Döttingen
Weinbaugenossenschaft entlässt Geschäftsführer – Suche beginnt von vorn

Der Vorstand musste sich nach wenigen Wochen vom neuen Geschäftsführer trennen. Jetzt beginnt die Suche nach einem Nachfolger von Benno Wäger, der in Pension geht, von vorn.

Angelo Zambelli
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Die Weinbaugenossenschaft Döttingen (im Bild die Trotte «im Chilbert») sucht einen neuen Geschäftsführer.

Die Weinbaugenossenschaft Döttingen (im Bild die Trotte «im Chilbert») sucht einen neuen Geschäftsführer.

Angelo Zambelli

Die 1912 gegründete Weinbaugenossenschaft Döttingen durchlebt unruhige Zeiten: Benno Wäger (65) geht nach 32 Jahren als Geschäftsführer in Pension; ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Anfang August wurde Andreas Fischer, ein ausgebildeter Önologe, als neuer Geschäftsführer angestellt, musste aber vom Genossenschaftsvorstand noch in der Probezeit entlassen werden.

Nun wird in Fachzeitschriften und übers Internet nach einem geeigneten Nachfolger für Benno Wäger gesucht. «Der Markt ist nicht gross – schon gar nicht in der Deutschschweiz», sagt Jürg Michel, seit 2011 Präsident der Weinbaugenossenschaft Döttingen.

93 Mitglieder...

... zählt die Weinbaugenossenschaft Döttingen. Aktiv sind rund ein Dutzend, der Rest sind Freunde und Sympathisanten. Gekeltert werden 16 verschiedene Weine aus den Traubensorten Pinot noir, Regent, Cabernet Dorsa, Syrah, Malbec, Riesling-Sylvaner, Pinot gris und Chardonnay.

85 000 Kilo umfasst eine durchschnittliche Traubenernte . Daraus werden rund 60 000 Liter Wein hergestellt. Abgefüllt werden pro Jahr rund 50 000 75 cl-Flaschen und 45 000 50 cl-Flaschen, wobei qualitativ kein Unterschied besteht.

Neben den Inseraten und den Internetbeiträgen will die Genossenschaft auch den Kontakt zu den Önologen-Schulen aktivieren und die Verbindungen zum Aargauischen Weinverband nützen, um so schnell wie möglich einen neuen Geschäftsführer zu finden.

Unterschiedliche Ansichten

Als Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses mit Andreas Fischer nennt Michel «unterschiedliche Auffassungen über die Art und Weise der Geschäftsführung». Fischer, ausgebildeter Önologe und Buchautor für Wein, Kulinarik und Ernährung, wollte Wein und Essen enger miteinander verbinden und den Verkauf der Döttinger Weine über Koch-Events und ähnliche Veranstaltungen ankurbeln.

Fischer trat sein neues Amt zwar voll motiviert und mit dem Willen an, etwas verändern zu wollen, eckte aber mit seinem forschen Auftreten da und dort an. Dies veranlasste den Vorstand, das Arbeitsverhältnis mit dem neuen Geschäftsführer Mitte Oktober aufzulösen.

Wäger bleibt vorläufig

«Wir bedauern, dass wir nun wieder auf Feld 1 stehen und die Suche nach einem geeigneten Nachfolger von Benno Wäger neu starten müssen, sind aber überzeugt, für diesen interessanten Job eine geeignete Person zu finden», sagt Genossenschaftspräsident Jürg Michel. Glücklicherweise konnte Benno Wäger dazu bewegt werden, sein 50-Prozent-Pensum beizubehalten und damit mitzuhelfen, die schwierige Zeit zu überbrücken.

In der Fachpresse und im Internet sucht die Weinbaugenossenschaft nach einem Geschäftsführer, «der als Weinfachmann (Önologe) über ein überzeugendes Fachwissen und einen ebenso überzeugenden Hintergrund verfügt und Erfahrung im Weinverkauf vorweisen kann». Er sollte nach Vorstellung des Vorstandes «kommunikativ, unternehmerisch denkend, kreativ, teamfähig und flexibel» sein.

Mehrfach ausgezeichnet

Benno Wäger trat am 1. Oktober 1982 die Stelle als Geschäftsführer der Weinbaugenossenschaft Döttingen an. Sein Start war nicht von Glück begünstigt. In seinem ersten Amtsjahr führten Hagel und warmes Wetter dazu, dass ein Grossteil der Ernte verfaulte. Davon liess sich Wäger nicht verdriessen. In den folgenden 32 Jahren seines Wirkens reihte sich Erfolg an Erfolg: Die anfänglich zwei Weine – ein Roter und ein Weisser – wurden im Laufe der Jahre zu einem stattlichen Sortiment ausgebaut und das Kundennetz erheblich erweitert.

Zu den Grosserfolgen Wägers gehören auch die unzähligen nationalen und internationalen Auszeichnungen. Erst kürzlich wurden die Jahrgänge 2011 und 2012 des «Lustgärtler Barrique» mit Gold- und Silbermedaillen (Mondial du Pinot noir, Expovina und La Sélection) ausgezeichnet. Höhepunkt war aber die Medaille d’or anlässlich des Mondial du Pinot noir für den «Lustgärtler Barrique 2004».

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