«Perspektive Surbtal»
Vier Gemeinden mit einem gemeinsamen Ziel

Das Massnahmenpaket «Perspektive Surbtal» kommt im November vor die Gemeindeversammlungen.

Philippe Neidhart
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Gemeinsam zukunftsorientierte Lösungen finden, ohne zu fusionieren. Dies ist das erklärte Ziel von «Perspektive Surbtal». Vor zweieinhalb Jahren haben die Gemeinden Tegerfelden, Lengnau, Endingen und Unterendingen das Projekt ins Leben gerufen. Nun präsentieren sie einen Massnahmenkatalog, über den die Bevölkerung im November an den Gemeindeversammlungen befinden wird. Von ursprünglich 25 Empfehlungen haben sich die Ammänner auf sechs Punkte geeinigt.

Einheitlicher Auftritt

Das erste Massnahmenpaket will die verschiedenen Kommunikationsmittel im Surbtal vereinheitlichen. Das Projekt sieht vor, die Internetauftritte der Gemeinden aneinander anzupassen und ein gemeindeübergreifendes Bulletin zu lancieren. «Man soll in Tegerfelden lesen können, was bei uns in Lengnau passiert», sagt der Lengnauer Gemeindeammann Kurt Schmid. Finanziell werde es sich im Rahmen der bisherigen Kosten halten.

Attraktivität für die Region

Anders sieht das bei der geplanten Massnahme «Interkommunale Kommissionen Kultur, Umwelt, Sport» aus. Diese würde die Gemeinden im Jahr rund 40000 Franken kosten. «Der Mehrwert von ‹Perspektive Surbtal› liegt nicht im finanziellen Bereich», sagt Schmid. Vielmehr sollen die Neuerungen die Attraktivität der Region erhöhen. So gab es bis anhin nur selten Anlässe, die über die Gemeindegrenzen hinaus gingen. Mit der Kommission Kultur will man das ändern. Im Jahr 2012 soll diese ein regionales Kulturkonzept erstellen.

Im Bereich Umwelt muss die momentane Situation zuerst analysiert werden. Denn zurzeit sei man in den verschiedenen Gemeinden noch unterschiedlich weit im nachhaltigen Umgang mit der Natur. Ebenfalls im Jahr 2012 soll deshalb ein Massnahmenkatalog erstellt werden. Für Kurt Schmid ist aber vor allem die Umsetzung wichtig. «Man muss in der Natur etwas sehen können.»

Im Bereich Sport sieht «Perspektive Surbtal» momentan keine Schritte vor. Der Bezirk Zurzach ist seit einiger Zeit daran, ein Sportkonzept zu erstellen. «Wir gehören alle zum Zurzibiet und wollen uns mit diesem Projekt nicht absetzen», sagt Keller. Deshalb wartet man mit konkreten Plänen, bis der Bezirk sein Konzept präsentiert hat.

Mehrwert liegt in der Kompetenz

«In der heutigen Zeit braucht man Fachmänner», erklärt Erwin Baumgartner, Gemeindeammann von Tegerfelden. Mit der Massnahme «Regionale Bauverwaltung» will man vor allem in den Bereichen Hoch- und Tiefbau eine Professionalisierung erreichen. Zudem sollen die Bauordnungen aufeinander abgestimmt werden. «Unser Ziel ist es, nach aussen als einheitliches Gebiet zu erscheinen.» Die Ammänner versprechen sich davon eine Qualitätssteigerung. Deshalb soll sowohl im Hoch- wie auch im Tiefbausektor eine neue Stelle geschaffen werden. Diese will man in eine der Gemeinden integrieren. Momentan rechnet man mit Zusatzkosten von rund 150000 Franken.

Auch im Sozialdienst wird die Forderung nach mehr Kompetenz laut. «Von Jahr zu Jahr werden die Fälle komplexer und die Kunden anspruchsvoller», sagt Baumgartner. Dies führe zu einer enormen Belastung der jeweiligen Behördenmitglieder. Deshalb soll mit der Massnahme «Regionaler Sozialdienst» eine einzelne Anlaufstelle für die vier Gemeinden geschaffen werden. Baumgartner verspricht sich davon vor allem eine Verbesserung der Abläufe. Wie auch die Bauverwaltung ist eine Integration in eine Verwaltung der beteiligten Gemeinden vorgesehen.

«Eine Schule im Surbtal», so ist die Vision, die mit der Massnahme «Gemeinsame Organisation Volksschule» angestrebt wird. Primär würde damit eine einheitliche Schulpflege von
8 Personen geschaffen. Momentan hat jede Gemeinde eine eigene Schulpflege mit insgesamt 20 Mitgliedern. Die Schulstandorte sollen für Kindergärtler und Primarschüler jedoch erhalten bleiben.

Emotionale Entscheidung

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt teilen sich die Gemeinden Tegerfelden, Endingen und Unterendingen eine Feuerwehr. Vom Jahr 2012 an soll auch Lengnau an die bereits bestehende Feuerwehr Unteres Surbtal angeschlossen werden. Denn diese hat momentan Probleme, genügend Freiwillige zu finden. «Wir als Landgemeinde können nicht mehr auf
die Bauern zurückgreifen», sagt Kurt Schmid.

Deshalb sei es notwendig, diesen Schritt zu tätigen. Auch finanziell würde es sich lohnen. Rund 100000 Franken könnten die Gemeinden pro Jahr einsparen. Über jede der Massnahmen wird an den Gemeindeversammlungen einzeln abgestimmt. «Die Bevölkerung ist matchentscheidend. Ein Nein kann das ganze Projekt auf Eis legen», sagt Lukas Keller, Gemeindeammann von Endingen. Doch er glaubt an den Erfolg des Projekts: «Die Chemie unter den Gemeinden stimmt.»

Ausserdem seien die Vorbereitungen auf das Projekt in der Vergangenheit schon zweimal vom Volk befürwortet worden.