Blick ins Zurzibiet
Was ist für Sie Lebensqualität?

Rosmarie Mehlin
Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Ein Stückchen heile Welt: Baldingen.

Ein Stückchen heile Welt: Baldingen.

Beat Kirchhofer

Es gibt Wörter, die sich vielversprechend lesen, bei genauerem Betrachten aber konkret schwierig zu fassen sind. Lebensqualität ist ein solches Wort. Ein Dorf ohne Laden, ohne Post, ohne Beiz, ohne Kindergarten, ohne Schule – bietet ein solches Dorf Lebensqualität? Ein Dorf, dessen Bewohner das Altpapier einmal im Monat im alten Feuerwehrmagazin deponieren können – präzis während einer halben Stunde, ansonsten Busse droht.

Ein Dorf, dessen Bewohner ihre Grünabfuhr zu einem rund zwei Kilometer entfernten Siedlerhof bringen müssen, was im Sommer mittwochs und samstags während zweier respektive vier Stunden, im Winter samstags während vier Stunden erlaubt ist. Ein Dorf, das mit dem öffentlichen Verkehr per Bus zwischen 6 Uhr morgens und 6 Uhr abends nur gerade zehnmal erreichbar ist – sonntags allerdings überhaupt nicht. Bietet ein solches Dorf Lebensqualität? Immerhin soll man von dem Dorf aus den Zürcher Paradeplatz mit dem Privatauto innert 25 Minuten erreichen. Dies hatte jedenfalls ein Bewohner an der letzten Gmeind behauptet.

Abgesehen davon bietet das Dorf viel schöne, noch «heile» Natur, viel Ruhe – ausser dem Glockenklang von St. Agatha und den zahlreichen Tempo 50 ignorierenden Autofahrern – und schon bald einen Steuerfuss von 127 Prozent. Was will man, in Sachen Lebensqualität, noch mehr, fragt sich das – seit 25 Jahren trotz allem sehr gerne in Baldingen lebende Mayeli.