Klingnau
Vier Wasserbüffelkälbchen sterben im Auengebiet Machme

Im Auengebiet beim Klingnauer Stausee verenden vier Kälbchen an den Folgen von Mangelernährung – die Pro Natura nimmt Stellung. Einen einzigen Schuldigen zu finden ist laut dem Naturschutzbund nicht möglich.

Britta Gfeller
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In den wärmeren Monaten finden die Wasserbüffel im Auengebiet Machme genügend natürliche Nahrung.

In den wärmeren Monaten finden die Wasserbüffel im Auengebiet Machme genügend natürliche Nahrung.

zvg

Im grossen Auengebiet Machme beim Stausee weidete von Frühling bis Herbst eine Herde Wasserbüffel. Sie wird vom Aargauischen Bund für Naturschutz Pro Natura Aargau zur Landschaftspflege eingesetzt. Vier der sechs Kälber starben in den letzten Wochen im Alter von einem bis drei Monaten.

Das erste Kalb wurde Anfang November von der aufgeschreckten Herde zertrampelt. «Den Unfall hätte der aufsichthabende Bauer nicht verhindern können», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau.

Beim zweiten, das rund drei Wochen später verendete, war die Todesursache zunächst unklar. Sofort wurden die anderen Tiere auf eine angrenzende Weide getrieben und der Kadaver untersucht. Laut dem Bericht des Tierarztes starb das Kalb an Durchfall. Die anderen Jungtiere wurden vorsorglich mit Antibiotika behandelt, doch kurz darauf starb ein weiteres. «Wir liessen das tote Tier im Tierspital genau untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht an Durchfall, sondern an den Folgen von Schwäche aufgrund mangelnder Ernährung gestorben war», sagt Jenny. Dies sei von aussen nicht erkennbar gewesen, weshalb der Tierarzt, der das erste Kalb untersucht hatte, eine Fehldiagnose gestellt habe und die Kälber nicht richtig behandelt worden seien. «Das tut uns unglaublich leid», sagt Jenny. Die anderen drei Kälber wurden sofort eingestallt, doch ein weiteres starb an den Folgen der Mangelernährung.

Bis Mitte November finden die Tiere genug natürliche Nahrung. Werden sie länger draussen gelassen, müssen sie mit zusätzlichem Futter versorgt werden. «Der Bauer, der die Aufsicht über die Tiere hatte, tat dies. Doch da der Winter so plötzlich kam, handelten wir eventuell zu spät oder fütterten zu zögerlich», sagt Christoph Flory vom Vorstand er Pro Natura Aargau. Was genau passiert sei, könne man nicht sagen. «Es war eine Verkettung unglücklicher Umständen. Einen einzigen Schuldigen zu finden ist nicht möglich.» Für die ausgewachsenen Tiere stellte das knappe Futter kein Problem dar, sie konnten jedoch nicht genug Milch produzieren, um die Jungtiere zu versorgen. Christoph Flory verspricht, dass die Pro Natura aus den Todesfällen Konsequenzen zieht. «Wir setzen alles daran, dass so etwas nicht mehr passiert. Wir werden in Zukunft keine so jungen Tiere zu dieser Jahreszeit draussen lassen.» Er betont jedoch, dass es trotz ähnlicher Umstände bisher nie zu solchen Zwischenfällen gekommen sei.

Die Wasserbüffel konnten inzwischen ihr Winterquartier beziehen. Den zwei verbliebenen Kälbern gehe es gut.

Bereits seit dem Jahr 2007 werden in der Machme Wasserbüffel zur Landschaftspflege eingesetzt. Bisher machte die Pro Natura gute Erfahrungen mit dem Projekt. Die Wasserbüffel verhindern, dass die Tümpel von Pflanzen überwuchert werden und dadurch der Lebensraum für Amphibien verloren geht. «Das ist eine umweltfreundliche Möglichkeit der Bewirtschaftung und die Pflanzen werden sinnvoll verwertet», sagt Jenny. Flory ergänzt: «Für die Tiere gibt es keinen schöneren Lebensraum als in der freien Natur.» Die ausgewachsenen Tiere seien sehr genügsam und würden auch minderwertiges Futter wie Schilf oder Büsche fressen. Die Haltung der Wasserbüffel im Auengebiet sei tierschutzkonform.