Bad Zurzach
Verfrühter Abschied wegen Aargauer Lockdown: Lederparadies schliesst nach 34 Jahren

Nach 34 Jahren schliessen die Besitzer Margot und Walter Haus ihr Lederparadies in der Baslerstrasse in Bad Zurzach. Die Coronamassnahmen bescheren dem Ehepaar einen verfrühten Abschied.

Larissa Gassmann
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Alles muss weg, bevor das Rentnerleben starten kann: Walter und Margot vor ihrem Lederparadies in Bad Zurzach.

Alles muss weg, bevor das Rentnerleben starten kann: Walter und Margot vor ihrem Lederparadies in Bad Zurzach.

Zur Verfügung gestellt

Egal, ob Rucksäcke, Taschen oder Koffer gefragt waren: Über drei Jahrzehnte hinweg war Walter Haus gemeinsam mit seiner Ehefrau Margot im Lederparadies für seine Kundinnen und Kunden da. Doch wo in der Baslerstrasse einst schicke Markenhandtaschen standen, herrscht nun gähnende Leere. Nach 34 Jahren werden die Überbleibsel einer Ära beseitigt.

Trotz der unausweichlichen Geschäftsschliessung hält sich der Abschiedsschmerz bei Walter Haus in Grenzen. Schliesslich wurde sie über fünf Jahre hinweg geplant. Nach seiner Frau wird auch er in diesem Jahr pensioniert. Wehmut lässt er kaum walten.

«Es war der richtige Zeitpunkt für die Schliessung», sagt er. Getrübt wird die Freude über die künftigen Freiheiten nur durch die acht Tage, die Haus durch die Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie verloren hat. Dass die Läden im Kanton seit dem 20. Dezember geschlossen bleiben müssen, kann er nicht verstehen. «Nach all den Jahren wurde uns das letzte Weihnachtsgeschäft gestohlen», sagt er.

«Manchmal war man auch eine Art Therapeut»

Erlebt hat der 64-Jährige mit seinem Geschäft zuvor schon so einige Weihnachtsverkäufe. Jahre kamen und gingen. Doch das Lederparadies blieb eine Konstante in Bad Zurzach. Geöffnet hat Haus seinen Laden einst 1986. Mit Lederwaren kannte er sich damals schon bestens aus; nach seiner Ausbildung zum Lebensmittelverkäufer war er zusammen mit seinem Bruder sechs Jahre als Grosshändler für Taschen und Koffer tätig.

Das Lederparadies vor der Schliessung.

Das Lederparadies vor der Schliessung.

Zur Verfügung gestellt

Geschätzt hat er in all der Zeit vor allem den Kontakt zu den Menschen. «Manchmal war man auch eine Art Therapeut», sagt Haus. «Viele kamen nur vorbei, um mit uns zu schwatzen. Wir haben in wenigen Minuten die ganze Lebensgeschichte erfahren.» So seien immer wieder Menschen zu ihm in den Laden gekommen, die zur Reha in der Gegend weilten. Oft waren dies Kurgäste aus dem Ausland. Auch Stammkunden gab es einige. «Wir hatten wirklich gute Leute», sagt er.

Das Internet führte zu einem Kundenschwund

Und doch: Die Digitalisierung machte auch vor dem Lederparadies nicht halt. Kauften früher oft Junge Geburtstagsgeschenke im Laden, so wich die neue Generation auf Onlineshops aus. Auch Rucksäcke wurden immer weniger direkt vor Ort besorgt. «Das Internet hat uns einen Teil der Kunden weggenommen», sagt Haus. Auch er selbst begann bald, seine Artikel in einem eigenen Onlineshop anzubieten: «Ohne den hätten wir schon längst zugemacht.»

So kam es für ihn nicht in Frage, das Geschäft einem Nachfolger anzuvertrauen. «Das hätte ich nicht mit gutem Gewissen machen können. Es ist leider Fakt, dass wir immer weniger Kundschaft hatten», sagt er. Somit bleibt unklar, wer nach dem Ehepaar in die Lokalität einzieht. Noch hat Walter Haus sowieso andere Probleme.

Nebst den üblichen Aufräumarbeiten geht es für ihn nun darum, die noch verbliebenen Produkte zu verkaufen oder zu verschenken. Erst danach kann das Ehepaar in das langersehnte Rentnerleben starten. Mit dem Wohnwagen soll es jeweils öfter als bisher in Richtung Bodensee gehen. «Es war schön», sagt Haus. «Aber wir freuen uns doch über unsere Pensionierung.

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