Badenfahrt
Verein «Doppeltür» zeigt Interesse an Zurzibieter Festbeiz «Baumhuus»

Die Zurzibieter Festbeiz an der Badenfahrt lehnt sich an das Guggenheim-Museum in New York an. Was mit dem eleganten Holzbau danach passiert, ist unklar. Das könnte sich bald ändern.

Daniel Weissenbrunner
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Das auffällige «Baumhuus» an der Badenfahrt: Steht es künftig im Surbtal?

Das auffällige «Baumhuus» an der Badenfahrt: Steht es künftig im Surbtal?

Sandra Ardizzone

Guggenheim: Heute steht der Name der jüdischen Familie für abstrakte Kunst, soziales Engagement und internationales Mäzenatentum. Früher beherrschten die Guggenheims den weltweiten Markt für Kupfer, Silber und Blei. Sie gehörten nebst den Vanderbilts und den Rockefellers zu den reichsten und einflussreichsten Familien Amerikas. Der Grundstein für das mächtige Bergbau-Imperium war eine Mine, die der in Lengnau geborene Meyer Guggenheim 1881 kaufte.

Sein Sohn Solomon gründete in den 1930er-Jahren die Solomon Guggenheim Foundation zur Förderung des öffentlichen Verständnisses für die moderne Kunst. 1943 beauftragte er den Architekten Frank Lloyd Wright mit dem Entwurf eines Museums an der Fifth Avenue in New York. Das Gebäude hat die Form einer Spirale. Der Kreis ist dabei das Hauptmotiv der terrassenförmigen Etagen. Genau dieser Grundriss diente dem Badener Architekturbüro Sidler als Vorlage für das Zurzibieter «Baumhuus» an der Badenfahrt, die gestern eröffnet wurde und bis Sonntag in einer Woche dauert.

Die Idee hatte David Sidler, Mitinhaber und Geschäftsleitungsmitglied des Büros. Er las ein Buch über Frank Lloyd Wright und fühlte sich von seinen Formen inspiriert. «Der Zurzibieter Aspekt war uns am Anfang des Projekts gar nicht bewusst», sagt Sidler, der selber in Lengnau aufgewachsen ist. «Als der geschichtliche Zusammenhang bekannt wurde, hat das Projekt zusätzliche Dynamik erhalten.»

Das Original: Das Guggenheim-Museum in New York.

Das Original: Das Guggenheim-Museum in New York.

Reuters

Erste Gespräche

Bis ins 19. Jahrhundert waren die Gemeinden Lengnau und Endingen die beiden einzigen Ortschaften, in denen Juden leben durften. Meyer Guggenheim kam 1828 in Lengnau zur Welt. Einer, der mit der Geschichte der Guggenheims bestens vertraut ist, ist Roy Oppenheim. Der bekannte Publizist lebt ebenfalls in Lengnau und ist selbst jüdischer Abstammung. Er macht regelmässig Führungen auf dem jüdischen Kulturweg. «Die Guggenheims und Lengnau verbindet viel Symbolik», sagt Oppenheim. 1847, im Jahr als die älteste Synagoge der Schweiz im Surbtal gebaut wurde, wanderten die Guggenheims nach Amerika aus, wo sich Vater und Sohn zunächst als Hausierer von Putzmitteln verdienten. Vom späteren Wohlstand der Familie profitierte auch das Surbtaler Dorf. 1901 spendete Guggenheim einen namhaften Betrag an das Schweizerische Israelitische Alters- und Pflegeheim Margoa, das es heute noch gibt.

Roy Oppenheim ist Initiant des Projekts «Doppeltür», das sich für das "Baumhuus" interessiert.

Roy Oppenheim ist Initiant des Projekts «Doppeltür», das sich für das "Baumhuus" interessiert.

Alex Spichale

Eine Viertelmillion Franken steckten Zurzibieter in das «Baumhuus»-Projekt. Noch ist offen, was mit dem Pavillon nach dem Fest passiert. Bis jetzt hat sich kein Käufer anerboten. Das könnte sich nun ändern. Roy Oppenheim hat in dieser Woche erste lose Gespräche mit den Verantwortlichen geführt. Hintergrund des Austauschs: Oppenheim ist Hauptinitiant des jüdisch-christlichen Vermittlungsprojekts «Doppeltür». Das Vorhaben soll eine touristische Attraktion im Surbtal werden. Für 16 Millionen Franken soll die Geschichte der Surbtaler Juden aufbereitet werden. Herzstück ist ein interaktives Besucherzentrum. Ergänzend zum bisher bestehenden Konzept könnte sich Roy Oppenheim die Integration des «Baumhuus» vorstellen.

«In welcher Form der Pavillon eingebettet werden könnte, müsste im Detail abgeklärt werden», sagt Oppenheim. Denkbar sei, dass das «kleine Guggenheim-Museum» als Übergangslösung verwendet würde, bis das Besucherzentrum steht. Der Gedanke sei jedenfalls sehr reizvoll, betont Oppenheim. Zumindest technisch dürfte einer Realisierung nichts im Wege stehen. «Der Bau ist so konzipiert, dass man ihn für Wohnungen oder auch für mögliche Ausstellungen nutzen könnte», sagt David Sidler.