Tourismus-Tafeln
Warum das Zurzibiet keine Gratis-Werbung erhält

Auf den neuen Signalisationstafeln entlang der Autobahnen fehlen Sehenswürdigkeiten des Bezirks Zurzach. Die Region wurde benachteiligt. Dabei wären Tourismustafeln für das Zurzibiet durchaus möglich gewesen.

Nadja Rohner
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Obwohl auch das Zurzibiet einen See hat, ging die Region bei der Vergabe der Autobahn-Signalisationstafeln leer aus.

Obwohl auch das Zurzibiet einen See hat, ging die Region bei der Vergabe der Autobahn-Signalisationstafeln leer aus.

ZVG

Entlang der Aargauer Autobahnen werden demnächst schmucke neue Signalisationstafeln aufgestellt. Sie weisen auf Sehenswürdigkeiten im als «Durchfahrtskanton» verschrienen Aargau hin (die az berichtete). Nur: Nicht alle Regionen werden beworben. Auf der Strecke bleibt auch das Zurzibiet.

«Wir sind enttäuscht», sagt Peter Andres, Geschäftsführer vom Wirtschaftsforum Zurzibiet. «Immerhin hat die Region um Bad Zurzach dank der Wellness- und Gesundheitseinrichtungen rund 570 000 Besucher pro Jahr. Es hat schon fünf Jahre gedauert, bis Bad Zurzach überhaupt auf den Wegweisern auf den Autobahnen aufgeführt wurde.» Das Zurzibiet mit dem Flecken, dem Klingnauer Stausee und anderen Highlights hätte es verdient, beworben zu werden, so Andres.

Die Weisungen des Bundesamts für Strassen (Astra) regeln die Signalisationen. Darin heisst es: «Mit einer touristischen Signalisationstafel darf einzig auf touristisch bedeutsame Ziele oder Regionen hingewiesen werden, die entweder ab der nächsten Ausfahrt über das untergeordnete Strassennetz innerhalb von 30 km zu erreichen sind (Ankündigungstafel) oder die sogleich durchfahren werden (Willkommenstafel).»

Nach diesen Kriterien wäre es also möglich gewesen, auch das Zurzibiet zu berücksichtigen: Die Synagoge in Lengnau liegt rund 14 Fahrkilometer von der nächsten Autobahnausfahrt entfernt. Auch der Klingnauer Stausee (18 km) und der Flecken Bad Zurzach (21 km) wären noch locker innerhalb des Perimeters.

Regierungsrat Stephan Attiger sagte gegenüber der az, die Auswahl der Sujets sei technisch bedingt, die Sehenswürdigkeiten, auf die aufmerksam gemacht werde, müssten ab der Autobahn schnell erreicht werden können. Angepriesen werden jedoch auch der Hallwilersee und das Schloss Hallwyl – notabene auf zwei separaten Schildern. Diese beiden Touristenattraktionen liegen rund 12 Kilometer von einer Ausfahrt entfernt.

«Ich kann das nicht nachvollziehen», sagt Peter Andres. «Wenn ich im Rheintal unterwegs bin, sehe ich auch Hinweisschilder aufs Toggenburg – und das ist von der Autobahn wirklich ziemlich weit entfernt.»

Genau das gleiche Beispiel führt auch Peter Schläpfer an, Geschäftsführer von Bad Zurzach Tourismus AG. «Auch wir finden es schade, dass das Zurzibiet leer ausgegangen ist», sagt er. «Wieder einmal haben wir durch die Tatsache, dass wir ein Stück von der Autobahn entfernt sind, einen doppelten Nachteil: schlechtere Verkehrsanbildung und weniger Werbung als andere.»

Peter Andres: «Der Speckgürtel um die Autobahnen und die Zentren profitiert, die peripheren Gebiete gehen leer aus.» Andres zeigt sich zudem verwundert darüber, dass die Regionen bei der Auswahl der Signalisationen keine Mitsprachemöglichkeiten gehabt hätten: «Warum gab es keine Vernehmlassung?»

Diese Tafeln werden an den Kantonsgrenzen stehen.
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Diese Tafeln werden an den Kantonsgrenzen stehen.

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Die Sujets wurden von einem Projektteam ausgewählt. Vor Jahresfrist hatte der Regierungsrat mitgeteilt, die betroffenen Gemeinden sowie die Regionalplanungsverbände würden in die Auswahl und Priorisierung der Ziele einbezogen. «Davon höre ich zum ersten Mal», sagt Felix Binder, Präsident des Gemeindeverbandes Zurzibiet Regio. «Wenn ich die Auswahl hätte beeinflussen können, so hätte ich jedem Bezirk mindestens eine Tafel zugestanden – so hätte sich niemand benachteiligt gefühlt.»

Andere Objekte liegen näher

«Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass auch wir nicht glücklich sind, dass nur eine Handvoll touristische Sehenswürdigkeiten entlang der Aargauer Autobahnabschnitte gezeigt werden können», sagt Andrea Lehner, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus.

Die Möglichkeiten, Tafeln aufzustellen, seien beschränkt: Das Astra gibt vor, dass pro Autobahnausfahrt nur eine Tafel in einem ganz bestimmten Abstand zur Ausfahrt aufgestellt werden darf. Um das Zurzibiet zu bewerben, wären die Ausfahrten ab der A1 (Wettingen, Baden) und der A3 (Brugg) infrage gekommen.

«Bei allen Ausfahrten sind allerdings näherliegende touristische Ziele vorhanden.» Lehner hält fest: «Aufgrund seiner Relevanz und der vielen Ressourcen, welche für die Vermarktung eingesetzt werden, hätte das Zurzibiet auf jeden Fall eine Tafel erhalten – wegen der erwähnten Einschränkungen mussten wir leider davon absehen.»

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