Radsporttage Gippingen
Velodrama: Beschuldigter aus Haft entlassen – Strafverfahren läuft weiter

Der 50-Jährige, der nach dem tödlichen Unfall bei den Radsporttagen Gippingen am Samstag verhaftet worden war, ist wieder frei. Das Zwangsmassnahmengericht hat die Untersuchungshaft abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft zieht den Entscheid weiter.

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Nach dem tragischen Todesfall an der Unfallstelle in Böttstein wurde ein Velofahrer verhaftet. Nun ist er wieder auf freiem Fuss. (Symbolbild)

Nach dem tragischen Todesfall an der Unfallstelle in Böttstein wurde ein Velofahrer verhaftet. Nun ist er wieder auf freiem Fuss. (Symbolbild)

Angelo Zambelli/Keystone

Obwohl der Unfallhergang ungeklärt ist und belastende Zeugenaussagen gegen ihn vorliegen, muss die Staatsanwaltschaft den möglichen Verursacher des tödlichen Velounfalls von Böttstein freilassen. Das Zwangsmassnahmengericht hat den Antrag auf Untersuchungshaft am Mittwoch abgelehnt, das Obergericht hat diesen Entscheid am Donnerstag bestätigt.

Die Unfallstelle in Böttstein.

Die Unfallstelle in Böttstein.

Tele M1

Vor beiden Instanzen argumentierte die Staatsanwaltschaft, bei einer Freilassung des Beschuldigten bestehe Verdunkelungsgefahr. «Wir sind der Meinung, dass der Mann Personen beeinflussen könnte, die ihn belasten», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die beiden Gerichtsinstanzen teilten diese Ansicht nicht, das Obergericht entschied gestern per superprovisorischer Verfügung, dass der Beschuldigte freigelassen werden muss.

Dass ein Antrag für Untersuchungshaft abgelehnt wird, kommt laut Strebel immer wieder vor. «Früher entschied der Staatsanwalt selber über U-Haft, nach der neuen Strafprozessordnung müssen die Anträge vom unabhängigen Zwangsmassnahmengericht geprüft werden», erklärt die Juristin.

Die Staatsanwaltschaft hat die Verfügung angefochten, bis der definitive Entscheid vorliegt, bleibt der Mann auf freiem Fuss. Dennoch läuft das Verfahren wegen eventualvorsätzlicher Tötung, fahrlässiger Tötung sowie schwerer Körperverletzung gegen ihn weiter, wie Elisabeth Strebel bestätigt.

SVP-Nationalrat und Jurist Luzi Stamm hatte die Untersuchungshaft für den Mann auf Tele M1 als übertrieben bezeichnet. «Es scheint mir, dass man den Betroffenen gut nach Hause gehen lassen könnte», sagte Stamm. Und weiter: «Von aussen
gesehen, habe ich im ersten Moment gestaunt, dass in diesem Fall jemand in Haft genommen wurde.»

Die Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen den Vorwurf, die U-Haft für den Beschuldigten sei unverhältnismässig. «Wir haben einen Todesfall, und wir haben Zeugen, deren Aussagen den Mann belasten», hält sie fest. Deshalb sei es die Pflicht der Staatsanwaltschaft, alles zu unternehmen, um diesen Fall aufzuklären.

Team nicht an der Züri Metzgete

Der nun Freigelassene hatte am Samstag beim Gippinger Amateurrennen auf der Mandacherstrasse in Böttstein eine Fahrergruppe überholt. Dabei touchierte der 50-Jährige einen anderen Teilnehmer, worauf vier Fahrer stürzten. Einer von ihnen verletzte sich beim Sturz so schwer, dass er später im Spital verstarb.

Das Amateur-Radteam des Beschuldigten verzichtet auf das nächste Rennen. «Der tragische Unfall am GP Gippingen und der Respekt vor unserem tödlich verunglückten Sportskameraden, den Verletzten und Angehörigen bewegt uns dazu, nicht an der Züri-Metzgete vom nächsten Sonntag teilzunehmen», heisst es auf der Facebook-Seite des Teams.