Bad Zurzach
Weil er zu schnell fuhr, muss ein Autofahrer nun 16000 Franken zahlen

Das Bezirksgericht verurteilt einen 56-jährigen Schweizer zu einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 16000 Franken. Diese Geldstrafe wird nach der Einkommenssituation des Beschuldigten berechnet.

Rosmarie Mehlin
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Eine Radarfalle blitzt ein Fahrzeug (Symbolbild)

Eine Radarfalle blitzt ein Fahrzeug (Symbolbild)

Keystone

Die Strasse über den Zurziberg zwischen Surbtal und Rheintal ist gut ausgebaut. Wo sie wenig übersichtlich ist, auf der Kuppe, ist sie mit der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h belegt, ansonsten mit 80 km/h. Aber regelmässig verführt sie Automobilisten, stärker aufs Gaspedal zu treten als erlaubt. Das lässt die Bussenkasse klingeln, ab und zu gar wuchtig wie das Geläut des Bad Zurzacher Verenamünsters.

So wie gestern, als der 56-jährige Thomas (Name geändert) vor Einzelrichter Cyrill Kramer sass. An einem Mittwoch im Juni dieses Jahres war Thomas um die Mittagszeit von Tegerfelden her in Richtung Bad Zurzach unterwegs. Vor ihm fuhren drei Personenwagen hinter einem Lastwagen her, der – so Thomas vor Gericht – «mit etwa 70 km/h fuhr». Das war ihm in seinem über 218 PS starken Gefährt zu langsam, weshalb er zum Überholen ansetzte, den rechten Fuss ordentlich durchdrückte – schwupp – schon hatte die Maschine 120 km/h drauf und – klick – schon blitzte es.

Einsprache gegen Strafbefehl

Das Donnergrollen folgte vier Wochen später in Form eines Strafbefehls: Darin stand, Thomas, Inhaber eines Unternehmens mit über 130 Angestellten, müsse 16000 Franken blechen, denn er sei zu einer unbedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 320 Franken verurteilt. Thomas erhob Einsprache, weil die Strafe zu hart sei. Einerseits sei ihm der Führerausweis für ein Jahr entzogen worden, andererseits der finanzielle Schaden enorm. 320 Franken Tagessatz sei schlicht zu hoch. Die Höhe, konterte Kramer, werde gemäss Gesetzgeber, basierend auf der Einkommenssituation eines Beschuldigten berechnet und Thomas verdiene nun halt mal 13000 Franken im Monat.

Allerdings hing über Thomas’ Haupt auch noch das Damoklesschwert des Widerrufs einer bedingten Geldstrafe von 3360 Franken. Zu dieser war Thomas wegen Beschäftigung von Ausländern ohne Bewilligung im August 2010 verknurrt worden. Das habe, monierte der Verteidiger in seinem Plädoyer, nun mit dem Strassenverkehrsdelikt rein gar nichts zu tun gehabt, weshalb der Widerruf abzulehnen sei.

Bezüglich des groben Vergehens gegen das Strassenverkehrsgesetz seines Mandanten legte sich der Anwalt mächtig ins Zeug: Thomas fahre beruflich pro Jahr zig zehntausend Kilometer Auto, er trinke keinen Alkohol und sei noch nie in einen Unfall verwickelt gewesen. Das ganze Herzblut des geschiedenen Vaters zweier erwachsener Kinder gehöre der Firma. Er sei beruflich auf den Fahrausweis angewiesen und allein schon mit dem langen Entzug enorm bestraft. Thomas sei kein Raser, er passe die Geschwindigkeit den Verhältnissen an, habe das auch an jenem unglücklichen Freitag den 13. auf dem Zurziberg getan. Ihm sei im Moment des Überholens die Tempoüberschreitung schlicht nicht bewusst gewesen.

Mehrfach einschlägig vorbestraft

Der Verteidiger, der für eine Busse von 1000 Franken, allenfalls eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 320 Franken plädierte, hatte einen schweren Stand. Denn Thomas hatte nicht zum ersten Mal über Gebühr aufs Gaspedal gedrückt. 2004 hatte er wegen einem Zuviel von 51 km/h zehn Tage Gefängnis bedingt kassiert; 2008 wegen einer Überschreitung von 26 km/h eine Geldstrafe von 7500 Franken unbedingt.

Und jetzt muss er 16000 Franken bezahlen. Richter Cyrill Kramer verzichtete zwar auf den Widerruf, verurteilte Thomas aber gemäss Strafbefehl. Zusammen mit Verfahrenskosten, Gebühren und Auslagen auch vom Strassenverkehrsamt dürfte Thomas mindestens 18000 Franken blechen müssen.

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