Verkehrskollaps: Koblenz sperrt Strassen

Wegen der geschlossenen Grenzen kommt es zu grossen Staus. Jetzt reagiert das Dorf.

Stefanie Garcia Lainez
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Feuerwehrleute schicken Autofahrer ohne Passierscheine wieder nach Klingnau.

Feuerwehrleute schicken Autofahrer ohne Passierscheine wieder nach Klingnau.

Bild: Philipp Zimmermann

Stossstange an Stossstange fahren die Autos regelmässig durch Koblenz. Normalzustand für das staugeplagte Dorf am Rhein. Die Situation verschlimmerte sich, als die Schweizer und deutschen Behörden vor einem Monat wegen der Coronapandemie die Grenzen schlossen und zwei Wochen später Deutschland auch die Zugverbindung zwischen Waldshut und Koblenz einstellte. Die Folge: Der Verkehr innerhalb des Dorfes brach völlig zusammen, die Post oder der Dorfladen waren mit dem Auto kaum mehr erreichbar. «Die Koblenzer waren komplett blockiert», sagt Ammann Andreas Wanzenried (parteilos). «Teilweise stand man mit dem Auto zehn Minuten an der gleichen Stelle.» Nun hat die Gemeinde gewisse Strassen gesperrt. Koblenzer können auf der Gemeinde einen Passierschein beantragen.

Stau gehört für die Koblenzer fast schon zum Alltag. «Seit der Schliessung der Grenzen hat sich die Situation aber massiv verschlimmert», sagt Wanzenried. Denn weit und breit ist der Koblenzer Grenzübergang der einzige, der noch offen ist. «Der gesamte Pendlerverkehr aus der Region konzentriert sich jetzt auf den Übergang Koblenz/Waldshut», sagt Wanzenried. «Das führt in beide Richtungen zu grossen Staus.» Und dies, obwohl der Einkaufstourismus faktisch verboten wurde. Als Deutschland den grenzüberschreitenden Zugverkehr Ende März einstelle, verschlimmerte sich die Situation noch zusätzlich. «Fast alle diese Pendler sind jetzt wohl aufs Auto umgestiegen», sagt Wanzenried.

«Die aktuelle Situation ist eine Zumutung»

Mit Folgen: «Viele Autofahrende hoffen, dem Stau ein Schnippchen schlagen zu können, und fahren über land- und forstwirtschaftliche Zufahrtswege via Oberdorf», so Wanzenried. «Sie kümmern sich dabei weder um Fahrverbote noch um den schlechten Zustand der Feldwege.» Andere versuchten den Stau auf der Umfahrungsstrasse über die Landstrasse durch das Dorf zu umgehen. Das führte zu Stau auch innerhalb des Dorfes. Koblenzer, die aus dem Mittel- und Oberdorf in Richtung Bahnhof oder Grenzübergang im Unterdorf fahren wollten, kamen kaum mehr vorwärts. «Das ist eine Zumutung.»

Um für die Koblenzer die Situation zu entschärfen, werden seit Anfang dieser Woche in Absprache mit dem Klingnauer Gemeinderat und der Regionalpolizei Zurzibiet werktags zwischen 16 und 19 Uhr folgende Zufahrten gesperrt: von Bad Zurzach her die Landstrasse 20 Meter nach dem Knoten ARA sowie von Klingnau herkommend die Hardstrasse, wo die Zürigasse und die Hardstrasse zusammenkommen. Verschiedene Informationstafeln weisen schon vor der Absperrung auf das temporäre Fahrverbot hin. Die Bewohner des Quartiers Chiesweg in Klingnau können ihre Wohnungen und Häuser ohne Behinderung weiterhin erreichen, da die Sperre weiter oben angebracht wurde. Wer via Zürigasse nach Koblenz will, wird ohne Passierschein zurzeit von Feuerwehrleuten via Hardstrasse nach Klingnau zurückgeschickt − ihre Anweisungen übersteuern gemäss Repol bestehende Signalisationen wie etwa das Fahrverbot auf der Hardstrasse. «Die Massnahmen zeigen derzeit sehr gute Wirkung», sagt Wanzenried.

Zahlreiche Koblenzer haben auf der Kanzlei bereits einen Passierschein beantragt. «Wir werden regelrecht überrannt», sagt Wanzenried. Die Rückmeldungen seien grundsätzlich positiv. Sobald die Grenzen wieder geöffnet werden, sollen die temporären Fahrverbote voraussichtlich wieder aufgehoben werden.