Beznau
Weil sie Löcher ins AKW bohrten: Staatsanwaltschaft klagt Greenpeace-Aktivisten an

Letztes Jahr drangen Greenpeace-Aktivisten in das Areal des Kernkraftwerkes Beznau ein. 66 von ihnen müssen nun Geldstrafen und Bussen zahlen, zwei Personen werden wegen Sachbeschädigung angeklagt. Das sei absurd, sagt Greenpeace.

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Zwei der 68 Greenpeace-Aktivisten, die im März 2014 das KKW Beznau stürmten, werden angeklagt und müssen sich wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor Gericht verantworten (Archiv).

Zwei der 68 Greenpeace-Aktivisten, die im März 2014 das KKW Beznau stürmten, werden angeklagt und müssen sich wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor Gericht verantworten (Archiv).

KEYSTONE/URS FLÜELER

Achtundfünfzig Greenpeace-Aktivisten stürmten am Morgen des 5. März 2014 das Areal des Kernkraftwerks Beznau in Döttingen. Gegen 66 Teilnehmer der Aktion hatte die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach bereits im Oktober 2014 Strafbefehle erlassen und sie wegen Hausfriedensbruch sowie zum Teil wegen Hinderung einer Amtshandlung zu Geldstrafen und Bussen verurteilt. Sämtliche Aktivisten erhoben dagegen Einsprache. Weil sie diese aber Anfang Juli wieder zurückzogen, sind die Strafbefehle jetzt rechtskräftig. Dies teilt die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Gegen zwei Aktivisten erhob die Staatsanwaltschaft aufgrund bestehenden Vorstrafen sogar Anklage wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Vergehen gegen das Kernenergiegesetz. Sie beantragt eine unbedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen. Den beiden Aktivisten wird zusätzlich vorgeworfen, fünfzehn Löcher und die Betonhülle des Sicherheitsgebäudes gebohrt zu haben – um Stahlanker anzubringen. So hätten sie "eine Vorrichtung, die für die nukleare Sicherheit oder Sicherung wesentlich ist, beschädigt", schreibt die Staatsanwaltschaft.

Greenpeace bezeichnete die Vorwürfe an die beiden Aktivisten heute als «absurd»: «Selbst wenn solche Bohrlöcher gemacht worden wären, könnten diese bei einem meterdicken Betongebäude nie von sicherheitsrelevanter Bedeutung sein», hält die Organisation in einer Medienmitteilung fest. Auf Fotos sei zu sehen, dass das Gebäude bereits mit tiefen Rissen versetzt ist. Ausserdem zeige ein Blick auf das AKW Beznau deutlich, dass die Axpo selbst Löcher in der Aussenhülle des Kraftwerks gemacht habe. «Wenn Bohrlöcher gefährlich wären, müsste das ganze Atomkraftwerk konsequenterweise sofort abgeschaltet werden.»

Die Vorwürfe seien vielmehr politisch motiviert: «Es wird versucht, mutige Aktivisten, die auf die alterungsbedingten Risiken des AKW Beznau aufmerksam machten, mundtot zu machen. Das AKW Beznau ist das älteste AKW der Welt und soll gemäss Axpo über 15 Jahre weiterbetrieben werden.»

Im März 2014 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten beim AKW Beznau.
12 Bilder
Zwei Männer bohrten insgesamt 15 Löcher in die Betonhülle des Sicherheitsgebäudes des AKW Beznau II.
AKW-Stilllegung gefordert: Greenpeace-Aktivisten demonstrieren in Beznau
Die Greenpeace-Aktivisten dringen auf das AKW-Gelände ein.
Am Morgen früh stürmen die Aktivisten Beznau.
Banner hoch auf dem Reaktor.
Die Kantonspolizei im Einsatz
Eine Greenpeace-Aktivistin protestiert im März beim AKW Beznau

Im März 2014 demonstrierten Greenpeace-Aktivisten beim AKW Beznau.

Michael Würtenberg/Ex-Press

Einige der 58 beteiligten Greenpeace-Aktivisten drangen an jenem 5. März 2014 in den Eingangsbereich des Bürokomplexes ein und hängten dort Transparente und Absperrbänder an.

Die restlichen Aktivisten zerschnitten unterdessen den Stacheldraht des Perimeter-Zauns und konnten so mit Hilfe von mitgebrachten Leitern ins Sicherungsareal eindringen. Die Betriebswächter konnten acht Aktivisten stoppen, fünfzig Teilnehmer der koordinierten Aktion konnten im gesicherten Bereich auf das Vordach eines Lager- und Werkgebäudes klettern, auf einen Kran zwischen den Reaktorblöcken sowie auf die Aussenhülle des Sicherungsgebäudes Block II. Weitere Greenpeace-Aktivisten sicherten den anderen den Aufstieg.

Zeitgleich kletterten zehn andere Aktivisten auf das Baugerüst eines neuen Gebäudes und brachten Transparente mit ihren Forderungen an. (az)

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