Leuggern
Von der Landwirtschaft zu Christbäumen – wie der Nebenerwerb zum Erfolgsrezept wurde

Auf vorweihnachtlicher Entdeckungsreise bei Familie Häfliger aus dem Leuggemer Ortsteil Fehrental. Sie hat ihr Geschäftsmodell erfolgreich geändert. Um den Tannenweg gedeihen nun Tausende Christbäume.

Rosmarie Mehlin (Text und Bild)
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Irene Häfliger berät Gérard Biemans aus Würenlingen. Er entscheidet sich für eine Nordmanntanne.

Irene Häfliger berät Gérard Biemans aus Würenlingen. Er entscheidet sich für eine Nordmanntanne.

CH Media

Auf dem Weg von Leuggern nach Brugg erleichtern stattliche Wegweiser aus Holz mit der Aufschrift «Christbäume» das Suchen nach dem Ziel. Es liegt im verträumten Fehrental, mit seinen 28 Einwohnern nach Hagenbuch der zweitkleinste der acht Ortsteile der Gemeinde. Dass die Familie Häfliger am Tannenweg zu Hause ist, kommt nicht von ungefähr. Über Jahrhunderte hinweg war der Weg namenlos. Eines Tages war Josef Häfliger mit dem Wunsch nach einer offiziellen Wohnadresse bei der Gemeinde vorstellig geworden und hatte den Strassennamen gleich selber vorgeschlagen: Angesichts des Baumbestands im Fehrental lag Tannenweg auf der Hand.

Vater und Grossvater Häfliger hatten die Christbaum-Produktion noch als Nebenerwerbszweig zur Landwirtschaft betrieben. Das tat, nachdem er den Hof vor 30 Jahren übernommen hatte, zunächst auch Theo. «Nachdem Vieh- und Ackerbau auf einem Hof mit nur 14 Hektar Land immer weniger rentierten, haben wir beides aufgegeben, nur noch ein paar Schafe behalten – die inzwischen auch verkauft wurden – und uns voll auf die Christbaum-Produktion konzentriert», berichtet Irene Häfliger.

Sie hält in diesen Tagen die Stellung am Tannenweg für die Kunden, die ihren Baum direkt im Fehrental kaufen. Rund 150 Stammkunden seien es, zu denen sich jeweils plus minus 30 spontane Käufer gesellten. Gatte Theo und Sohn Severin verkaufen ihre Bäume an zwei Plätzen ausserhalb. Die Häfligers haben vier Kinder zwischen 18 und 28 Jahre; der 26-jährige Severin, von Beruf Elektriker, nimmt jeweils extra «Christbaum»-Ferien.

Auch die Migros gehört zu den Kunden

Seit 2005 bilden die Christbäume das Haupteinkommen vom Ehepaar Häfliger. Auf 12 Hektar wachsen und gedeihen zwischen 80000 und 90000 vorwiegend Nordmanns-, daneben Rot- und Blautannen. «Davon verkaufen wir jährlich zirka 4000 Stück – nebst der Direktvermarktung unter anderem auch an die Migros, die Landi Klingnau und Vermittler», so Irene Häfliger und, «ja, es rechnet sich. Überdies haben wir ­Elternhaus und Stallungen ­meines Mannes um- und aus­gebaut, sodass die Mieteinnahmen von drei Wohnungen dazukommen. Zudem gehen wir beide einem Nebenerwerb nach, Theo im Gartenbau und ich als Nanny.»

Ein Auto fährt aufs Gelände: Kundschaft! Ein älteres Ehepaar – Gérard und Wilhelmine Biemans aus Würenlingen – weiss genau, was es will: eine etwa eineinhalb Meter hohe Nordmanntanne. Irene Häfliger greift zwei Exemplare aus einer am Hang liegenden Reihe heraus, Herr Biemans prüft beide von allen Seiten, der Entscheid fällt rasch. «Manche Kunden machen bei der Wahl nicht viel Federlesen, andere lassen sich sehr viel Zeit.» Gemeinsam packen Häfliger und Biemans den Baum in ein weisses Netz und der Tipp, dass «die Hände am besten mit Butter von allfälligem Harz befreit werden» wird mitgeliefert.

Die Preise richten sich nach der Höhe eines Baumes und diese wird vom untersten Nadelkranz bis zur Mitte des Spitzes bemessen. Die weitaus beliebtesten Nordmanntannen – die die Schweiz erst in den 70er-Jahren erobert hatten – kosten per Meter 30 Franken, die Blautannen 25 Franken und die Rottannen 15 Franken. Am meisten werden zwischen 1.70 und zwei Meter hohe Bäume gekauft. Vereinzelt lassen die Häfligers Bäume auch über viele Jahre stehen, um sie dann ebenfalls im Spätherbst zuschlagen, denn»auch Dekor- und Deck-Äste sind sehr gefragt.»

Viel Arbeit auch unter dem Jahr

Die Häfligers kaufen zum Aufforsten jeweils rund 20 Zentimeter hohe Setzlinge. «Diese sind rund zweijährig und wachsen unterschiedlich schnell. So sind Rottannen nach fünf bis sechs Jahren etwa zwei Meter hoch; Nordmanntannen hingegen brauchen sieben bis zehn Jahre. Das Pflanzen von Setzlingen ist eine der Arbeiten, die einen Christbaum-Produzenten im Verlaufe des Jahres intensiv beschäftigt. Damit aus Tannen schöne Christbäume werden, wollen sie kontrolliert und gehegt sein. «Vor allem muss zwischen den Bäumen regelmässig das Gras und Unkraut geschnitten werden. Die Schafe halfen da nur marginal und hatten auch immer wieder von den Knospen genascht, was die Schönheit der Bäume minderte.» Im Frühling geht Theo Häfliger regelmässig mit einer Spezialzange in die Plantagen und kneift die Spitzen, damit sie nicht übermässig in die Höhe schiessen.

Den Entscheid, ganz auf Christbaum-Produktion umzustellen, haben die Häfligers nie bereut. Auf die Frage nach einen Lieblingsbaum nebst ihren Tannen, sinniert Irene Häfliger nur kurz: «Ich liebe alle Bäume. Sie geben einem so viel Kraft.»