Lengnau
Vom Lengnauer Bauernhof in den Berliner Salon des Starcoiffeurs

Nicola Grosswiler machte seine Lehre in einem kleinen Salon in Ehrendingen. Heute arbeitet er beim Starfriseur Udo Walz in Berlin und stylt dort weltbekannte Promis wie Eva Longoria oder Nina Hagens Tochter Cosma Shiva Hagen. Er erzählt, was seine grösste Angst ist.

Britta Gfeller
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Nicola Grosswiler.

Nicola Grosswiler.

ZVG

«Herzogin Fergie und ihre Töchter Eugenie und Beatrice sind sehr nett und locker drauf», sagt Nicola Grosswiler. «Sie zu frisieren, hat grossen Spass gemacht.»

Seit fast einem Jahr arbeitet der 21-Jährige beim Starcoiffeur Udo Walz in Berlin. Sänger, Schauspieler, Politiker und Adelige zu verschönern, gehört zu seinem Alltag.

Aufgewachsen ist Nicola Grosswiler auf einem Bauernhof in Lengnau. «Dass ein Bauernsohn Coiffeur wird, ist nicht alltäglich», sagt er. Schon als kleiner Junge hegte er diesen Berufswunsch.

Damals besuchte die Coiffeuse die Familie regelmässig auf dem Hof. «Ich fand es spannend, zu den Leuten nach Hause zu gehen und dachte, das sei sicher ein gemütlicher Beruf», sagt er lachend.

Seine Lehre absolvierte er in einem kleinen Salon mit drei Mitarbeitern in Ehrendingen. Er habe dort gute Grundlagen gelernt. «Doch es war nicht das, was ich eigentlich wollte.»

Nebenbei besuchte er eine Make-up-Schule, die ihm schliesslich den Weg nach Berlin ebnete. Er stellte Fotos seiner Arbeiten ins Internet. Dort wurde ein Designer auf ihn aufmerksam.

«Er kontaktierte mich und fragte, ob ich seine Models an der Fashion Week in Berlin schminken wolle.» Also flog Nicola Grosswiler im Januar 2012 nach Deutschland. Während der Show lernte er den Starfriseur Udo Walz kennen.

«Wir kamen schnell ins Gespräch und verstanden uns von Anfang an gut. Udo sagte mir, dass ich gleich bei ihm anfangen könne.» Damals arbeitete Nicola Grosswiler in einem Salon in Zürich. Kurz darauf kündigte er seine Stelle.

«Ich habe auf mein Glück vertraut. Es hätte auch alles in die Hose gehen können. Ich hatte ja nur eine mündliche Zusage.» Doch bereits am ersten Tag in Berlin konnte er im Salon von Udo Walz anfangen.

Der Arbeitsalltag in der Grossstadt sei komplett anders als im kleinen Salon in Ehrendingen. «Die Grundlagen sind zwar die gleichen, doch es sind zwei verschiedene Welten. Die Kunden in Berlin bringen mir viel mehr Vertrauen entgegen.»

Somit könne er ausgefallenere Frisuren machen. «Es ist zwar stressiger, aber sehr cool.»

Auch der Umgang mit den Kunden ist ganz anders. Oft musste er vor dem Aufeinandertreffen einen mehrseitigen Vertrag unterschreiben, in dem festgehalten ist, wie er die Kunden ansprechen muss, worüber er reden darf, dass es verboten ist, Fotos zu machen oder Informationen weiterzugeben.

Vor vielen Terminen wird er durchsucht. «Einige Promis nehmen das Ganze sehr ernst, andere sehen es eher locker.» Grundsätzlich hätten diejenigen, die auf dem Weg dazu sind, ein Promi zu werden, mehr Allüren als diejenigen, die bereits berühmt sind.

Unter anderem frisierte Nicola Grosswiler die Schauspielerin Eva Longoria und Nina Hagens Tochter Cosma Shiva Hagen und durfte mit vier anderen Mitarbeitern die Stars und Sternchen an der Echo-Verleihung stylen.

«Meine grösste Angst ist, dass am nächsten Tag in der Zeitung steht, dass einer der Promis, die ich frisiert habe, eine schlimme Frisur hatte.» Bisher ist das jedoch noch nie passiert. «Bei Fergie, Beatrice und Eugenie stand, dass sie ‹very stylish› aussehen. Das ist natürlich auch gut für mich.»

Das Leben in Berlin gefällt dem jungen Coiffeur sehr gut. Die Leute seien offener und toleranter als in der Schweiz. Doch für immer dort bleiben möchte er nicht. «Ich brauche immer ein Ziel, auf das ich hinarbeiten kann.»

Einer seiner Träume ist es, bei einem Starcoiffeur in Los Angeles zu arbeiten. «Vielleicht klappt das irgendwann einmal. Vor einem Jahr hätte ich auch nicht gedacht, dass ich eines Tages bei Udo Walz in Berlin arbeite.»

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