Döttingen
Verwaltung in Döttingen, Oberstufe in Klingnau

Fusion oder Eigenständigkeit? Die zweite Informationsveranstaltung zur Prüfung einer Vereinigung der beiden Gemeinden Döttingen und Klingnau hat stattgefunden.

Angelo Zambelli
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Döttingen (vorne) und Klingnau sind baulich bereits eine Einheit. Werden sie es auch politisch?

Döttingen (vorne) und Klingnau sind baulich bereits eine Einheit. Werden sie es auch politisch?

Angelo Zambelli

An der Infoveranstaltung in der Turnhalle Bogen in Döttingen liessen die beiden Gemeinderäte mehrere Katzen aus dem Sack: Die gemeinsame Verwaltung soll in Döttingen eingerichtet werden, ebenso der Werkhof für Forst und Bauamt. Im Gegenzug könnte in der frei werdenden Klingnauer Propstei neuer Schulraum geschaffen werden. Als wichtiges Ziel ist im Bericht der Arbeitsgruppen formuliert, die Oberstufenschule in Klingnau zu erhalten.
Bei den Eigenwirtschaftsbetrieben wären nach Ansicht der Arbeitsgruppen und der beiden Gemeinderäte zahlreiche Einsparungen möglich. Fest steht aber auch, dass die Reglemente und Gebühren vereinheitlicht werden müssten.
Zahlen im Vordergrund
Nachdem an der ersten Informationsveranstaltung in Klingnau das neue Wappen und die Bezeichnung für die fusionierte Gemeinde im Mittelpunkt gestanden hatten, rückten an der zweiten, von Regierungsrat Urs Hofmann mit einem Referat zur Zukunft der Aargauer Gemeinden angereicherten Orientierungsversammlung die Zahlen in den Vordergrund. Von besonderem Interesse waren die finanzielle Lage der Gemeinden sowie der zu erwartende Steuerfuss nach einer Fusion.
Aus der Arbeit der sieben Arbeitsgruppen geht hervor, dass Döttingen auch ohne Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Klingnau den Steuerfuss über kurz oder lang von 60 auf 90 Prozent wird anheben müssen. Schliessen sich die beiden Gemeinden zusammen, kann mit einem Steuerfuss zwischen 85 und 90 Prozent gerechnet werden.
Ausserdem wird im Bericht festgehalten, dass sich die beiden Gemeinden bezüglich Steuerkraft ungefähr die Waage halten. 2011 lagen in Klingnau die Steuern pro Kopf bei 2462 Franken, in Döttingen bei 2797 Franken. Die Einkommenssteuern in Klingnau betrugen pro Kopf 2051 Franken, in Döttingen 1906 Franken. Völlig anders sieht die Situation bei den Aktiensteuern aus: Der Beitrag der Axpo führte 2011 in Döttingen zu einer Aktiensteuer pro Kopf von 745 Franken, während Klingnau in dieser Sparte nur 219 Franken pro Kopf verbuchen konnte. Döttingen verfügt über ein Nettovermögen von 7,7 Millionen Franken, Klingnau weist eine Nettoverschuldung von 0,9 Millionen Franken auf. Ausgeglichen wird diese Situation durch das «Klingnauer Tafelsilber», wie Ammann Peter Bühlmann den Eigenwirtschaftsbetrieb Elektrizitätsversorgung nannte. Dessen Wert wird mit rund 10 Millionen Franken angegeben.
Einsparung von 700 000 Franken
Die finanziellen Einsparungen eines Zusammenschlusses werden auf jährlich rund 700 000 Franken geschätzt und erstrecken sich auf die Bereiche Verwaltung, Oberstufenschule, Werkhof (Bau und Unterhalt) sowie auf den Forstbetrieb und die Eigenwirtschaftsbetriebe Wasser und Abwasser. «Wir stehen vor einer wichtigen Weichenstellung», sagte Gemeindeammann Peter Hirt (Döttingen). «Es kann niemandem egal sein, wohin die Reise geht.»
Hirt wies auf die Herausforderungen hin, die in den nächsten Jahren auf die Aargauer Gemeinden zukommen werden und die nach Ansicht der beiden Gemeinderäte einen Zusammenschluss als sinnvoll und nützlich für beide Seiten erscheinen lassen. Als Herausforderungen genannt wurden die wachsenden finanziellen Lasten als Folge der Aufgabenteilung zwischen dem Kanton und den Gemeinden, die wachsenden Sozialausgaben sowie die sich anbahnenden demografischen Veränderungen. Die Geburtenzahlen und damit auch die Schülerzahlen brechen ein, die Bevölkerung wird immer älter. Erschwerend kommt nach Einschätzung der beiden Gemeinderäte hinzu, dass das Verkehrsaufkommen weiter zunimmt und die strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft zur Abwanderung von Arbeitsplätzen führt. «Diese Herausforderungen lassen sich nicht mehr im Alleingang bewältigen, sondern nur im regionalen oder überregionalen Verbund», sagte Hirt.
Für Christoph Brunner von der Beratungsfirma OBT AG bestehen die Vorteile eines Zusammenschlusses nicht nur in den Einsparungsmöglichkeiten, sondern auch darin, dass die grossen Unsicherheiten bei den Döttinger Aktiensteuern durch eine Fusion verringert werden können.