Rietheim
Vögel verlieren wegen Rodungen ihr Zuhause - aber nur für wenige Jahre

Das Auenprojekt beunruhigt az-Leserin: Sie fordert gar ein Gutachten der Vogelwarte Sempach, weil Vögel wegen der Rodungen ihre Zuhause verlieren. Ein Experte der Vogelwarte gibt allerdings Entwarnung.

Nadja Rohner
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Rund um die Rodungsfläche gibt es noch Waldbestand.

Rund um die Rodungsfläche gibt es noch Waldbestand.

Nadja Rohner

Die Arbeiten zur Auenrenaturierung im Rietheimer Gebiet «Chly Rhy» sind in vollem Gange. Deutlich sieht man das an der Abholzung von rund 2000 Bäumen (az vom 13. 3.).

Nach wie vor sorgen sich az-Leser um das Wohlergehen der Vögel in der Rietheimer Aue. So schreibt eine Leserin auf aargauerzeitung.ch: «Es stand ein schöner Wald, Zuhause für viele Vögel wie zum Beispiel die Waldschnepfe.»

Obwohl die Projektverantwortlichen von Pro Natura Aargau und vom Kanton Aargau beteuerten, man nehme auf die Tiere und deren Brutzeit Rücksicht, fordert die Leserin weitere Aufklärung in Form eines Gutachtens der Vogelwarte Sempach.

Auf Anfrage erklärt Erik Olbrecht, Projektleiter der kantonalen Sektion Natur und Landschaft: «Eine Ornithologin der Vogelwarte Sempach, Claudia Müller, hat im fraglichen Gebiet während zwei Jahren alle Reviere von Brutvögeln und Gästen kartiert – wir haben also ein gutes Bild von der Lage.»

Aus dem Bericht gehe zwar hervor, dass Renaturierungsmassnahmen durchaus Auswirkungen auf häufige Waldvogelarten hätten – zum Beispiel den Kuckuck, den Kleinspecht oder die Turteltauben.

Auenlandschaft Chly Rhy in Rietheim
9 Bilder
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
Rund 2000 Bäume mussten weichen. Einzelne Bauminseln mit wertvollem, einheimischem Bestand wurden stehen gelassen.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.

Auenlandschaft Chly Rhy in Rietheim

Nadja Rohner

«Diese können aber während dieser kurzen Zeit auf Randbereiche ausweichen», sagt Olbrecht, «rundherum hat es noch genügend Waldbestand.» Auch die Nachtigall oder der Pirol werden sich kurzfristig andere Brutplätze suchen müssen. «Es kann sein, dass der Brutbestand während der Bauarbeiten etwas zurückgeht. Aber die Arten werden ihre Bestände dennoch problemlos stabil halten können», beteuert Olbrecht.

Die Quintessenz des ornithologischen Expertenberichts sei deutlich: «Mittelfristig, also auf einen Zeitraum von etwa zwei bis vier Jahren gesehen, wird die Entwicklung für die Vögel höchst positiv sein.»

Man hoffe, dass sich neue und seltene Arten in Rietheim ansiedeln werden. «Vor allem Offenlandarten, die Wiesen und Weiden bevorzugen, oder auch Feuchtgebietarten werden angezogen», sagt Olbrecht. «Zum Beispiel der Sumpfrohrsänger, die Rohrammer oder das Schwarzkehlchen.»

Die seltene Waldschnepfe, um welche die Leserin fürchtet, kommt laut einer Studie des Kantons Aargau, Birdlife Aargau und der Vogelwarte Sempach im Zurzibiet nicht vor.

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