Bad Zurzach
Von Zeiten, als am Sonntag kurz nach dem Hahnenschrei geturnt wurde

Eine Chronik zeichnet die Geschichte des Turnvereins von der Gründung vor 125 Jahren bis zur Gegenwart nach. Sie ist auch ein Dokument der Zeitgeschichte. Zum Jubiläum gibt es eine öffentliche Wanderausstellung zu betrachten.

Angelo Zambelli
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Der Turnverein Zurzach gestern und heute: Die Fotomontage zeigt die Wandlung vom Turner im Einheitsgewand zum sportlichen Individualisten.

Der Turnverein Zurzach gestern und heute: Die Fotomontage zeigt die Wandlung vom Turner im Einheitsgewand zum sportlichen Individualisten.

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Im Hinblick auf das 125-Jahr-Jubiläum hat Präsident Rolf Gross eine Chronik erstellt, in der die Gründerjahre und die Gegenwart des Turnvereins beleuchtet werden. Aufgelistet sind die wichtigsten Ereignisse, aber auch Episoden, die zum Schmunzeln anregen.

Gedanken zum Jubiläum

In der neusten Ausgabe des Vereinsblatts «Zorzi-Turner» stellt Bruno Vögele, Präsident der Jubiläumskommission, grundsätzliche Gedanken zur Bedeutung eines Turnvereins an: «Alles ist hektischer geworden. Wir leben im Zeitalter der Elektronik, der Fitness-Studios und auch der Burnouts. Aber nehmen wir uns auch noch Zeit für die Familie, für den Mitmenschen und für die eigene Seele?» Hier habe die Vereinstätigkeit eine wichtige Funktion, schreibt Vögele. «Ich gehe ins Turnen, um meinen Körper zu fordern, meine Kameraden zu treffen und bei einem Bier wieder mal so richtig herzlich zu lachen. Im Mannschaftsspiel gilt das Kollektiv. Daraus ergeben sich gute Gespräche und Freundschaften. Das alles bietet mir das Vereinsleben.» (ZA)

Am 7. Juni 1889 wird der Verein von 12 Personen im Saal des Hotels Ochsen gegründet. Erster Präsident wird Heinrich Schutz, erster Oberturner August Byland. Die Turnstunden werden auf Mittwochabend von 19.30 bis 21 Uhr sowie auf Sonntagmorgen von 5.30 bis 7 Uhr festgelegt – eine Zeit, die heute wohl nicht mehr durchsetzbar wäre. Aufgrund mehrerer Austritte stellt sich nur wenige Wochen nach der Vereinsgründung die erste Krise ein. Trotzdem wird der Turnverein Zurzach 1890 in den Kantonalverband aufgenommen.

1891 übernimmt der Turnverein Zurzach die Organisation des unteraargauischen Turnfests. Der Anlass sei «unter Mithilfe von angesehenen Männern aus dem Flecken» organisiert worden», weiss die Chronik zu berichten.

1900 nehmen die Zurzacher erstmals an einem Eidgenössischen Turnfest teil. Am Bahnhof werden die lorbeerbekränzten Männer von einer neugierigen Menschenmenge abgeholt. «Infolge äusserst ungünstigen Standes der Vereinskasse», wie es in der Chronik des Turnvereins heisst, wird 1909 beschlossen, am Eidgenössischen Turnfest in Lausanne nicht teilzunehmen. Gleichzeitig wird empfohlen, dem Volksturnen mehr Interesse zuzuwenden, «damit die jungen Vereinsmitglieder an der Rekrutenaushebung die turnerische Prüfung mit Erfolg bestehen». Die Generalversammlung 1911 bestimmt das Sujet für die neue Fahne. «Der Steinstosser» kostet 565 Franken. Ein grosses, für den Turnverein wichtiges Ereignis kann im darauffolgenden Jahr gefeiert werden: die Einweihung der neuen Turnhalle am Standort des heutigen Gemeindezentrums «Langwies». 1913 wirkt erstmals der neu gegründete Damenturnverein an der Turnervorstellung mit. In den Kriegsjahren werden keine Turnfeste mehr durchgeführt.

1918 zwingt eine Grippe-Epidemie sowie die Beschlagnahme der Turnhalle durch das Militär den Verein, die Turnstunden vorübergehend einzustellen.

1930 kauft der Turnverein für 3100 Franken bei den Bohrtürmen in der Barz ein Stück Land, auf dem ein Spielplatz eingerichtet wird. Wegen der finanziellen Lage ist es nicht möglich, eine Umkleidehütte zu bauen. Beim Bau des Bezirksschulhauses entsteht 1939 an der Langwiesstrasse ein neuer Sportplatz. Der Turnverein verkauft seinen Spielplatz in der Barz für 3500 Franken. Das 50-Jahr-Jubiläum muss wegen der Generalmobilmachung sistiert werden.

1941 wird die Skiriege gegründet, 1951 die Handballriege, 1953 die Jugendriege und 1956 die Leichtathletikriege. 1960 kann erstmals in den neuen Hallen der Schulanlage Tiergarten geturnt werden. 1964 feiert der Turnverein unter dem Motto «3 mal 25 Jahre jung» sein 75-jähriges Bestehen. 1973 wird der Verein in einzelne Riegen aufgeteilt; die bereits bestehenden werden erweitert.

Schaufenster und Festschrift

Im Jubiläumsjahr will sich der Turnverein Bad Zurzach der Öffentlichkeit präsentieren. Im Schaufenster an der Ecke Hauptstrasse/Baslerstrasse (ehemals Blumen Widmer) ist ab 18. Januar eine Wanderausstellung zu sehen. Bestritten wird die Ausstellung von der Skiriege, der Senioren-allround-Riege, der Männerriege +35, der Wanderriege sowie von den Abteilungen Leichtathletik, Volleyball und Fitness/Unihockey.

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