Döttingen
Wein durfte am Winzerumzug nicht fehlen

Die 61. Auflage des grössten Winzerfestes der Deutschschweiz war ein Hochgenuss für Augen und Ohren. Reben und Wein standen beim Umzug natürlich im Mittelpunkt. Rund 45'000 Besucher fanden den Weg nach Döttingen.

Rosmarie Mehlin
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Hossa
18 Bilder
Motorrad-Club Unteres Aaretal
Der italienische Elternverein Döttingen mit der Amphore
Na dann prost auf die Guggemusig Seifesüder.
In der der Tracht
Die Mitglieder des Veteranenclubs Schweiz sind auf historischen Fahrrädern unterwegs
Als Piraten unterwegs
100 Jahre Weinbaugenossenschaft Döttingen
Landi Klingnau mit riesigen Weintrauben
Bärtiger Umzugsteilnehmer
Schweizer Fahne wird geschwungen
Winzerumzug in Döttingen
Schwingende Glocken

Hossa

Christoph Voellmy

Petrus, oder wer auch immer dort droben hoch über den Wolken hockt, hat Respekt vor der römischen Götterwelt bezeugt: Bacchus und Flora konnten am Sonntag in Döttingen trocken ihres Amtes walten und am 61. Winzerumzug in fröhlicher Pracht an den staunenden Zuschauern vorbeiziehen. Einmal mehr wurden der Gott des Weines und die Göttin der Blüte auf vier Rädern und zwei Beinen ins allerbeste Licht gerückt. Und weil Petrus mitspielte und den Himmel nur ein paar klitzekleine Tränen weinen liess, strahlten wundervolle bunte Blumenarrangements mit Weinlaub, Trauben und Rebenholz um die Wette.

Schon lange bevor vom Kirchturm her zum Start geläutet wurde, als Gross und Klein noch auf der Suche nach dem ultimativ besten Standort waren, klapperten die hübschen Majoretten aus Wauwil mit ihren weissen Stiefeletten zu den Trommelwirbeln der Zürcher Polizei-Tambouren - aus lauter Spass an der Freude noch «ausser Konkurrenz» - die Hauptstrasse hinauf. So richtig los ging es dann nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit wuchtigem Glockengebimmel, rhythmisch geschlagen von kräftigen Trychlern und Einschellern.

Bunte Uniformen

Es folgte ein bunter Reigen von liebe- und fantasievoll gestalteten Wagen, durchmischt mit Fussgänger-Gruppen, etwa den einheimischen Kindergärtlern mit superschönen Blumenhüten. Oder den Primarschülern, die als Rebläuse so nett aussahen, dass sie garantiert keinen einzigen Winzer das Fürchten lehrten.

Die Uniformen der Musikkorps, die auch dieses Jahr dem Umzug den nötigen Schwung verliehen, waren fast so bunt wie die Dahlien, Rosen, Gerbera, Sonnenblumen, Astern, Gladiolen in den üppigen Gestecken, mit denen die Wagen wunderschön geschmückt waren. Die Tambouren vom Sempachersee sahen in ihren weiss-roten historischen Kostümen aus wie Schweizer Gardisten. Die Musikgesellschaft Suhr beispielsweise marschierte, inklusive der drei hübschen Ehrendamen, in elegantem Flieder, ergänzt von Tambouren in Blütenweiss.

Viel Folklore

Natürlich standen Reben und Wein im Mittelpunkt. Man konnte unter anderem eine grosse Traubenschere in Funktion bestaunen, einen Baum voller Weinflaschen, einen Brunnen aus solchen oder eine sehr stattliche römische Amphore. Toll anzusehen war ebenfalls eine Mühle mit drehendem Wasserrad, edel hingegen waren die drei Weinköniginnen aus Baden, der Pfalz und dem Elsass, die- hold grüssend - in einer Kutsche vorbeirollten. Auch Folklore war gross geschrieben: Im Vorbeiziehen wurde gejodelt, Alphorn geblasen, Fahnen geschwungen und es wurden portugiesische, türkische und Walliser Volkstänze vorgeführt.

Berner Sennenhunde und Bernhardiner gehören längst ebenso zum Winzerumzug wie Jungschwinger, die im Sägemehl ihr Können demonstrieren, und die Dreschgruppe aus Obermumpf, die mit dem Flegel drauflos schlägt, als gelte es den Ähren den Teufel auszutreiben: Jahr für Jahr freut man sich stets aufs Neue an diesen Anblicken. Auch die Velo-Veteranen waren nicht zum ersten Mal dabei und doch war's wieder mitreissend die alten «Göppel» und ihre pustenden Fahrerinnen und Fahrer zu bewundern. Ganz besonders den Senior, der unter anderem fahrend auf dem Sattel von seinem Hochrad eine Schwalbe machte.