Waldshut
Warum deutsche Ärzte der Schweiz wieder den Rücken kehren

Anja Roy und Franz Götzfried haben eine Zeit lang in Schweizer Krankenhäusern gearbeitet. Jetzt zog es die beiden Deutschen wieder zurück.

Susann Klatt-D'Souza
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Über Nachwuchsärzte in Waldshut freut sich Chefarzt Günter Michaelis (in weiß). Er und sein Kollege Hans-Jürgen Ott, Leitender Oberarzt, haben alle Bemühungen daran gesetzt, dass Anästhesisten nach Abschluss ihres Facharztes die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin absolvieren können. Das Angebot wollen (v.l.) Anja Roy, Franz Götzfried und Johannes Scharrer nutzen.

Über Nachwuchsärzte in Waldshut freut sich Chefarzt Günter Michaelis (in weiß). Er und sein Kollege Hans-Jürgen Ott, Leitender Oberarzt, haben alle Bemühungen daran gesetzt, dass Anästhesisten nach Abschluss ihres Facharztes die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin absolvieren können. Das Angebot wollen (v.l.) Anja Roy, Franz Götzfried und Johannes Scharrer nutzen.

Susann Klatt-D'Souza

Eher selten kommt es am Hochrhein vor, dass Ärzte aus der Schweiz nach Deutschland zum Arbeiten kommen. Der klassische Fall sieht eher genau anders herum aus. Denn in deutschen Krankenhäusern ist das Gehalt oft niedriger und die Arbeitszeiten länger und unregelmäßiger als in Spitäler jenseits des Rheins.

Trotzdem sind gerade zwei junge Mediziner aus der Schweiz ans Waldshuter Spital gewechselt. Und das hat seine Gründe. Denn seit Juli kann bei den Spitälern Hochrhein die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin erworben werden. Damit haben Mediziner beispielsweise die Chance, Oberarzt werden zu können.

Zu verdanken ist das Chefarzt Günter Michaelis und seinem Kollegen, dem Leitenden Oberarzt Hans-Jürgen Ott. Günter Michaelis: "Durch dieses Angebot wird der Standort Waldshut aufgewertet. Wir erhoffen uns davon, die Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung zu stärken." Und das hat jetzt auch funktioniert. Zwei junge deutsche Ärzte kehren der Schweiz den Rücken und kommen wieder nach Deutschland.

Franz Götzfried ist einer von sechs jungen Ärzten, der seine Facharztausbildung im Bereich Anästhesie bei den Spitälern Hochrhein absolviert. Der 30-Jährige befindet sich im dritten Jahr seiner Facharztausbildung und hat zuvor in einem Spital im schweizerischen Baden gearbeitet: "Ich habe mich für Waldshut entschieden, weil ich nach Abschluss meines Facharztes in der Anästhesie in zwei Jahren die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin erwerben kann.

Zusatzweiterbildung

Die fachliche Anerkennung der Zusatzweiterbildung Intensivmedizin durch die Bezirksärztekammer Südbaden ist für ein Haus wie die Spitäler Hochrhein nicht selbstverständlich. Die Weiterbildungsbefugnis ist personengebunden Chefarzt Günter Michaelis und Leitender Oberarzt Hans-Jürgen Ott.

Und noch ein weiterer Grund war für ihn wichtig: "Ich habe etwas grenznahes gesucht, was ich mit Waldshut gefunden habe. Hier wird ein breites Spektrum an Eingriffen durchgeführt, weil Waldshut das einzige Spital im Kreis ist, in das Notfälle kommen. Hier wird Wert auf eine praktische Weiterbildung gelegt, und ich kann deutlich eigenständiger arbeiten als in Baden."

Auch die 34-jährige Anja Roy nennt ähnliche Gründe für ihren Wechsel. Die junge Frau wird Ende dieses Jahres ihre Facharztausbildung in der Tasche haben und dann die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin. "Das ich diese Weiterbildung erwerben kann, war für mich der Hauptgrund, nach Waldshut zu wechseln." Aber auch die intensive Betreuung durch Chefarzt Günter Michaelis schätzen die beiden jungen Ärzte.

"Für mich sind eine gute Betreuung und eine persönliche Förderung das wichtigste in der Ausbildung. Hinzu kommt die gute praktische Weiterbildung", sagt Roy. Dass die 34-Jährige in Deutschland deutlich weniger verdient als in der Schweiz, zuletzt war Roy an einem großen Krankenhaus in Bern tätig, ist für sie nicht von große Bedeutung, obwohl sie aus privaten Gründen noch im schweizerischen Solothurn lebt. "Ich finde, es wird oft überschätzt, dass Ärzte sich nach dem Finanziellen orientieren."

Aber auch für Ärzte, die bereits am Spital arbeiten, so wie Johannes Scharrer, der ebenfalls seinen Facharzt der Anästhesiologie absolviert, gibt es die Möglichkeit, die Weiterbildung zu nutzen. Der 32-Jährige: "Ich bin zwar noch ganz neu in der Anästhesie, bin aber sehr froh, die Chance zu haben, eine Weiterbildung absolvieren zu können. Das ist nicht an jedem Krankenhaus der Fall."