Döttingen
Weinbaugenossenschaft feiert 100-jähriges Jubiläum

Die Weinbaugenossenschaft Döttingen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Streifzug durch die Geschichte der Landwirtschaft und des Weinbaus im unteren Aaretal.

Angelo Zambelli
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Wümmet in den Döttinger Rebbergen vor 80 Jahren. Die ganze Familie packt an. ZVG

Wümmet in den Döttinger Rebbergen vor 80 Jahren. Die ganze Familie packt an. ZVG

Dass die Gründungsversammlung am Samstag, 15. Dezember 1912 kurz nach Mittag im Schulhaus stattfand, ist nur eines von vielen Details, die dem in wunderschöner altdeutscher Schrift abgefassten Protokoll der landwirtschaftlichen Konsumgenossenschaft Döttingen entnommen werden kann. Nachdem die Statuten genehmigt worden waren, wurde zur Wahl des ersten Vorstandes geschritten. Gewählt wurden August Zehnder, Johann Bugmann-Wacker, Robert Bugmann, Franz Xaver Keller und Lehrer August Keller.

In den Statuten waren die Aufgaben und Ziele der Genossenschaft festgehalten: Das materielle Wohl ihrer Mitglieder zu heben und zu fördern «durch möglichst billige Beschaffung notwendiger Lebensbedürfnisse; durch Ankauf- und Verkauf landwirtschaftlicher Hülfsmittel und durch vorteilhafte Verwendung der eigenen Produkte.» Festgehalten wurde ausserdem, dass der Handel ohne Abzielung auf grossen Geschäftsgewinn geschehen soll. Als Mitglieder wählbar waren Einwohner von Döttingen und Umgebung, die volljährig waren und die bürgerlichen Ehrenrechte besassen.

In einer unmittelbar an die Gründungsversammlung anschliessenden Sitzung wurde Johann Bugmann-Wacker als erster Präsident der Genossenschaft gewählt. Bei dieser Gelegenheit kam auch gleich die äusserst wichtige Frage des Depothalters zur Sprache. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass der Vorstand beschloss, es seien (Zitat) «alle drei in Frage kommenden, Spez. Handl. Herr Berz, Schifferli, u. Hr. Pfyffer schriftlich anzufragen, ob sie event. das Depot der Genossenschaft übernehmen wollen, u. unter welchen Bedingungen, d. h. was sie als Depothalter verlangen.» Nach zähen Verhandlungen über Ladenmiete und Beiträge an Licht und Heizung wurde der erste Depotvertrag in der Geschichte der Genossenschaft mit Herrn Berz von der Generalversammlung am Sonntagnachmittag des 7. März 1915 im Gasthaus Bahnhof genehmigt.

Durch die Mobilmachung am 3. August 1914 trat laut den Aufzeichnungen des Aktuars eine kleine Stockung im Geschäftsgang ein, da die Leute die Läden förmlich überrannten und den Lebensmittelvorrat in kurzer Zeit aufkauften. Trotzdem konnte der Verwalter melden, dass der Rechnungsabschluss noch ein recht günstiger sei. Im Laufe des Sommers und des Herbstes hatte die Genossenschaft mit dem Handel von Kirschen und Obst begonnen, was sich als gute Einnahmequelle erwies.

Der Namenswechsel von der Landwirtschaftlichen Konsumgenossenschaft zur Weinbaugenossenschaft erfolgte nach den Kriegsjahren, als der Wein erstmals in Flaschen abgefüllt wurde. Zuvor hatten die Winzer und Hobbywinzer ihre Trauben in den fünf Trotten selbst gepresst, in Holzfässer abgefüllt und den Saft mit Fuhrwerken den Wirten geliefert. Für die Pflege der Weine waren die Wirte selbst verantwortlich.

Seit 1980 ist der Anteil der Hobbywinzer immer mehr zurückgegangen. Heute sind in der Weinbaugenossenschaft noch 14 Traubenlieferanten vereinigt, die eine Fläche von 8 Hektaren bewirtschaften. 2 Hektaren betreut die Weinbaugenossenschaft im Eigenbau.

Kellermeister Benno Wäger, der in seinen 30 Dienstjahren die Entwicklung der Genossenschaft stark geprägt hat, verarbeitet jährlich rund 80 Tonnen Traubengut zu 80000 Flaschen Wein höchster Qualitätsstufe. Davon zeugen die vielen goldenen Auszeichnungen, die im gemütlichen Weinstübli in der Trotte im Döttinger Chilbert hängen.

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