie Mehlin (Text und Foto)
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Falls diese Woche wieder Schnee fällt, sind Landwirt Hansjörg Knecht und sein Traktor einsatzbereit.

Falls diese Woche wieder Schnee fällt, sind Landwirt Hansjörg Knecht und sein Traktor einsatzbereit.

Beat Kirchhofer 5333@bluewin.c

Muss ich oder muss ich nicht? Diese Frage hat sich Hansjörg Knecht den ganzen Januar über nicht gestellt. Diese Woche kann sich das ändern, wenn es – wie die Wetterfrösche prophezeien – ab Mittwoch schneit. Dann muss der 54-jährige Landwirt um 2 Uhr morgens aus den Federn und dafür sorgen, dass Bus-, Autofahrer und Fussgänger möglichst zügig, vor allem aber unfall- und sturzfrei in den Tag starten können. Hansjörg Knecht ist in Baldingen zuständig für den Winterdienst. «Sehr häufig beginnt es in der Nacht zu schneien. Einerseits werde ich über die App auf meinem Handy von ‹Meteo Schweiz› gewarnt, andererseits schaue ich den Wetterbericht am Fernsehen und immer genau auf das Barometer.» Seit 30 Jahren steht der Baldinger im Nebenjob im Dienste der Gemeinde. Er hat die damit verbundenen Aufgaben von seinem heute 86-jährigen Vater Josef übernommen. «Beim Unterhalt der Flurwege arbeite ich zusammen mit Michael Laube. Dazu kommen Friedhofsarbeiten, bei denen mich meine Frau Edith unterstützt und das Leeren der Robidog-Kästen.»

Gesalzen wird vor der Stallarbeit

Hauptberuflich betreibt der Vater von drei Töchtern Ackerbau und Milchwirtschaft. Tag für Tag klingelt um 4.30 Uhr sein Wecker: 25 Holsteiner-Kühe wollen gemolken und der Stall muss ausgemistet werden. «Wenn es gilt, Schnee zu räumen oder die vereisten Strassen zu salzen, muss ich vor der Stallarbeit auf eine erste Tour.»

Baldingen mit seinen 270 Einwohnern ist zwar nur ein Dörflein, doch das Strassennetz mit Siedlerhöfen weitverzweigt. «Muss nur gesalzen werden, brauche ich zweieinhalb Stunden für eine Runde. Kommt Pflügen dazu, dauert es gut eine Stunde länger.»

Jeweils Ende Dezember schlagen Laube und Knecht entlang der ganzen Strecke rot markierte Pfähle – rund 100 Stück – ein, damit auch bei viel Schnee der Verlauf der Strassen klar ist. «Bei den Hydranten setzen wir zusätzlich blau markierte.» Jeweils ab anfangs Dezember steht einer von Knechts drei Traktoren einsatzbereit im alten Feuerwehrmagazin. Die fix montierten Ketten an den Rädern, der Pflug und der Salzstreuer sind Eigentum der Gemeinde. Daneben lagern 20 Paletten mit je 800 Kilo Streusalz. «Wir hatten auch keinen Engpass, als vor einigen Jahren im Salzlager in Riburg bei Rheinfelden Ebbe gedroht hat», schmunzelt Knecht. Der Gemeindeverband «Verwaltung 2000», dem Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rümikon und Wislikofen angehören, macht Salz-Sammelbestellungen, «das kommt billiger.» Auch sei, betont Knecht, der fixe Lohn für Gemeindearbeiter in all diesen Gemeinden mehr oder weniger einheitlich.

20 Stunden Schnee gepflügt

Wenn ungewiss ist, ob Frau Holle Lust aufs Kissenschütteln hat, schläft der 54-Jährige schlecht: «Da bin ich jeweils wie auf Nadeln». Im zu Ende gegangenen Januar, dem klassischen Wintermonat, der eher ein Frühlingsmonat war, konnte Knecht wie ein Murmeltier schlafen. «Im Dezember allerdings hatte ich drei Einsätze. Zwar hatte es nicht stark geschneit, aber es war kalt und entsprechend gross war die Glatteisgefahr.»

Ob Schnee kommt oder nicht – dem Landwirt geht die Arbeit nicht aus. «Zusammen mit Paul Schmid aus Lengnau haben wir im Januar bereits rund 30 Stunden lang Sturmschäden im Gemeindewald aufgeräumt und sind noch längst nicht fertig.» Nach einem Winter wie jener von 2006 hat Hansjörg Knecht wahrhaftig keine Sehnsucht: «Damals hatte es an zwei Tagen so heftig geschneit, dass ich während 20 Stunden ununterbrochen – ohne auch nur eine Minute Schlaf - mit dem Pflug im Einsatz war.»

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