Samichlaus
Wenn der Samichlaus zu viel sieht: Nicht jeder Besuch ist besinnlich

Samichläuse kriegen nicht selten Dramen und Streitigkeiten in Familien mit – das führt zu brenzligen Situationen. «Unvorhergesehene Situationen in den Familien» war deshalb ein Thema an der Schweizer Samichlaussynode in Wislikofen.

Britta Gfeller
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An der Samichlaussynode trifft man sich zur Weiterbildung
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Wie sollen Samichläuse in heiklen familiären Konfliktsituationen reagieren war eine von vielen Fragen
In Gruppen diskutieren die Samichläuse und Schmutzlis einzelne Themen
Ein erfahrener Samichlauserzählt, wie man sich verhalten muss
Samichlaus

An der Samichlaussynode trifft man sich zur Weiterbildung

Ein Zimmer im obersten Stock der Propstei Wislikofen. Durch die Fenster dringen die Strahlen der Herbstsonne herein. Dreizehn Stühle stehen im Kreis aufgestellt, zwei in der Mitte. An der Wand hängt ein Holzkreuz. Im Raum ist es still. Auf den Stühlen sitzen Männer aller Altersstufen. Viele sind nach vorne gebeugt. Gespannt beobachten sie die beiden, die einander im Zentrum gegenübersitzen. «Samichlaus, meine Eltern streiten immer. Bitte mach etwas dagegen!», sagt der eine. Alle Blicke wandern zu demjenigen, der angesprochen wurde. Wie wird er reagieren?

Nicht zu sehr einmischen

Die Männer, die sich an diesem Samstagmorgen in der Propstei versammelt haben, sind in der Adventszeit als Samichläuse oder Schmutzli unterwegs. Doch nicht immer ist die Stimmung in den Familien besinnlich. Immer wieder werden die Besucher mit schwierigen Situationen konfrontiert. Im Workshop «Hoppla! Dramen und unvorhergesehene Situationen in Familien! Wie reagiere ich als Chlaus?» im Rahmen der zweiten Schweizer Samichlaussynode können sich die Männer über ihre Erfahrungen austauschen.

«Du hast doch sicher auch schon gestritten», sagt jetzt der zweite Mann, der im Kreis sitzt. «Nicht immer ist ein Streit so schlimm, wie es scheint. Aber sag doch deinem Mami und deinem Papi selber, dass du es nicht gerne hast, wenn sie streiten.» Die Zuschauer nicken anerkennend. Beim Rollenspiel können die Samichläuse ihr Verhalten in brenzligen Situationen am lebenden Objekt testen. Die anderen geben Rückmeldung. «Ich finde diesen Ansatz gut», sagt Rainer Bräm, der schon seit Jahren als Samichlaus unterwegs ist. «Wir sind keine Paartherapeuten und müssen vorsichtig sein, dass wir uns nicht zu sehr in die Angelegenheiten der Familien einmischen.»

Auf das Bauchgefühl hören

Sich nicht einzumischen ist in der Situation, die der erfahrene Chlaus Ettore Indri erlebt hat, schwierig. Bei einem Besuch wurde er vom Kind herzlich empfangen. Der alkoholisierte Vater jedoch weigerte sich, den Fernseher auszuschalten. «Nach mehrmaligem Auffordern entschloss ich mich, den Vater zu ignorieren. Hätte ich noch länger mit ihm diskutiert, hätte ich dem Kind die Freude verdorben. Schliesslich sind wir in erster Linie für die Kinder da», erzählt er. Die anderen Männer sind mit der Reaktion einverstanden. Einige Chläuse kamen in ähnliche Situationen. «Es gibt nie nur eine richtige Lösung», sagt Bernhard Lindner, der den Workshop moderiert, «Denn trotz Verkleidung sind wir immer noch wir selbst. Jeder bringt seine Persönlichkeit mit in die Familien.» Indri pflichtet ihm bei: «Wir müssen auf unser Bauchgefühl hören.»

Einige der unvorhergesehenen Ereignisse bringen die Männer auch zum Lachen. «Bei einem Besuch wussten wir, dass zwei Familien mit je zwei Kindern anwesend sein würden. Zuvor hatten sie uns wissen lassen, dass die Geschenke im Milchkasten deponiert sind», erzählt Samichlaus Rolf Anliker. «Als wir nachschauten, waren nur zwei Geschenke darin. Schliesslich stellte sich heraus, dass die anderen zwei auch im Milchkasten waren – jedoch bei der anderen Familie zu Hause.» Also musste während des Besuchs einer ins andere Dorf fahren, um die Geschenke abzuholen.

Die Männer hätten sich lange über ihre Erfahrungen austauschen können. Doch nach einer Stunde muss der Moderator die Diskussion abbrechen. Das Programm geht weiter. Am Ende sind sich Chläuse und Schmutzlis einig: «Wir können die Welt in einer halben Stunde nicht verbessern. Aber wir können den Kindern eine Freude machen und die Eltern zum Nachdenken anregen.»

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