Zurzibiet
«Weibliche Intuition wäre wertvoll für jeden Gemeinderat»

Die Frauenquote bei den anstehenden Gemeinderatswahlen im Zurzibiet liegt bei 27 Prozent. Frauen würden sich das Amt als Gemeinderätin oftmals nicht zutrauen, sagt Karin Fuchs vom Verein «Zurzibieter Frauen». Das sei bedauerlich.

Pirmin Kramer
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Sinnbildlich: Nur Männer vertraten den Bezirk in Aarau, um mit einer Petition eine bessere Verkehrsanbindung des Zurzibiets zu fordern. ZA

Sinnbildlich: Nur Männer vertraten den Bezirk in Aarau, um mit einer Petition eine bessere Verkehrsanbindung des Zurzibiets zu fordern. ZA

Von den 112 Kandidaten, die am Sonntag in den Ortschaften des Bezirks Zurzach einen Gemeinderatssitz erobern wollen, sind 30 Frauen. Die Frauenquote beträgt 27 Prozent. «Dass so wenige Frauen kandidieren, ist enttäuschend», sagt Karin Fuchs.

Im März dieses Jahres gründete sie den Verein «Zurzibieter Frauen» – mit dem Ziel, mehr Frauen für Behördenarbeit zu überzeugen. «Positiv ist, dass die Frauenquote im Vergleich zur aktuellen Legislatur zumindest nicht tiefer geworden ist», sagt sie. In der Amtszeit, die zu Ende geht, beträgt die Quote 28,5 Prozent.

Die berühmte weibliche Intuition

Es brauche sehr viel mehr Überzeugungsarbeit, um Frauen zu einer Gemeinderatskandidatur zu bewegen als Männer, sagt Fuchs. «Ich habe das Gefühl, dass sie sich dieses Amt seltener zutrauen als Männer, obwohl es dafür keinen Grund gibt. Oft sagen sie mir, sie könnten sich vorstellen, ein Amt in einer Kommission auszuüben, etwa in der Schulpflege. Der Gemeinderat aber sei eine Nummer zu gross.» Das sei bedauerlich, denn die weibliche, manchmal etwas intuitive Herangehensweise wäre wertvoll für jeden Gemeinderat, sagt Fuchs.

Tief ist im Zurzibiet eine weitere Frauenquote: Nur in zwei von dreiundzwanzig Gemeinden haben Frauen eine Kandidatur für das Amt des Gemeindeammanns eingereicht – Heidi Wanner in Koblenz und Sonja Böhm in Kaiserstuhl. Gut sichtbar war die Männerdominanz in der Zurzibieter Politik im Herbst 2012, als in Aarau eine Petition zur besseren Verkehrsanbindung des Bezirks übergeben wurde – nur Männer waren dabei.

«Lassen uns nicht entmutigen»

Abschreckend wirke für manche Frauen auch die Wahrscheinlichkeit, im Gemeinderat ein Ressort übernehmen zu müssen, in dem sie sich nicht gut auskennen, sagt Fuchs. «Die Leitung des Ressorts Schule und Soziales trauen sich viele zu, das Bauwesen eher wenige.» Ein weiterer wichtiger Faktor für die tiefe Frauenquote in Exekutivämtern: «Die Gemeinderatsarbeit und die Sitzungen finden häufig abends statt, wenn Frauen auf Kinder aufpassen müssen», sagt Fuchs.

«Wir sind ein junger Verein. Die tiefe Frauenquote am Sonntag entmutigt uns keineswegs», erklärt Fuchs. «Wir sind daran, ein Netzwerk aufzubauen. Amtierende Gemeinderätinnen sollen potenziellen Kandidatinnen Tipps geben und ihnen die Angst nehmen. Wir hoffen, bereits bei Ersatzwahlen in den kommenden vier Jahren einige Frauen von einer Kandidatur überzeugen zu können.»

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